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30.08.2019

Als Wunschkandidat nach Guben. Eichstätter Diözesanpriester Zuk wird Pfarrer im Bistum Görlitz, direkt an der Grenze zu Polen

Gegen den bundesweiten Trend ist die Zahl der Katholiken im Bistum Görlitz im vergangenen Jahr gestiegen, und auch die Zahl der Gottesdienstbesucher ist überdurchschnittlich hoch“. Dies vermeldete unlängst das Nachrichtenportal „katholisch.de“ und nannte als Hauptursache den starken Zuzug aus Polen. Beispielhaft wurde die Grenzstadt Guben erwähnt, in der mittlerweile 50 Prozent der Katholiken polnische Wurzeln haben.

Foto: pf/Riccabona

Neue Wirkungsstätte: Dr. Artur Zuk mit seinem Vorgänger Uwe Aschenbrenner in der Gubener Pfarrkirche „Maria, Mutter der Christenheit“.      Foto: pf/Riccabona

So wie auch ihr neuer Pfarrer: der Eichstätter Diözesanpriester Dr. Artur Zuk, zuletzt Pfarrer in Enkering, Haunstetten und Kinding und Privatdozent an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sein Dienstvertrag in Guben erstreckt sich zunächst auf fünf Jahre.

 

Familiäre Gründe

Was nach spannender beruflicher Herausforderung klingt, war für Zuk, der 1973 in Glogow an der Oder zur Welt kam, zunächst eine ganz persönliche Herzensangelegenheit: Er möchte seiner Mutter im Alter beistehen. „Es geht ihr aber noch gut“, erzählt der Geistliche, dessen Bruder in den USA lebt. Der Vater ist bereits verstorben. Vor dessen Tod pendelte Zuk zweimal pro Woche in die Klinik nach Breslau, Fahrtstrecke 650 Kilometer einfach. 

In Breslau hat er auch Theologie studiert. Aber noch vor der Weihe kam Zuk vor 21 Jahren ins Bistum Eichstätt, war dort Pastoralpraktikant, Diakon und Priester. Längst sind ihm die kirchlichen Strukturen in Deutschland vertrauter als die in Polen. Deshalb lag es für ihn nahe, in eine grenznahe Pfarrei auf deutscher Seite zu gehen. Vorzugsweise im Bistum Görlitz, unweit seiner polnischen Heimatdiözese Gorzow. 

Bischof Gregor Maria Hanke zeigte sich offen für diesen Vorschlag und kontaktierte seinen Görlitzer Mitbruder, Bischof Wolfgang Ipolt. Dem kam die Anfrage wie gerufen, waren doch gerade zwei Gemeinden neu zu besetzen, deren Seelsorger das Ruhestandsalter erreicht hatten. Eine der Pfarreien übernahmen Mönche des nahen Klosters Neuzelle. Für Guben suchte man gezielt nach einem Seelsorger, der deutsch und polnisch spricht. Zweisprachige Priester könnten mithelfen „dass sich Polen und Deutsche mit ihren je verschiedenen Traditionen näherkommen und den Glauben teilen“, erklärte Ipolt unlängst in einem Interview der Kirchenzeitung „Tag des Herrn“ zum 25-jährigen Bestehen der Diözese Görlitz.

Der Hauptunterschied zwischen polnischen und deutschen Katholiken liegt für Zuk darin, dass erstere ihr Kirchesein stark mit ihrer nationalen, patriotischen Identität verknüpften, weit mehr, als dies in Deutschland der Fall sei. Königin ihres Volkes, das sei für gläubige Polen die Gottesmutter von Tschenstochau. „Mein Vorgänger hat das erkannt und im Eingang der Gubener Kirche ein großes Bild der Schwarzen Madonna aufgehängt.“ Rund 30 Jahre lang betreute Pfarrer Uwe Aschenbrenner die Pfarrei Guben, deren Kirche „Maria, Mutter der Christenheit“ geweiht ist. Zu Zuks Heimatbistum Gorzow pflegt er so gute Verbindungen, dass er dort vor kurzem zum Ehrendomkapitular ernannt worden ist. 

 

Über die Brücke

So wie durch die Bistumsmetropole Görlitz, so fleißt auch durch Guben die Neiße. Auf polni-scher Seite heißt die Stadt Gubin und zählt, ebenso wie ihr Pendant auf deutscher Seite, knapp 20.000 Menschen. Die Grenzen sind längst durchlässig geworden: Deutsche ziehen auf die polnische Seite, weil sie dort einen Arbeitsplatz gefunden haben, umgekehrt ziehen Familien von Gubin ins deutsche Guben, und beziehen günstige Wohnungen, deren frühere Mieter Richtung Westen weggezogen sind. Die Rathäuser tauschen Mitarbeiter aus und die Katholiken organisieren alle zwei Jahre eine grenz-überscheitende Fronleichnamsprozession über die Brücke. Seine Vorstellung auf der Homepage der Pfarrei Guben hat Zuk auf Deutsch und auf Polnisch verfasst. Ob er auch polnischsprachige Gottesdienste anbietet? „Mal schauen, wie die Nachfrage ist“, meint er. Auf jeden Fall helfe ihm seine Muttersprache bei Sakramentenvorbereitung oder persönlichen Gesprächen mit Landsleuten. 

Auf die Einwohnerzahl bezogen, bildeten die 1.500 Katholiken von Guben „eine totale Minderheit“ weiß Zuk. Um so mehr übten sie ihren Glauben in dem Bewusstsein aus, gebraucht zu werden, weil es auf jeden Einzelnen ankomme. Die Gemeinden in der Diözese Görlitz seien, schon allein mit Blick auf die schwierige DDR-Vergangenheit, „nicht in unterschiedliche Lager zersplittert“ hieß es jetzt in der Analyse von „katholisch.de“. Rivalisierende Kategorien wie „Liberale“ oder „Konservative“ kenne man kaum. Ganz in diesem Sinne hatte sich Zuk wenige Wochen vorher auf der Gubener Pfarrhomepage vorgestellt: Er passe „in keine enge Schublade“.

Zu seinem künftigen Team zählen ein aus Österreich stammender ständiger Diakon und sein Vorgänger Aschenbrenner. Dieser bleibt als Ruheständler in der Stadt, in der es auch zwei evangelische Pfarreien gibt, außerdem Baptisten und die Heilsarmee. 

Die kirchlichen Gremien der katholischen Pfarrei Guben seien gut aufgestellt, meint Zuk, der am 1. September seinen Dienst antritt: „Was uns fehlt, sind Ministranten.“ Bei der Suche möchte er auf seine Erfahrungen in der Pfarrei Enkering zurückgreifen. Auch die Idee, zu einem öffentlichen Kreuzweg durch die Straßen alle pfarrlichen Gruppen, von Kommunionkindern bis Senioren, einzuladen, nimmt er mit in seine neue Gemeinde. Umgekehrt, „kann man auch dort einiges lernen“, verweist Zuk etwa auf die Gubener Kirchenband oder auf den Familiengottesdienst. 

Guben ist bekannt durch seine Apfelplantagen. Eine von Zuks ersten Amtshandlungen als Pfarrer wird der ökumenische Gottesdienst zur Eröffnung des Apfelfestes am 8. September sein. Da fühlt er sich gleich ein wenig an das Hopfenzupferfest in Haunstetten erinnert.

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 37 vom 15. September 2019

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