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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

17.02.2021

Wie wir neue Menschen werden können

Wie wir neue Menschen werden können

Wie wir neue Menschen werden können            Foto: epd

Fastenzeit, österliche Bußzeit – vielleicht geht es Ihnen wie mir: Beim Hören dieser Worte macht sich ein mehr oder weniger großes Unbehagen breit. Verzicht, Buße, Umkehr – das alles sind Dinge, die nicht nur unbequem, sondern für viele von uns auch veraltet klingen. Ist das denn heute überhaupt noch zeitgemäß? 

Nun, Fasten und der Verzicht auf ungesundes Zuviel liegt ja heute durchaus wieder im Trend. Aber der Sinn der österlichen Bußzeit erschöpft sich nicht in einer Art körperlichen Frühjahrskur, wie sie auch im außerchristlichen Bereich praktiziert wird, sondern ist tiefgehender. Es geht nicht (nur) um die Erneuerung und Entschlackung des Leibes, sondern des gesamten Menschen. Oft vergessen wir in unserer Sorge um körperliche Gesundheit und Schönheit, dass der Mensch auch einen Geist und eine Seele besitzt, für deren „Gesundheit“ und „Schönheit“ zu sorgen ist. Wie der Leib sich von Giftstoffen reinigen soll, wie sorgfältige Pflege die Schönheit des Leibes unterstützt, wie der Geist Zeiten der Ruhe und der Entspannung benötigt, so gilt dies auch für die Seele. Wir sind von Gott als sein Ebenbild geschaffen, fähig und gerufen zu lieben wie er. Uns ist in der Taufe ewiges, göttliches Leben geschenkt worden. Wir sind zu „neuen Menschen“ geworden. Gott selbst hat uns zu seinen Kindern gemacht. Unser Leben hat durch diese Berufung zur ewigen Liebe einen neuen Sinn und eine neue Ausrichtung erhalten. Doch ist dieses Geschenk des göttlichen Lebens eine Gabe, die uns zur Aufgabe gegeben ist und unsere freie Mitarbeit jeden Tag erfordert. Wir tragen diesen Schatz, so drückt es der heilige Paulus aus, in „zerbrechlichen Gefäßen“ (2 Kor 4,7). Dieses übernatürliche Leben, das unserer Seele ihre Schönheit verleiht, bedarf unserer Aufmerksamkeit und Pflege, wenn es nicht verkümmern soll. Die österliche Bußzeit ist der Aufruf, sich der Erneuerung unserer Seele zuzuwenden und sich somit auf das höchste Fest im Jahreskreis vorzubereiten, um am Osterfest mit Christus als erneuerter Mensch aufzuerstehen. 

Mit dem heutigen Evangelium werden wir in die Atmosphäre dieser liturgischen Zeit eingeführt: Der Geist treibt Jesus in die Wüste, einen Ort der Prüfung, der Versuchung, aber auch der besonderen Gottesnähe. Die Juden erlebten in den 40 Jahren der Wüstenwanderung die Versuchung, an Gott und seinem Beistand zu zweifeln und „zu den Fleischtöpfen Ägyptens“, in die Sklaverei, zurückzukehren. Gleichzeitig lernten sie auf die Stimme Gottes zu hören, der sie aufrief, sein heiliges Volk zu werden. 

Das heutige Evangelium berichtet zudem von der ersten Predigt Jesu und auch diese Worte scheinen „schwierig“ zu sein: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Dieser Aufruf gilt auch uns, selbst wenn wir vielleicht oberflächlich meinen, dass es im Großen und Ganzen schon so „passt“. Die Fastenzeit ist ein Aufruf, sich nicht mit einer Mittelmäßigkeit, dem Gewohnten, zufrieden zu geben, sondern sich zu fragen, was Christsein für mein Leben eigentlich bedeutet, was ich in meinem Leben von den Haltungen Christi lernen soll, um meine Taufberufung als neuer Mensch zu leben. Lassen wir uns in die Einsamkeit der Wüste führen. Überprüfen wir unsere Haltungen, Gewohnheiten und Prioritäten in unserem Alltag und lassen wir uns von ihm erneuern. 

Pia Sommer, Kirchenzeitung Nr. 08 vom 21. Februar 2021 - Evangelium: Mk 1, 12–15


Erster Fastensonntag

„Fastenzeit“ oder „Österliche Bußzeit“, das sind die vierzig Tage der Vorbereitung auf Ostern, das Fest aller Feste. Wir werden an die vierzig Jahre erinnert, die Israel in der Wüste verbracht hat, zwischen Ägypten, dem Land der Knechtschaft und dem verheißenen Land Kanaan. Wir werden auch an die vierzig Tage erinnert, die Jesus in der Wüste gefastet hat. Wüste bedeutet Freiheit, aber auch Unsicherheit, Armut, Durst und Hunger. Alles Unwesentliche wird unwichtig, künstliche Lichter und falsche Ideale verblassen, je mehr wir uns in das Licht Christi stellen. Wir begreifen die Notwendigkeit, anders zu werden. Wir verstehen die Umkehr, die Rückkehr zu Gott als Geschenk seiner Gnade und zugleich als die große, wesentliche Arbeit unseres Lebens,
wenn wir diese Zeit der Vorbereitung auf Ostern nutzen.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 16. Mai

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