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06.07.2018

Als Sportheime noch Holzbuden waren

In den 1950er- und 60er-Jahren entstanden im Bistum viele DJK-Vereine – jetzt feiern sie Jubiläum.

Wenig zu Lachen gibt es in diesen Tagen für Fußballfans, wo doch Deutschland bei der WM schon in der Vorrunde ausgeschieden ist. Grund zum Feiern haben dagegen kirchliche Vereine im Bistum, in deren Chronik der Fußball ebenfalls eine maßgebliche Rolle spielt: Gleich mehrere Ortsverbände der DJK feiern heuer einen runden Geburtstag.

 

Foto: Koller

Aus früheren Jahrzehnten stammen die Outfits, die in einer Modenschau beim Jubiläum der DJK Herrnsberg gezeigt wurden. Foto: Koller

Auf 60 Jahre blickte die DJK Schernfeld zurück. Den Jubiläumsgottesdienst zelebrierte Kaplan Christian Klein. Bürgermeister Ludwig Mayinger hob in seinem Grußwort hervor, der Verein gebe der Jugend eine Perspektive.

1958 war die DJK mit einer Fußballmannschaft gestartet. Heute hat sie knapp 600 Mitglieder, die die Wahl zwischen vielen Sportangeboten haben, von Badminton bis Zumba. Auszeichnungen gab es für langjährige Vereinstreue, vor allem für die Gründungsmitglieder Rudolf König (Ehrenvorsitzender), Rudolf Herzog (Ehrenmitglied), Richard Meier, Josef Neumann, Karl Pröbstl, Johann Sandner, Johann Schöpfel und Manfred Schöpfel.

Die Fußballgeschichte von Schernfeld reicht aber noch weiter zurück. So existiert ein Foto einer DJK-Mannschaft aus dem Jahr 1931. Weitere Dokumente lassen darauf schließen, dass schon 1926 auf Betreiben des Pfarrers ein Ortsverein ins Leben gerufen wurde. Nur sechs Jahre vorher war der DJK-Bundesverband in Würzburg gegründet worden. 1933 wurde die DJK als katholischer Verein verboten. Nach dem Krieg gab es einen neuen Anlauf, in Schernfeld einen Fußballverein zu etablieren. Aber der FC bestand nur bis zur Spielzeit 1948/49, ehe zehn Jahre  später das Vereinsleben im Zeichen der DJK wieder erwachte.

Vorsitz für Verteidiger

1965 hoben Sportbegeisterte im Bistum Eichstätt ihren eigenen DJK-Diözesanverband aus der Taufe. Daraufhin setzte in den Pfarreien eine Welle von Neugründungen ein. 1968 schlug die Geburtsstunde der DJK Untermässing, die jetzt Jubiläum feierte. Unter den 27 Gründungsmit-gliedern war auch Michael Achinger. Die anderen hätten ihn „so lang bearbeitet“, bis er den Vorsitz übernahm, erinnert sich der heute 78-Jährige. Und weil in der neu gegründeten Fußballmannschaft noch ein Verteidiger fehlte, wurde er mit 28 noch zum aktiven Kicker.  „Mit elf Mann haben wir eine  ganze Saison lang gespielt“, erzählt er, „ohne Auswechselspieler“. Bei Blessuren hieß es: Zähne zusammenbeißen. Achinger allerdings erlitt nach etwa drei Jahren einen  Bänderriss, „dann war es vorbei. Da hättest Du sonst auch in der Arbeit Schwierigkeiten bekommen“.

In Achingers Kindheit hatte es einen Fußballplatz etwas außerhalb des Orts auf einem Berg gegeben. Dass sich Mädchen und Jungen oft gemeinsam auf die romantisch gelegene Wegstrecke begaben, beunruhigte den Ortspfarrer derart, dass er ein Grundstück direkt hinter der Kirche für die Kicker bereitstellte. Dort trug auch die DJK noch ihre Spiele aus, obwohl der Platz deutlich kleiner war, als es die Fußball-Regularien vorschreiben. Schon damals hätten die Spiele der Jugendmannschaft Sonntag vormittags um halb elf stattgefunden, erinnert sich Achinger. „Da hat der Pfarrer oft geschimpft von der Kanzel runter.“

Als erste Umkleidekabine diente eine Holzbaracke, in der es ein Waschbecken mit kaltem Wasser gab. 1984 entstand dann mit viel Eigenleistung ein neues Sportheim, das zwischenzeitlich saniert worden ist. Heute habe die DJK Untermässing eine der schönsten Anlagen weit und breit, freut sich Achinger, der bei den Heimspielen seiner früheren Elf immer noch bei allen Spielen die Daumen drückt.

„Sozialer Klebstoff“

Kurz nach den Untermässingern  feierten auch die DJK-ler im  nahegelegenen Herrnsberg ihr 50-Jähriges. Just an dem Tag übrigens, als die Deutsche Nationalelf ihr WM-Auftaktspiel gegen Mexiko bestritt.

1968 startete die DJK Herrnsberg mit 28 Gründungsmitgliedern, heute hat sie fast 500 Aktive in ihren Reihen. Mit ihren Angeboten für alle Altersklassen wirke sie wie „sozialer Klebstoff“, lobte Landtagsabgeordneter Volker Bauer, einer der Festredner. Bei der Jubiläumsfeier, die mit einem Festgottesdienst begonnen hatte, wurden mehr als ein Dutzend Gründungsmitglieder geehrt. Eine Modenschau erinnerte unter anderem an die Kleider, die die Festdamen bei einer Fahnenweihe in den 1970er-Jahren getragen hatten. Damals wurde auch ein Sportheim gebaut, das inzwischen durch  einen Neubau ersetzt wurde. Vergangenes Jahr war Einweihung. Die Herrnsberger DJK-ler haben also Übung im Feiern.

Ein weiteres Jubiläum steht bevor: Vom 20. bis 22. Juli steigt die 50-Jahr-Feier der DJK/SV Wallnsdorf-Schweigersdorf.

zba/Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 27 vom 8. Juli 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 50 vom 16.12.2018

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