Zum Inhalt springen
15.03.2019

Ankommen im weißblauen Alltag Kursreihe „Leben in Bayern“ will Integration erleichtern / Eindrücke vom Malteser-Gesprächskreis

In einem Kursraum der Malteser in Eichstätt ist eine angeregte Unterhaltung im Gang. „Welche Länder würden Sie gerne einmal besuchen?“ lautet die Ausgangsfrage. Ein junger Ehrenamtlicher fände es toll, einmal in die Karibik zu reisen. Nach Syrien dagegen wandern die Gedanken eines Mannes von Ende 40, der ebenfalls im Stuhlkreis sitzt. „Syrien ist sehr schön im Frühjahr“, sagt er und erzählt von einem Restaurant, in dem man gut essen konnte. „Damals“, fügt der gelernte Hotelkaufmann aus Palmyra leise an.

Foto: Gess

Allerlei Gesprächsstoff: Malteser-Referentin Cordula Klenk und Kursleiterin Iman Kurdi (v. r.) blättern im Arbeitsbuch. Mit im Bild zwei Teilnehmer. Foto: Gess

Er ist regelmäßiger Teilnehmer der Kursreihe „Leben in Bayern“ über Kultur, Werte und Alltag im neuen Land. Konzipiert vom Bayerischen Staatsministeriums des Innern und für Integration, wird „Leben in Bayern“ von Trägern der Erwachsenenbildung an rund einem Dutzend Standorten im Freistaat angeboten. Eichstätt ist gleich zwei Mal vertreten: Sowohl der Integrationsdienst der Malteser als auch das Kolping-Erwachsenen-Bildungswerk sind mit von der Partie.

Die Malteser haben die Gesprächsreihe für bleibeberechtigte Menschen mit Migrationshintergrund im vergangenen Herbst gestartet. Nacheinander stehen nun die Bereiche „Erziehung“, „Bildung“ und „Gesundheit“ im Mittelpunkt. Kursleiterin ist die Studentin Iman Kurdi, die gerade an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ihren Master in Psychologie macht. Die gebürtige Frankfurterin hat selbst einen Migrationshintergrund: Ihr Vater kam als junger Mann während des Bürgerkriegs im Libanon nach Deutschland. Für ihn, so erzählt Kurdi, sei es damals der Schlüssel zur Integration gewesen, auf die vielen sich bietenden Bildungsangebote zurückzugreifen.

Der Kurs „Leben in Bayern“ findet wöchentlich statt und ist freiwillig. Ausgerichtet auf bis zu 15 Teilnehmer, sind es bei den Maltesern in Eichstätt meist zwischen fünf und zehn. Bislang handelt es sich um eine reine Männerrunde, überwiegend bestehend aus jungen Geflüchteten, die direkt nach der Berufsschule vorbeikommen. „Wir wissen aber auch von anderen Standorten, an denen lauter Frauen teilnehmen“, berichtet Cordula Klenk, Referentin für die Integrationsdienste bei den Maltesern. Diese bieten während des Kurses auch Kinderbetreuung an.

Entlassener Anwalt

Wenn, wie zuletzt in den Faschingsferien, nur wenige Migranten den Gesprächskreis besuchen, macht Kurdi aus der Not eine Tugend und lädt Einheimische aus ihrem Bekanntenkreis ein, hinzuzustoßen. Ein ehemaliger Rechtsanwalt aus der Türkei, seit 14 Monaten in Deutschland, begrüßt das sehr und nutzt rege die Gelegenheit, auf Deutsch mitzudiskutieren. „Letzte Woche haben wir über Feste und Traditionen in Bayern gesprochen“, erzählt er, „ich freue mich, dass ich das gelernt habe.“ Im Deutschkurs sei die Zeit zu knapp, um solche Themen zu bereden. Und im Internet könne man zwar vieles nachlesen, aber nicht nachvollziehen. 

Der Anwalt, der in einem Ministerium in der Türkei arbeitete, war nach dem dortigen Putsch 2016 entlassen worden, hatte untertauchen müssen und sich schließlich über Griechenland auf die Flucht gemacht. Als nun Iman Kurdi die Frage in den Raum stellt: „Welches sind die wichtigsten Dinge in Eurem Leben?“ lautet seine Antwort: „Freiheit, Sicherheit, Freundschaft“. Wer solche Werte schon einmal verloren habe, dem seien sie um so wichtiger. 

Immer wieder gebe es spannende Diskussionen, antwortet Kurdi auf die Frage, wie Migranten die liberale Gesellschaft in Deutschland erleben. „Letzte Woche ging es um die gleichgeschlechtliche Ehe“, erzählt sie und kündigt für das kommende Treffen das Thema „Rassismus und Diskriminierung“ an. 

Begleitend zu den Kursen hat das Bayerische Innenministerium zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit ein Arbeitsbuch herausgegeben, das als Leitfaden durch die Kurse führt. Im „Erziehungsmodul“ geht es um Themen wie Kindererziehung, Familienmodelle, Gleichstellung von Mann und Frau, Söhnen und Töchtern, den Umgang miteinander, Nutzung von Bus und Bahn oder Umweltschutz. Im „Bildungsmodul“ werden etwa das bayerische Schulsystem und die Verantwortung der Eltern für den Schulbesuch ihrer Kinder angesprochen. Das „Gesundheitsmodul“ geht unter anderem auf Krankenhausaufenthalte, Vorsorgeuntersuchungen oder Krankenversicherung ein. 

Gabi Gess Kirchenzeitung Nr. 11 vom 17. März 2019

Kontakt: iman.kurdi@malteser.org oder cordula.klenk@malteser.org

Beitrag als PDF

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 37 vom 15. September 2019

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise (ab Jan. 2018): Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,50 € (6,35 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 8,25 €; Einzelnummer 1,80 €.