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04.10.2019

Alle sollen es hören: Gott ist gut! Von der Bronx ins Bistum Eichstätt: Pater Paulus-Maria Tautz organisiert religiöse Jugend-Festivals

Mit seinem„Boni-Bus“ist Pater Paulus viel unterwegs. „Gig“-Abende veranstaltet er deutschlandweit, unlängst etwa am Canisiushof. Er wirkt nicht gerade wie ein Jünger des „American way of life“, dieser Ordensmann in seiner sorgfältig geflickten Kutte. Und doch denkt der aus Ostdeutschland stammende Pater Paulus-Maria Tautz, der sich vor 20 Jahren den „Franziskanern der Erneuerung“ in der New Yorker Bronx angeschlossen hat, in Sachen Jugendarbeit durchaus amerikanisch: Eine Botschaft verkaufe sich umso leichter, je besser sie verpackt sei, findet der 51-Jährige.

Foto: Gess/vb

Mit seinem „Boni-Bus“ ist Pater Paulus viel unterwegs. „Gig“-Abende veranstaltet er deutschlandweit, unlängst etwa am Canisiushof. Foto: Gess/vb

Deshalb organisiert er christliche Open Air-Konzerte. Nicht für 100, sondern für 1.000 Leute aufwärts. So ein Musikfestival fand heuer auch am Schönstattzentrum Canisiushof statt. Kein Zufall, hat doch Bruder Paulus vor einem Dreivierteljahr seine Zelte im Bistum Eichstätt aufgeschlagen und ist ins Pfarrhaus in Daßwang gezogen. Aber um es gleich zu sagen: Er ist selten daheim, sondern ständig mit seinem gelben „Boni-Bus“ auf Achse. Weshalb ihm das Bonifatiuswerk dieses Fahrzeug anvertraut hat und was ihn umtreibt, das erzählte Pater Paulus bei einem Besuch in der KiZ.

 

Hiphop und Anbetung

Geboren 1968 in Pirna bei Dresden, absolvierte Tautz eine Ausbildung als Porzellangestalter in Meißen, ehe er 1989 ins Franziskanerkloster Halberstadt eintrat. Nach einem Kunststudium in Freiburg traf er schließlich 1999 die Entscheidung, in die USA zu gehen. Als Mitglied der 1987 gegründeten und erst 2016 päpstlich anerkannten „Franziskaner der Erneuerung“ weckte er nicht nur bei Drogensüchtigen oder Aidskranken Hoffnung auf Gottes Liebe. Er sammelte auch Erfahrungen mit Musikfestivals für junge Leute, die nach Hiphop- oder Gospelklängen zur Anbetungsstunde blieben. Ein weichgespülter Glaube sei nicht sein Ding, versichert der 2007 in New York zum Priester geweihte Ordensmann, der zweimal im Jahr zu seinen Mitbrüdern in die Bronx reist. Wichtig sei ihm aber, dass die Botschaft jugendgemäß daherkomme: „Ich möchte, dass die Jugendlichen tanzen. Es geht um Freude, Hoffnung.“

In New York City und Umgebung haben die Franziskaner der Erneuerung sechs Häuser, weitere zwei jeweils in Irland und England. Vor einigen Jahren wurde Pater Paulus für die Missions- und Jugendarbeit in seinem Heimatland freigestellt. So tourt er unter dem Motto „Ostwindmission“ mit einer Gruppe junger Ehrenamtlicher einmal jährlich durch Diaspora-Pfarreien in der ehemaligen DDR. Die Aktion sei eine Art „Jüngerschaftsschule auf Rädern“, erläutert er. Weil auch das Bonifatiuswerk die Idee gut fand, bekam Pater Paulus vergangenes Jahr von Generalsekretär Monsignore Georg Austen persönlich einen Bus überreicht. Im Rahmen seiner Tätigkeit in Deutschland, zu der auch Männerseelsorge im ganzen deutschen Sprachraum gehört, wandte sich Tautz mit einer Anfrage an den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Der lud ihn nicht nur ein, bei den Jugendseelsorgern Ideen aus den USA vorzustellen, sondern auch, ins Bistum zu ziehen und sich dort aktiv einzubringen. In der Diözese fühle er sich „pudelwohl“, sagt der Ordensmann, der in der Hauptabteilung VIII „Jugend, Berufung, Evangelisierung“ des Bischöflichen Ordinariats mitarbeitet. „Wir brauchen auf jeder Ebene der katholischen Kirche in Deutschland heute Ermutigung“, sagt er. Jugendarbeit sei dabei besonders wichtig: „Wir firmen jedes Jahr Tausende, bereiten sie vor, und dann sind sie weg.“

 

Bei der Willibaldswoche

Mit seinen Open-Airs, den „Gig-Festivals“, möchte der Ordensmann das ändern. Gig bedeutet bei Insidern eigentlich eine spontane Zusammenkunft von Musikern. Für Tautz steht es dagegen für „Gott ist gut“. Bei vier Festivals in ganz Deutschland habe er vergangenes Jahr 4.000 junge Menschen versammelt, erzählt Tautz. Für die Konzerte nutzt er seine guten Kontakte zu Musikern aus den USA, Irland, England oder auch Deutschland, die nicht nur ihr Instrument und ihre Stimme beherrschen, sondern auch bekennende Katholiken sind.

Für 2020 kann Pater Paulus ein Gig-Festival in Eichstätt ankündigen: Es findet im Rahmen der Willibaldswoche am 12. Juli auf den Seminarwiesen statt. Bereits am 9. November dieses Jahresveranstaltet er in Bad Gögging eine „Gig-Konferenz“, an der der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ebenso teilnimmt wie Schwester Teresa Zukic, bekannt als „Nonne mit dem Skateboard“. Nicht zuletzt ist Tautz Mitwirkender eines Symposiums, das demnächst an der Eichstätter Universität stattfindet

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 42 vom 20. Oktober 2019

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