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03.03.2021

Auf Wüstensand und Kopfsteinpflaster Pfarreien gehen in der Fastenzeit besondere Wege, um trotz Corona die Menschen zu erreichen

Kreativität statt Resignation – nach dieser Devise gehen derzeit viele Pfarreien auf Ostern zu. Die KiZ stellt beispielhafte Aktionen vor, die die Gläubigen durch die mittlerweile zweite von Corona überschattete Fastenzeit begleiten.

Die Pfarrei Postbauer-Heng lädt in der Fastenzeit auf eine imaginäre Reise ein.

40 Tage in der Wüste: Die Pfarrei Postbauer-Heng lädt in der Fastenzeit auf eine imaginäre Reise ein. Und hat in der Kirche ein entsprechendes Ambiente geschaffen (Abb. u. bei der Vorbereitung).                                       Foto: pf

Riskant und faszinierend

Ein ungewöhnliches Bild bot sich unlängst in Postbauer-Heng: Ein Bauhof-Mitarbeiter kippte direkt bei der Pfarrkirche St. Elisabeth zwei Baggerschaufeln Sand aus, den freiwillige Helfer dann mit Schubkarren ins Gotteshaus transportierten. Vor einer vier Meter breiten Fototapete, auf der  hohe Dünen abgebildet sind, wurde der Sand abgeladen. Passend zum Motto des Fastenprojekts „Wüste(n)Zeiten“.

Über die Idee dahinter wird auf der Homepage der Pfarrei erzählt: Kontaktbeschränkungen, Reiseverbote, Mutationen, „die Auswirkungen der Corona-Pandemie bestimmen unsere Zeit und lassen eine weite (Urlaubs-)Reise nur noch als eine weit entfernte Hoffnung erscheinen. Aber genau um die Hoffnung geht es in den 40 Tagen Fastenzeit vor Ostern“. Gerade deshalb sei die Pfarrei zu einer großen Reise eingeladen: „In Anlehnung an das Fasten Jesu geht es für uns in die Wüste.“ An Ostern gebe es dann „hoffentlich viel zu erzählen.“ 40 Tage lang dauert die imaginäre Tour, die an Aschermittwoch begann. In dieser Zeit gibt es nicht nur Sonntags- gottesdienste, in denen das jeweilige Tagesevangelium zu einer Art Reisetagebuch wird, sondern auch einen wöchentlichen Podcast. Ein Jugendgottesdienst dreht sich um das Thema „Versuchung“ und ein abendliches „Nachtgespräch mit dem Herrn“ in der stimmungsvoll illuminierten Pfarrkirche lässt die Teilnehmer Bekanntschaft machen mit dem biblischen Nikodemus, der im Johannes-Evangelium mit Jesus über den Glauben spricht.

Vorbereitet wurde das Fasten- projekt von einem Arbeitskreis des Pfarrgemeinderats. „Begonnen hat alles mit der Frage: Wie können wir uns als Kirche mit dem Thema Corona beschäftigen?“, erzählt Christoph Härtl, eine der treibenden Kräfte. „Wie kann ein gläubiger Mensch mit der Situation umgehen und welches Bild gibt es hierfür? Da fiel die Wahl auf die Wüste, mit all ihren Gegensätzen: erholsam auf der einen Seite, bedrohlich und riskant auf der anderen.“

Härtl gehört zur online-erfahrenen jungen „Unter 30-Fraktion“ im Pfarrgemeinderat und hilft nicht nur beim Aufzeichen der Podcast-Impulse, sondern auch beim Übertragen der Sonntagsgottesdienste. Diese Livestreams, so sein Anspruch, sollen über das reine Abfilmen des Zelebranten hinausgehen. So können sich Zuschauer bei den Fürbitten live zuschalten. Eingeblendete Bilder ver- stärken die Aussagen der Predigt. Motive aus der Wüste etwa, wo Härtl selbst schon gewesen ist. Ein Sahara-Trip vor zwei Jahren war seine letzte größere Reise vor Corona. Der junge Oberpfälzer war überrascht, wie viele Leute ihn wegen des Fastenprojekts ansprachen und erzählten, dass sie ebenfalls schon eine der großen Wüsten der Erde besucht haben.

Einer von ihnen ist Pfarrer Markus Fiedler. „Ins Heilige Land, da will ich immer wieder hin“, schwärmt er. Über seine Eindrücke von mehreren Reisen in die Wüste Juda, von denen er viele Fotos mitgebracht hat, erzählte er jetzt auch im ersten von zwei Online- Vorträgen, die im Rahmen der „Wüste(n)Zeiten“ geplant sind. Zweiter Referent ist Ende März der Eichstätter Polizeiseelsorger Christoph Maurer. „Wenn die Seele zur Wüste wird“, lautet sein Vortrag, in dem er vom Umgang mit Hass- und Gewalterfahrungen berichtet.

Pfarrer Fiedler freut sich über die vielen Ideen, die in seiner Pfarrei schon seit Beginn der Pandemie ausgebrütet werden: „Ich habe gestaunt, wie sich aus dem Arbeitskreis ‚Advent und Weihnachten‘ nahtlos der Arbeitskreis ‚Fastenzeit und Ostern‘ formierte, mit fast den selben Leuten.“ Ganz junge Pfarrgemeinderäte sind darunter. Mit frischen Ideen und dem entsprechenden Freiraum. Für Fiedler ist das „kein Austoben, sondern bewusstes Gestalten von Pfarrei vor Ort. Mit einer Tiefe und Reife, vor der man nur den Hut ziehen kann“. Mehr Informationen > Pfarrei Postbauer-Heng/Bistum-Eichstätt

Quer durch die Pfarrei

Wer momentan zu Fuß in den Ingolstädter Stadtteilen Haunwöhr und Hundszell unterwegs ist, kann an so manchem Gartenzaun oder Wegkreuz Botschaften mit religiösem Inhalt entdecken. Sie sind Bestandteil eines außergewöhnlichen Kreuzwegs, den sich die Verantwortlichen der Pfarrei Herz Jesu/Ingolstadt in diesem Jahr als Alternative zu größeren, derzeit nicht möglichen Veranstaltungen in der Fastenzeit ausgedacht haben: An 14 Stationen kann man sich Gedanken zu den Herausforderungen des Lebens machen. Der Kreuzweg verbindet die Herz Jesu-Kirche im Norden der Pfarrei mit der Marienkirche Hundszell ganz im Süden. Die Aktion geht noch bis zum Palmsonntag. In dieser Zeit sind Interessierte eingeladen, sich auf den Weg zu machen. Ganz allein oder auch mit der ganzen Familie. Denn es gibt zusätzliche Angebote für Kinder. Ein Tipp für geübte Smartphone-Nutzer: Einige Stationen enthalten QR-Codes. Werden diese eingescannt, führen sie zu Liedern, die den Kreuzweg ergänzen.

Abstand halten, Maske tragen, das sei immer noch das Gebot der Stunde, meint Pfarrgemeinde- ratsvorsitzender Peter Ziegler. Trotzdem sorgten die ersten schönen Frühlingstage dafür, „dass es jeden raustreibt“. So sei im Pfarr- gemeinderat, der sich momentan nur per Video-Konferenz trifft, der Gedanke entstanden, einen begehbaren „Outdoor-Kreuzweg“ auf Grundlage des diesjährigen Misereor-Kreuzwegs anzubieten. Gemeinsam wurde überlegt: Wer wohnt entlang der geplanten Strecke? Wen könnten wir fragen, ob er eines der laminierten Plakate an seinem Gartenzaun aufhängt? Zur Freude der Organisatoren zeigten sich alle Angesprochenen sehr offen. „Niemand hatte ein Problem damit, sich als Christ zu outen“, sagt Ziegler, der alle Schilder ausgefahren hat, „mancher fragte sogar nach, ob die Schilder nicht eine Spur größer sein könnten.“

Am Haus von Tobias Fembacher hängt die dritte Station: „Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz“. Vereinzelt habe er schon Leute stehenbleiben sehen, erzählt Fembacher, der sich in der Pfarrei Herz Jesu als Lektor engagiert. Vor sechs Jahren ist er mit seiner Familie von der Innenstadt in Richtung Süden herausgezogen und hat schnell Anschluss gefunden in der Pfarrei. Seine Tochter, die in Herz Jesu Ministrantin ist, hat heuer Firmung. Dass sie keine Gruppenstunden in Präsenz besuchen kann, mache der Familie den Unterschied zur Zeit vor Corona am stärksten bewusst, meint Fembacher. Umso mehr freut er sich über kleine Aufbrüche wie den Kreuzweg durch die Pfarrei.

Auch Pfarrer Klaus Meyer begrüßt den Stationenweg, „den ich bestimmt auch mal gehen werde“. Zugleich berichtet er von einer weiteren Aktion in der Fastenzeit: Unter dem Motto „Orte des Lebens – Orte des Glaubens“ wurde ein Kreuzweg angeboten, den die Gläubigen gemeinsam gehen konnten – bei begrenzter Teilnehmerzahl und Anmeldung im Pfarrbüro. Innegehalten wurde an sieben Stationen: Von der viel- befahrenen Ampelkreuzung über das Einkaufszentrum bis zur Kindertagesstätte. Am 21. März wird es erneut ein solches Angebot geben, diesmal entlang anderer Stationen. Eine Idee, die an den traditionellen Arbeitnehmerkreuzweg der Katholischen Arbeitnehmer- Bewegung Ingolstadt erinnert. Die wiederum geht heuer corona- bedingt andere Wege und produziert einen Video-Kreuzweg (mehr dazu auf S. 23).

Gabi Gess
 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

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