Zum Inhalt springen
29.03.2019

„Alt und jung gehören doch zusammen!“ Generationen-Mentoren wollen Begegnungsmöglichkeiten schaffen und sich vernetzen

Wenn Generationen miteinander, voneinander und etwas übereinander lernen, dann können sie gemeinsam für eine lebenswerte Gemeinde sorgen“, heißt es in der Ausschreibung zu einem Kurs in Neumarkt, in dem sich gerade 15 Frauen und Männer jeden Alters zu sogenannten Generationen- Mentoren ausbilden lassen.

Foto: Scharpf

Berührungspunkte zwischen Alt und Jung sind heute eher selten. Generationen-Mentoren setzen sich auf kirchlicher oder kommunaler Ebene dafür ein, dass sich dies ändert. Foto: Scharpf

Ob haupt- oder ehrenamtlich tätig, ob in Pfarrei oder Kommune im Einsatz: Gemeinsames Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist es, Begegnungsmöglichkeiten zwischen Jung und Alt zu schaffen und diejenigen, die sich auf diesem Feld engagieren, untereinander zu vernetzen. Fünf Fortbildungstage umfasst der Kurs, der im vergangenen November im Begegnungszentrum Altenhof- Kohlenbrunnermühle in Neumarkt begann und Anfang Juli endet. Veranstaltet wird die Fortbildung von der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum, geleitet von Michael Schmidpeter, dem diözesanen Referenten für Seniorenpastoral. Seit Jahren gehört er zu den treibenden Kräften in Bayern, die den Dialog zwischen den Generationen gezielt fördern (siehe Kasten).

Stadt und Landkreis Neumarkt seien in dieser Hinsicht „ein gutes Pflaster“, stellt Schmidpeter mit Blick auf den laufenden Kurs fest. Generell seien die Kommunen beim Thema Begegnung der Generationen „sicherlich schon weiter als die Pfarreien“, meint er. In einigen Gemeinden im Kreis Neumarkt gibt es bereits fest angestellte Generationen Mentoren.

Was die Zusammenarbeit mit kirchlichen Verbänden betrifft, fällt Schmidpeters Bilanz eher verhalten aus. Im Vorfeld der 72- Stunden-Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hatte er die Seniorengruppen im Bistum ermuntert, sich für gemeinsame Aktionen und Projekte ins Gespräch zu bringen. Bislang habe er aber keine einzige Rückmeldung erhalten, bedauert er. Generell, so sein Eindruck, hängen die Verbände ihre Angebote für die Älteren nicht an die große Glocke: „Keiner brüstet sich damit, was in der Seniorenarbeit läuft. Denn damit lockt man keine  jungen Leute an.“

Aber er nennt auch ein positives Beispiel: Die Erstkommunion- und Firmvorbereitung, in der man immer mehr versuche, Alt und Jung zusammenzubringen. „Das ist für alle Seiten ein Gewinn“, lobt Schmidpeter. Und es ermögliche Kindern und Jugendlichen,  die daheim keine älteren Leute um sich haben, wenigstens punktuelle Begegnungen. Auch in den Dörfern sei es heute nicht mehr die Regel, dass Jung und Alt ganz selbstverständlich ihren Alltag teilen. Wenngleich sich durch die neuen Medien auch neue Möglichkeiten ergäben – wenn etwa die Oma per Skype mit dem Enkel in Australien plaudere.

 

Helfender Sparkassler

Nicht auf dem fünften Kontinent, aber doch ein Stück entfernt wohnen die Enkelkinder von Karl Solfrank aus Seubersdorf. Zu seinen

„Ersatzenkeln“ zählen etwa die drei Kinder einer alleinerziehenden Frau aus Syrien, die er im Rahmen der Nachbarschaftshilfe seiner Pfarrei unterstützt. Solfrank engagiert sich aber auch kommunalpolitisch. Er ist Seniorenbeauftragter seiner Gemeinde und Mitglied in der „Generationenübergreifenden Agenda“ des Kreises Neumarkt. Der derzeitige Mentorenkurs vermittle ihm das Rüstzeug dazu, sagt Solfrank: „Ich bin ja kein Sozialpädagoge, sondern Sparkassler.“ Was die Referenten und die Themenauswahl im Kurs betreffe, „kann man ihn nur weiterempfehlen“. Sehr interessant seien auch die Erfahrungen und Ideen der anderen Teilnehmer, meint der Seubersdorfer, der seit kurzem im Ruhestand ist. Als Praxisprojekt, das Bestandteil der Ausbildung zum Generationen-Mentor ist, versucht Solfrank gerade, einen „runden Tisch der Generationen“ aufzubauen, der die Kommune nicht als Wirtschafts, sondern als Sozialraum in den Blick nimmt und berät. Deshalb gehöre der niedergelassenen Arzt oder Apotheker ebenso in diese Runde wie die Vertreter von Schule oder Kindergarten. Für künftige generationenübergreifende Angebote steht in Seubersdorf bald ein barrierefreies Gemeindezentrum zur Verfügung, das gerade gebaut wird.

Die Kursteilnehmerin Anja Scharpf (38) aus Berching ist gelernte Krankenschwester und hat zwei Kinder von vier und sechs Jahren. Sie selbst ist in einer Familie aufgewachsen „in der die Oma noch bis zum Schluss mitgelebt hat“. Geprägt von der Erfahrung, „dass Jung und Alt einfach zusammengehören und Musik alle anspricht“, baute sie während ihrer Elternzeit den „Musikgarten“ auf: Regelmäßig bietet sie in den Räumen des Berchinger Caritas- Seniorenheims musikalische Früherziehung an. Wenn die Kinder dann den Senioren vorführen, was sie schon alles können, dann nimmt Scharpf auch ihre natürliche Hilfsbereitschaft wahr: „Tücher, Klanghölzer, das teilen die Kinder ganz selbstverständlich aus. Sie verstehen, dass die alten Leute Hilfe brauchen, dass das etwas anderes ist als die Hilfe, die die Mama von ihnen erwartet.“ Als Altenheimleiter Gerhard Binder ihr vorschlug, eine Ausbildung zur Generationen-Mentorin zu machen und ihre Kenntnisse anschließend gezielt im Haus einzusetzen, ging Scharpf gerne darauf ein. Schließlich „gibt es ja so viele Möglichkeiten“.

Gabi Gess

Beitrag als PDF

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 49 vom 08. Dezember 2019

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2018): Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,50 € (6,35 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 8,25 €; Einzelnummer 1,80 €.