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17.11.2020

Auf der Höhe des Diskurses Vor fünf Jahren erschien die Umwelt-Enzyklika „Laudato si’“

Am 18. Juni 2015 wurde die bereits zu Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus angekündigte Enzyklika „Laudato si’ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ in einer vom Vatikan erstmals mit allen Diözesen der katholischen Weltkirche abgesprochenen Öffentlichkeitskampagne vorgestellt. Dieses lang erwartete Schreiben ist eine Umwelt- und Sozialenzyklika geworden, in der erstmals die ökologische mit der sozialen Frage verknüpft wurde.

Für alle Menschen

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war sehr bewusst gewählt – fanden im Jahr 2015 doch eine Reihe wichtiger internationaler Konferenzen statt. Die wichtigste davon war der Pariser Klimagipfel. Nicht wenige der damaligen Teilnehmer berichteten, dass die Enzyklika Einfluss auf den erfolgreichen Abschluss des Pariser Klimavertrags hatte. Die Dringlichkeit der globalen Krisen hatte den Papst dazu veranlasst, die Enzyklika an alle „Menschen guten Willens“, gleich welcher Religion oder Nationalität, zu richten und zu einem ehrlichen und aufrichtigen Dialog aufzurufen. Damit alle Menschen diese Enzyklika lesen und sich mit ihr auseinandersetzen können, ist sie in einem allgemein verständlichen Ton gehalten und in den sechs wichtigsten Weltsprachen veröffentlicht worden, der Papst selbst hatte die Endredaktion. „Laudato si’“ hat die Spiegel-Bestsellerliste angeführt und ist die meist verkaufte Publikation der Deutschen Bischofskonferenz.

Was macht die Faszination dieser Enzyklika aus? Zum einen, dass in die Erarbeitung des Textes Wissen, Erfahrung und Spiritualität weit über den katholischen Raum hinaus eingeflossen ist: Der Papst bezieht sich auf den muslimischen Gelehrten und Dichter Ali Al-Kawwas, zitiert den orthodoxen Patriarch Bartholomaios, greift die christlich-jüdische Tradition auf. Bischofskonferenzen quer über den Globus kommen zu Wort. Zum anderen werden die Kenntnisse vieler Wissenschaftler ebenso wie die Stimmen von Vertretern aus Nichtregierungsorganisationen berücksichtigt. Mehr noch, die Verdienste der säkularen Umweltbewegung werden mehrfach ausdrücklich gewürdigt. Wohl niemals zuvor war eine Enzyklika so breit aufgebaut und wissenschaftlich untermauert beziehungsweise auf Höhe des fachlichen Diskurses. Dabei geht sie, ganz in der Tradition der kirchlichen Soziallehre und dem Prinzip Sehen – Urteilen – Handeln, vor. 

Was hat die Enzyklika nun im innerkirchlichen Schöpfungs-Engagement konkret bewirkt? Auf Ebene der Weltkirche hat Papst Franziskus im Jahr 2015 den 1. September eines jeden Jahres zum Schöpfungstag deklariert. Mehrere vatikanische Behörden stellten ein gemeinsam verfasstes Dokument vor, das Wege zu einem ökologischen Wandel und konkrete Handlungsoptionen aufzeigen soll. Die Deutsche Bischofskonferenz beschäftigte sich im Jahr 2018 bei einem Studientag mit der Umsetzung der Enzyklika und verabschiedete einstimmig Handlungsempfehlungen zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung für alle Bereiche kirchlichen Handelns. Die Bischöfe haben sich verpflichtet, alle drei Jahre einen Bericht vorzulegen und so regelmäßig die Öffentlichkeit über den jeweiligen Stand des Schöpfungsengagements zu informieren, darüber zu reflektieren und sich gegenseitig anzuspornen, besser zu werden. 

Im Bistum Eichstätt gibt es seit Mitte der 1980er-Jahre einen Umweltbeauftragten und damit kirchliche Umweltarbeit. Bereits im CO2-Einsparziele für das Jahr 2030 angekündigt. Die diözesane Umweltarbeit hat seit Veröffentlichung der Enzyklika eine wichtige lehramtliche Begründung erfahren. Es gab ungewöhnlich viele Vorträge und Veranstaltungen zur Vorstellung der Enzyklika bei unterschiedlichsten kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppierungen. Aktuell hat Diözesanbischof Gregor Maria Hanke angekündigt, dass das Bistum Klimaneutralität anstrebt. Ein schöpfungsfreund-licher solidarischer Lebensstil, wie ihn die Enzyklika vorschlägt, soll dabei die Maxime sein. Der Fokus soll bewusst nicht allein beim technischen Umwelt- und Klimaschutz liegen, alle Bereiche kirchlichen Handelns sollen betrachtet und im Sinne der Enzyklika weiterentwickelt werden. 

Eigentlich war vom Vatikan im Juni 2020 eine ganze Reihe von Veranstaltungen zum fünften Jahrestag der Veröffentlichung geplant, sie fielen coronabedingt aus. Der Vatikan hat kurzerhand eine ganzes Enzyklika-Jahr – vom 24. Mai dieses Jahres bis zum 24. Mai des kommenden – ausgerufen und bittet alle Menschen guten Willens mitzumachen. 

Lisa Amon

Die Autorin ist Nachhaltigkeitsreferentin im Referat Schöpfung und Klimaschutz des Bistums Eichstätt. 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

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