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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

11.06.2021

Wir sind Mitarbeiter Gottes

Gleichnis, Barmherziger Samariter

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, dargestellt in einem Kirchenfenster. Foto: pixabay

Dein Reich komme“ können wir im Schlaf heruntersagen, weil es uns durch das Vaterunser von Kind an vertraut ist. Was ist „Reich Gottes“?

Schon wenn wir das Wort „Reich“ hören, wird uns unwohl. Wir verbinden mit diesem Wort Könige, Herrscher, Diktatoren, die Völker unterdrückt haben. Wollte Jesus ein solches System etablieren?

Das sicherlich nicht. Sein Stil war ein Gegenentwurf zum Herrschen! So hat Jesus festgehalten: „Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch der Größte sein will, soll euer Diener sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen“ (Mk 10, 43ff).

Das ist eine völlig andere Sicht! Und so erklärt Jesus das Dienen zum Alleinstellungsmerkmal derer, die ihm nachfolgen wollen. Darum kann ich Markus nicht zustimmen, wenn er heute im Gleichnis zumindest den Eindruck erweckt, dass das Reich Gottes ein Automatismus ist, der die Mithilfe des Menschen ausschließt. Können Sie sich vorstellen, dass ein bayerischer Bauer sät und dann für einige Monate nach Mallorca fliegt, um zur Erntezeit wieder zurückzukommen? So ganz nach dem Motto: „Der liebe Gott regelt alles allein!“

So fand ich folgende Geschichte: „Ein Pfarrer traf einen Mann, der im Garten vor seinem Haus arbeitete. Sie kamen ins Gespräch, und der Pfarrer sagte voll Anerkennung: „Da haben Sie sich mit Fleiß und Gottes Hilfe aber einen schönen Garten angelegt!“ – „Das kann man wohl sagen, Herr Pfarrer“, antwortete der Hausbesitzer, „aber Sie hätten einmal sehen sollen, wie das Grundstück aussah, als der liebe Gott hier noch allein gearbeitet hat!“

Gott will uns als Mitarbeiterin und Mitarbeiter! Das Gleichnis von den Talenten bringt es auf den Punkt! Der Mensch soll mit den Talenten, die Gott jedem gegeben hat, arbeiten und sie nicht verstecken. Gott will keine Sesselfurzer, die sich vor jeder Verantwortung drücken. Ohne mich geht es gar nicht. „Gott und ich – wir zusammen sind immer die Mehrheit“, schreibt Theresia von Avila.

Ich werde immer wütend, wenn wir in den Fürbitten beten: „Lieber Gott, sorge dafür, dass die Hungernden zu essen haben!“ Ist das nicht ein typisches Beispiel für Drückebergerei, wenn wir unsere Verantwortung an dieser Welt an Gott weiter reichen?

Ist die Gerichtsrede nicht eindeutig, wenn wir gefragt werden, „ob wie die Hungrigen gespeist, Fremde beherbergt und Kranke besucht haben“ (Mt 25,35ff)? Wir werfen Millionen Tonnen von Lebensmitteln in den Müll. Wir haben ein Luxusproblem mit unserem Übergewicht. Wir sind mitschuldig an der Klimakatastrophe, weil wir nicht auf unsere Luxusgewohnheiten verzichten wollen und deshalb Millionen Menschen förmlich auf dem Trockenen sitzen und nichts mehr zu essen haben. Wir entwickeln Impfstoffe und denken erst an uns!

Wo ist die Diakonie geblieben, die Jesus so nachhaltig eingefordert hat? Ihm lag an barmherzigen Samaritern, die nicht an der Not vorbeischauen, auch wenn ein liturgischer Dienst ruft. So wurde der barmherzige Samariter zum Reichgottesanwärter, auch wenn er in den Augen der Frommen als Höllenkandidat galt!

Vielleicht sind die, die wir in „Teufels Küche“ schicken oder wähnen, näher am Reich Gottes?

P. Josef Lienhard, Nr. 24 vom 13. Juni 2021 - Evangelium: Mk 4, 26-34


Elfter Sonntag im Jahreskeis

Jesus spricht vom Reich Gottes in Gleichnissen. Dabei sagt er nicht das, was wir schon wissen, sondern das Neue und Unerwartete. Wir sollen begreifen, dass Gott anders ist und anders handelt als die Menschen.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 20. Juni 2021

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