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22.11.2019

Amazonas-Synode: In der Einheit ist auch Vielfalt erlaubt Schwester Birgit Weiler berichtet aus Rom / Entsetzen über Vorgehen der „Götzendienst“-Kritiker

Eichstätt (bb) Die Theologin Dr. Birgit Weiler von den Missionsärztlichen Schwestern nimmt kein Blatt vor den Mund. „Das ist grundsätzlich falsch“, sagt sie zum Vorwurf, Papst Franziskus habe bei der Amazonas-Synode Götzendienst betrieben. Während des Treffens hatte es eine Zeremonie mit „Pachamama“-Figuren gegeben. Pachamama gilt in den indigenen Kulturen Lateinamerikas als Sinnbild der Mutter Erde, die Christen setzen sie mit Maria gleich. Fundamentalisten sehen in ihr eine heidnische Gottheit.

Foto: Veit

„Er war bei uns, so oft er konnte, und war ganz Ohr“: Schwester Birgit Weiler über Papst Franziskus.                                         Foto: Veit

Weiler zeigt sich bei ihrem Vortrag in Eichstätt entsetzt über das, was sie als Synodenteil-nehmerin miterleben musste. Ein österreichischer Christ hatte drei Pachamama-Figuren gleich einer Hinrichtung in den Tiber gestoßen. „Mich schockiert, wie das möglich war, dass das auch noch von einigen Kirchenvertretern hochgelobt wurde“, so die Ordensschwester. Falsch ist nach Weilers Worten auch die kolportierte Auffassung, einige deutschsprachige Bischöfe hätten die Frauenfrage in die Köpfe und Herzen der ursprünglichen Völker eingepflanzt. „Die Menschen sind empört und sagen: Wir können für uns selber denken“, so die Theologin, die in Lima lehrt und mit den indigenen Ethnien der Awajún und Wampis arbeitet.

Die Ordensfrau schildert die Hintergründe der Synode, die extreme ökologische Bedrohung des Amazonasgebiets sowie den kirchlichen Notstand vor Ort. Die meisten Christen bekommen einen Priester nur drei Mal im Jahr zu Gesicht. Deshalb sollen verheiratete Geistliche erlaubt sein und Frauen mehr Leitungsrechte in den Pfarreien erhalten. So steht es im Schlussdokument der Synode, die nach Weilers Worten einen „Aufbruch“ markiert. In Rom sagteihr der Bruder der US-Ordensfrau Dorothy Stang (1931-2005), die im Auftrag brasilianischer Großgrundbesitzer ermordet worden war, über das Papier: „Da ist all das drin, wofür meine Schwester gelebt hat und wofür sie letztendlich ihr Leben auch eingesetzt hat.“ Die Kernpunkte in den Worten der Theologin, die als eine von 35 Frauen in Rom dabei war: keine aggressive Mission, sondern anbietende Begleitung; ein Gott, der ein Herz für die Menschen hat, und dem die Erde am Herzen liegt; eine dienende, nicht den Ton angebende Kirche; ein Lebensstil nicht zu Lasten der Dinge, die Gott den Menschen anvertraut hat. Konsumverhalten und Mobilität sind Ausdruck des Glaubens. Gefordert ist eine grundlegende Umkehr – persönlich, gesellschaftlich, kirchlich.

Mit großer Anerkennung äußert sich Weiler über die Rolle von Papst Franziskus bei der Synode: „Er wollte, dass deutlich wird: Er als Papst hört auch hin.“ Der Vatikan habe die Aufgabe, dass die Einheit nicht verloren gehe. Doch es sei ein „Suchprozess, dass Einheit auch Vielfalt erlaubt“.

Näheres unter:

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 49 vom 08. Dezember 2019

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