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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

06.07.2018

Willibald – Ein Mann der Ökumene

Foto: Heberling

Foto: Heberling

Willibald als Mann der Ökumene zu bezeichnen, scheint auf Anhieb völlig abwegig zu sein. Ökumene ist ja das Bemühen, die verlorene Kircheneinheit wiederzufinden. Aber die Einheit der Kirche in Ost und West war im 8. Jahrhundert, in der Lebenszeit Willibalds, ohne Zweifel noch gegeben. Zum ersten großen Bruch kam es erst drei Jahrhunderte später (1054), und bis zur Reformation dauerte es noch über ein halbes Jahrtausend.

Trotzdem macht es Sinn, unseren Bistumspatron als „Mann der Ökumene“ zu bezeichnen, nämlich dann, wenn wir bei dieser Titulierung den ursprünglichen Sinn des griechischen Wortes „oikoumene“ voraussetzen: „die gesamte bewohnte Welt“. In der Antike war das der Mittelmeerraum. Eine Versammlung der Bischöfe „des gesamten Erdkreises“ (der „Ökumene“) wurde daher „ökumenisches“ Konzil genannt. Das trifft auch auf das Zweite Vatikanum zu, es gilt ebenfalls als „ökumenisches Konzil“.

Aus Willibalds Lebensbericht, den die Heidenheimer Klosterschwester Huceburg bereits vor seinem Tod schriftlich zusammenfasste, können wir entnehmen, dass er 20 Jahre lang als Pilger unterwegs war und die damalige „oikoumene“ bereiste. Von seiner südenglischen Heimat startete er 720 seine Pilgerreise, die ihn durch Nordfrankreich über die Alpen nach Rom führte. Von dort setzte er seine Pilgerschaft fort und erreichte (über Sizilien) im Jahre 723 sein Hauptziel: Jerusalem und das Heilige Land, wo er sich vier Jahre aufhielt. Auf seinem Rückweg war Konstantinopel die nächste große Station. Hier verbrachte er zwei Jahre in strenger Abgeschiedenheit als Rekluse. Sein nächster Halt war Montecassino, das geistige Zentrum des Benediktinerordens, wo er ganze zehn Jahre in der klösterlichen Gemeinschaft mitlebte und sich am Wiederaufbau des zerstörten Klosterbaus beteiligte. 740 traf er wieder in Rom ein, wo ihn Papst Gregor III. auf Wunsch des mit ihm verwandten Bischofs Bonifatius zur Unterstützung  der Mission in Franken entsandte.

Intensiv wie kaum ein anderer lernte Willibald die „Ökumene“, den „bewohnten Erdkreis“, kennen und wurde insofern ein „Mann der Ökumene“. Doch nicht Abenteuerlust und unstillbare Neugier bewegten ihn zu einer Weltreise, sondern die tief in ihm glühende Sehnsucht, den Spuren Jesu Christi zu folgen. Und dies möglichst konkret: im Land, in dem der Herr gelebt hat. Um seinetwillen war er (spätestens in Rom) dazu bereit, den gefahr-vollen Pilgerweg ganz allein weiterzugehen. Der Wille, seinem Herrn „auf die Spur zu kommen“, machte ihn offen für orientalische Formen des Betens und der liturgischen Ver-ehrung, die ihm zunächst ganz fremd vorkommen mussten. Mit Sicherheit lernte er sowohl im Heiligen Land wie auch in Konstantinopel ostkirchliche Riten und Gebetspraktiken kennen und machte wahrscheinlich auch die Bekanntschaft mit einzelnen Juden und Muslimen.

Jesu Verheißung im Evangelium an seinem Festtag bewahrheitete sich in seinem Leben: „Jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen“ (Mt 19, 29). Der Herr vermittelte ihm Begegnungen, die ihn geistlich bereicherten und sein Herz weit machten für alles Authentische und Gute, mochte es noch so fremdartig sein. Der Heilige Geist formte ihn auf diese Weise zu einem „Mann der Ökumene“ im besten Sinn – und von bleibend aktueller Vorbildlichkeit.

Lorenz Gadient, Kirchenzeitung Nr. 27 vom 8. Juli 2018 - Willibaldsfest

Lesungen zum 14. Sonntag im Jahreskreis - Willibaldsfest

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 15.07.2018

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