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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

25.01.2019

Wir alle sind Glieder am Leib Christi

Ein Bischof erzählte folgende Begebenheit: Kurz nachdem er Bischof geworden war, besuchte er eine Ordensgemeinschaft. Da war auch eine Schwester, die ihn mit den Worten

begrüßte: „Herr Bischof, ich kenne Sie schon.“ Der Bischof war überrascht und dachte: Meines Wissens bin ich dieser Schwester noch nie begegnet. Doch die Schwester erklärte ihm: „Wenn man so viel für einen Menschen gebetet hat wie ich für Sie, dann kennt man ihn.“

Dieses Beispiel zeigt, dass es über die sichtbare äußere Verbundenheit hinaus eine tiefe innere Verbundenheit geben kann – eine wunderbare Verbundenheit allein über die Brücke des Gebets. Durch Christus sind wir durch ein übernatürliches Band miteinander verbunden. Der heilige Paulus beschreibt diese Verbundenheit in seinem ersten Brief an die Korinther: „Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, so ist es auch mit Christus. Wir wurden durch die Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen.“

Die Kirche ist ein Leib mit vielen Gliedern. Zwischen ihnen gibt es einem Austausch geistlicher Güter, kraft dessen das Gebet des einen den anderen zu Gute kommt. Im Gebet können wir einander nahe sein.

Die heilige Therese von Lisieux berichtet in ihrer Autobiografie, dass ihr das Bild vom Leib Christi geholfen habe, ihren Platz in der Kirche zu finden. Lange Zeit fragte sie sich, wie sie mit ihrem Leben der Kirche dienen könne. Beim Lesen des ersten Korintherbriefs ging ihr innerlich auf, dass die Kirche ein Herz hat und dass dieses Herz von Liebe brennt: „Ich sah ein, dass die eine Liebe die Glieder der Kirche zur Tätigkeit antreibt. Wenn diese Liebe erlischt, wird kein Apostel mehr das Evangelium verkünden.“

Der Anlass für den ersten Korintherbrief waren Streitigkeiten in der Gemeinde. Einige Glieder in der Gemeinde hatten mit ihren charismatischen Begabungen geprahlt. In ihrer falschen Selbstüberschätzung werteten sie „einfache Gläubige“ ab. Dagegen tritt der Apostel Paulus auf. Er gibt zu bedenken, dass alle höheren Geistgaben, seien es Leitungsaufgaben, Predigtdienst oder die Heilungsgabe, nichts sind ohne die Liebe.

Die Liebe ist ein Weg, der sicher zu Gott führt. Dieses Feuer der Liebe im Herzen der Gläubigen kann sich auch ausdrücken im Gebet für andere oder im geduldigen Ertragen einer Krankheit oder einer leidvollen Lebenssituation. Das Bild von der Kirche als Leib mit vielen Gliedern ist auch eine Botschaft für unsere heutige Leistungsgesellschaft. Jene, die weniger leisten können, fühlen sich wertlos. Doch im Leib Christi gelten andere Maßstäbe als in der Welt. Im Reich Gottes gibt es keine unnützen Glieder. Auch die Schwachen und Leidenden können darin ein Segen sein.

In jedem Gottesdienst, insbesondere in der Feier der Eucharistie, wissen wir uns verbunden mit der großen Communio der Kirche. Mit den Lebenden, aber auch mit den Verstorbenen und mit den Heiligen im Himmel. Mit denen, die an vorderster Front der Kirche kämpfen und mit denen, die durch Gebet und durch geduldiges Ertragen ihrer Leiden der Kirche dienen. Wir sind Glieder am Leib Christi.

Pius Schmidt, Kirchenzeitung Nr. 4 vom 27. Januar 2019

3. Sonntag im Jahreskreis

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 21. April 2019

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