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19.03.2020

Am Glauben festhalten in der Notlage – Über die Auswirkungen der Corona-Krise im Bistum / Malteser und Minis bieten Hilfe an

Das Coronavirus hat das öffentliche Leben weithin zum Erliegen gebracht. Auch die Diözese mit ihren zahlreichen Pfarreien, Verbänden und Einrichtungen ist davon stark betroffen. Ein Überblick über die Situation.

Foto: Franzettti

Ampel auf Rot – an der Eichstätter Schutzengelkirche: Das kirchliche Leben in der Diözese ist durch das Coronavirus weitgehend stillgelegt. Foto: Franzetti

Pfarreien

In den Kirchengemeinden des Bistums herrscht angesichts der Krise Gelassenheit. Pfarrer Rudolf Batzdorf in Nürnberg-Katzwang hat gerade mit seinen Mitarbeitern getagt, alle Veranstaltungen sind abgesagt. Der Empfehlung, im Gottesdienst auf Weihwasser oder den Friedensgruß zu verzichten, ist Batzdorf in den letzten noch möglichen Messen nachgekommen. „Zum Friedensgruß gab es bei uns sowieso nie eine ausdrückliche Aufforderung.“

Pfarrer Matthias Blaha in Ingolstadt/St. Anton berichtet, bei den Gottesdiensten kurz vor dem Verbot seien nur noch die Hälfte der Gläubigen dagewesen. „Man muss die Ängste der Leute berücksichtigen, ohne Panik zu schüren“, sagt er über den Umgang mit dem Virus. Wichtig sind ihm Hinweise, wie man am Glaubensleben auch ohne Versammlungen und Messen festhalten kann.

In Heldmannsberg-Pommelsbrunn geht Pfarrer Roland Klein nach eigenen Worten „cool“ mit der Krise um. Zugleich will er aber die Verantwortung für die Pfarrgemeinde ernstnehmen. Zu einem ökumenischen Altennachmittag vor der generellen Absage solcher Veranstaltungen seien auch nur noch die Hälfte der Leute erschienen. Der Gemeindekindergarten ist geschlossen, wie überall.

 

Kindertagesstätten

Mit den Schulen sind auch sämtliche Kitas geschlossen worden. Die Katholische Kindertageseinrichtungen Ingolstadt gGmbH betreut normal mehr als 2.000 Kinder in Ingolstadt, Greding und im Kreis Eichstätt. Betriebsleiter Bernd Brenner verweist auf die Informationen auf der Internetseite der Gesellschaft. Dort finden sich etwa Angaben, welche Eltern eine Notbetreuung in Anspruch nehmen können. Wie man in den Kitas die Zeit der Schließung nutze, sei „von Einrichtung zu Einrichtung verschieden“, so Brenner.

 

Erwachsenenbildung

Was die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) betrifft, haben Diözesanbildungswerk sowie Kreis- und Stadtbildungswerke bis 19. April alle Angebote abgesagt, wie KEB-Direktor Dr. Ludwig Brandl mitteilt. Gemeinsam mit Dr. Cordula Klenk, der Vorsitzenden der KEB-Diözesanarbeitsgemeinschaft, hat Brandl Kontakt zu den Bildungswerken der Verbände aufgenommen und die Absage von Veranstaltungen empfohlen. Auch an alle Büchereien im Bistum sei die dringende Empfehlung ergangen, die Einrichtungen zu schließen. Lediglich Empfehlungen, aber keine Anordnungen seien auch bei pfarrlichen Veranstaltungen der Erwachsenenbildung möglich, sagt Brandl. 

Dem Corona-Bann zum Opfer fiel bereits der geplante Vortrag „Dieselbe Kirche anders denken“ des Dogmatikprofessors Michael Seewald, was nicht nur Brandl vor dem Hintergrund des Synodalen Wegs überaus schade findet. Seewald habe aber bereits fest zugesagt, einen Ausweichtermin anzubieten. Gleiches gelte für den am 30. April geplanten Vortrag des Politikers Volker Kauder zum Thema Christenverfolgung.

Auch für die Katholische Erwachsenenbildung Neumarkt wird es eng: Sie würde gerne am 25. April mit dem Bischof ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Auch wenn alle Vorbereitungen getroffen sind, zeigt Geschäftsführer Klaus Schubert Verständnis für den Fall einer Verschiebung: „Im Moment hat es einfach Vorrang, die Infektionskette so weit wie möglich zu unterbrechen. Dazu möchten wir unseren Teil beitragen.“

Dr. Thomas Henke, Leiter der Medienzentrale des Bistums, verweist auf ein besonderes Angebot für Lehrer und Pastoralreferenten: Da derzeit alle Schulen geschlossen (siehe Kasten) und Bildungsveranstaltungen abgesagt sind, wird der vereinfachte Zugang zu einem Medienportal ermöglicht. Dieses stellt eine Vielzahl von Medien zum Download zur Verfügung – großteils mit Arbeitshilfen oder Arbeitsblättern für die Erstellung von Lernaufgaben. Der Zugang ist zunächst zeitlich befristet bis eine Woche nach den Osterferien. Kontakt unter: medienzentrale@bistum-eichstaett.de, Telefon: 08421/50666 oder 08421/50651.

 

Weltkirche

Für Ende April war eine Fahrt des Sachausschusses Mission-Entwicklung-Frieden in die tschechische Partnerdiözese Leitmeritz vorgesehen. „Wir halten mal die Planungen aufrecht“, zeigt sich Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referats Weltkirche im Bischöflichen Ordinariat, noch optimistisch. Abgesagt sind dagegen alle Misereor-Termine im Bistum sowie eine Infoveranstaltung von Caritas International zur Hilfe für Flüchtlinge in Jordanien. Aus den Partnerländern Poona und Burundi habe er noch keine konkreten Zahlen und Berichte zur Corona-Krise bekommen, sagt Rott. Sein Referat habe jedoch schon einige Absagen von Bischöfen erhalten, die ihre Projekte in der Diözese Eichstätt vorstellen wollten, unter anderem von Würdenträgern aus Tansania und der Ukraine.

 

Diözesanrat

„Wir sagen alles ab bis einschließlich der Osterferien“, kündigt auch Richard Ulrich an, Geschäftsführer des Diözesanrats: keine Frühjahrs-Vollversammlung, keine Sachausschuss-Sitzungen. Auch alle bis Ostern anstehenden Dekanatsrats-Vollversammlungen seien bereits abgesagt. Ulrich macht sich auch Gedanken, wie es auf Ebene der deutschen Bistümer mit den Arbeitsgruppen zum Synodalen Weg weitergeht. Videokonferenzen seien bei großen Gruppen schwierig.

 

Hilfsangebote

Der Malteser-Hilfsdienst in Eichstätt sucht unterdessen Ehrenamtliche, die Einkäufe für Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem erledigen. „Diese Risikogruppen sollten, soweit möglich, zu Hause bleiben, um sich vor einer Ansteckung zu schützen“, so Malteser-Geschäftsführer Christian Alberter. „Daher suchen wir Einkaufshelfer und einen Disponenten, der diesen Notfalldienst koordiniert.“

Ein Malteser-Fahrzeug ist seit kurzem unterwegs. Die Fahrer erhalten eine Fahrzeugeinweisung und eine Hygieneschulung. Es sind aber auch Einkaufsfahrten mit dem Privatauto möglich. „Wichtig ist: Wer sich als Helfer zur Verfügung stellt, darf selbst nicht zu einer der Risikogruppen gehören“, betont Alberter. Freiwillige können sich bei Anke Thiede melden (anke.thiede2@malteser.org).

Auch die Oberministranten der Neumarkter Hofkirche haben eine Corona-Hilfsaktion gestartet. Per Aushang bieten sie älteren und kranken Menschen ihre Dienste an, etwa Einkäufe oder mal den Hund rausführen. Unten auf dem Zettel steht: „Fürchte dich nicht! Du bist von Gott getragen, gehalten und unendlich geliebt.“

Gabi Gess/Bernd Buchner

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 14 vom 5.4.2020

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