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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

23.11.2018

Wie kann ich die Wahrheit erkennen?

Grafik: Karl

Grafik: Karl

Bei der Vorbereitung des Abiturgottesdienstes unserer beiden Neumarkter Gymnasien  hatte sich eine Gruppe von Schülern sehr stark engagiert. Sie wollten unbedingt das Thema „Wahrheit“ in den Mittelpunkt rücken. Im Hintergrund stand der in der Presse neu aufgekommene Begriff Fake News. Es ging darum, wie wir uns davor schützen können, dass wir in unserer heutigen Medienwelt nicht Falsch-Nachrichten auf den Leim gehen, sondern  die Wahrheit der Dinge und die Wahrheit über unser eigenes Leben erkennen? 

Zutiefst bewegt hat es damals die Gottesdienstbesucher, dass den Abiturienten das Thema „Wahrheit“ so wichtig ist. Die Schüler sahen sich im Einklang mit Jesus, der im Evangelium des Christkönigsfestes vor seinem Richter Pilatus bekennt: „Ich bin dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“. Doch mit einem solchen Bekenntnis weiß der Heide Pilatus nicht viel anzufangen. Ihn interessiert vor allem, ob in diesem Mann Jesus eventuell ein Revoluzzer steckt, der der Staatsmacht Rom gefährlich werden könnte. Doch bald schon erkennt Pilatus, dass Jesus keine Legionen von Soldaten hinter sich hat und somit völlig machtlos vor ihm steht. Die einzige Macht, die er hat, ist für Jesus das Zeugnis für die Wahrheit. Die Wahrheit aber ist für Jesus Gott selber. 

Wie aber die Wahrheit, die Gott ist, erkennen und wie selber wahr werden? Mischt sich nicht bei uns immer wieder die Lüge unter die Wahrheit? Hängen nicht Wahrheit und Lüge oft eng zusammen wie das Unkraut und das Wurzelwerk einer Pflanze? Wer kann denn schon beide voneinander trennen, um nicht den vielen Fake News unserer modernen Welt zu erliegen? 

Die Antwort Jesu lautet: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“. Aus der Wahrheit sein, aus Gott sein, Gott wie einen Schutzschild um uns haben, Gott wie einen Schatz oder wie eine innere Stimme in sich tragen: Hat nicht Jesus selber so gelebt? War nicht genau das seine „geheimnisvolle Speise“, die Lebens- und Überlebenskraft, die ihn nährte und die ihn auch noch im Sterben am Leben erhielt? Bestand nicht genau darin seine frohe Botschaft: Gott ist Herr und König der ganzen Welt. Seine Königsherrschaft beruht nicht auf Macht und Gewalt, sondern auf der Macht der Liebe und auf der Macht der Wahrheit. 

Je mehr ich auf seine Stimme höre, umso mehr werde ich erkennen, was für mich Wahrheit und was Lüge ist. Umso mehr bin ich gewappnet gegen Fake News. Ich kann dann „die Wege Gottes“ immer mehr erkennen und sie zu meinen eigenen machen. Diese Auseinandersetzung mit dem Thema Wahrheit war für die Jugendlichen sehr wichtig für ihren künftigen Lebensweg. Ist sie das auch für uns?

Richard Distler, Pfr. i. R.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 23. Juni 2019

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