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08.02.2019

Aushalten können und einfach da sein Notfallseelsorger des Bistums leisten auch dann noch Hilfe, wenn die Feuerwehr wieder abrückt

Ich bin zum Dienst an den Menschen da, und schaue, was sie brauchen“, sagt Pfarrer Reinhard Förster. Der 53-Jährige ist seit 1996 als Notfallseelsorger im Bistum aktiv. Dieser relativ junge Zweig der Seelsorge (siehe Beitrag unten) gehört im Bistum Eichstätt zum Fachbereich 4 „Krisenpastoral/Interventionspastoral“ in der Hauptabteilung „Diakonale Dienste“.

Foto: Franzetti

Die Dekanatsverantwortlichen für Notfallseelsorge trafen sich kürzlich in Eichstätt. Mit dabei: Diakon Thomas Rieger (5. v. l.), Referent für Notfallseelsorge im Bistum, und Ordinariatsrätin Barbara Bagorski (r.), Hauptabteilungsleiterin und zuständig für Krisenpastoral/Interventionspastoral. Foto: Franzetti

Nachts geht der Piepser

Ordinariatsrätin Barbara Bagorskisieht die Notfallseelsorge als missionarische Aufgabe der Kirche an, „um Menschen zu erreichen“, um sie nach Unfällen oder einem Todesfall in der Familie aufzufangen. Die Hauptabteilungsleiterin findet es wichtig, dass sich die Kirchen „in dieser herausfordernden Situation“ engagieren. Da sei Kirche vor Ort präsent.

Im Bistum Eichstätt ist Diakon Thomas Rieger seit September 2018 als Referent für die Notfallseelsorge zuständig. Der gelernte Krankenpfleger sei immer wieder mit dem Tod konfrontiert worden, erzählt er im Gespräch mit der Kirchenzeitung. 2015 absolvierte er eine umfangreiche Ausbildung zum Notfallseelsorger. Seitdem ist er in seinem Heimatlandkreis Donau-Ries immer wieder im Einsatz. Die Leitstelle, die auch Feuerwehr und Rettungsdienst alarmiert, hat seine Telefonnummer. Und bei Bedarf rücken Rieger und seine Kollegen mit aus, kümmern sich um den unverletzten Beifahrer beim tödlichen Verkehrsunfall, um die Partnerin des Mannes, den die Sanitäter nicht wiederbeleben konnten. Förster und Rieger sehen ihre Aufgabe dann oft darin, einfach nur da zu sein. „Mein Anliegen ist es, den Menschen nahe zu sein“, sagt Förster. An der Einsatzstelle kann dann schon mal gebetet werden, aber meistens ist die reine Präsenz des Notfallseelsorgers für die Betroffenen wichtig, weil der bleibt, wenn Polizei oder Notarzt wieder gehen. Er wolle Hinterbliebene bei Todesfällen ermutigen, bewusst Abschied zu nehmen, erklärt Förster. Die Erfahrung habe ihm gezeigt, dass „es vielen gut tut“, sich noch einmal intensiv vom Toten zu verabschieden und die Leiche nicht gleich sofort abholen zu lassen. 

Für Ehrenamtliche offen

In der Diözese Augsburg läuft derzeit in Wertingen ein Ausbildungskurs zum Notfallseelsorger. Mit dabei: Frauen und Männer aus dem Bereich der Diözese Eichstätt. Rieger hatte im vorigen Jahr zu einem Informationsabend nach Wemding eingeladen. Er habe gezielt Ehrenamtliche angesprochen, da das Bistum künftig stärker auf sie setzen will. 25 Interessenten seien in die Wallfahrergaststätte gekommen. Nach intensiven Auswahlgesprächen und einigen Absagen blieben neun übrig. 100 Unterrichtseinheiten umfasst der Kurs. Nach Abschluss werden die Frauen und Männer zunächst in der Notfallseelsorge hospitieren, also mit erfahrenen Kollegen in den Einsatz gehen. Später kann dann eine offizielle Beauftragung zum Dienst erfolgen.

Rieger hat begonnen im ganzen Bereich Notfallseelsorge Strukturen zu ändern oder ganz neu aufzubauen. Der Einsatz von Ehrenamtlichen ist dabei nur eines von vielen Projekten. Ein anderes: In der Willibaldswoche wird es heuer zum ersten Mal einen ökumenischen Blaulicht-Gottesdienst geben. Eingeladen sind Helfer von Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr, Technischem Hilfswerk oder Maltesern. Das Ganze sieht Eichstätts Notfallseelsorger als ein Zeichen der Wertschätzung für die Einsatzkräfte, „die heutzutage oft keine leichte Aufgabe haben“. Nach der Messe im Dom wird es im Festzelt auf der Seminarwiese einen Imbiss und Zeit für Gespräche geben. Den Wortgottesdienst werden Bischof Gregor Maria Hanke und ein evangelischer Regionalbischof halten. 

Das Treffen am 11. Juli soll Rieger auch bei einer weiteren Baustelle helfen: der Vernetzung. Hier sieht er Nachholbedarf, was Einsatzstrukturen angeht. Die Dekanate enden oft da, wo die Zuständigkeit einer Leitstelle aus einem anderen Dekanat oder eines anderen Bistums beginnt. Hier seien Kooperationen gefragt. Neben der katholischen und der evangelischen Kirche sind im Bereich Notfallseelsorge auch sogenannte Kriseninterventionsteams im Einsatz.

„Wir müssen auf Landkreisebene nicht auf Dekanatsebene denken“, sagte Rieger bei einem Treffen mit seinen Kollegen aus dem Bistum. In den Räumen der Eichstätter Medienzentrale empfing er vor kurzem die Dekanatsverantwortlichen für Notfallseelsorge. Dabei ging es unter anderem um die Alarmierungswege und die Frage, ob Piepser oder Mobiltelefon. Die Priester und Diakone, sprachen zudem über Dienstpläne und Breitschaften. „Wenn Einsätze vier bis fünf Stunden dauern, komme ich an meine zeitlichen Grenzen“, machte ein Pfarrer deutlich. Und wenn während des Sonntagsgottesdienstes eine Alarmierung erfolge, sei er halt gerade nicht einsatzbereit, gab ein anderer zu bedenken. In diesen Fällen sei eine Rufumleitung beim Telefon wichtig. Rieger gab den Notfallseelsorgern mit auf den Weg, dass es notwendig sei, „den Horizont zu weiten“. Durch ihre Tätigkeit würden die Notfallseelsorger zur Pastoral vor Ort beitragen, denn die sei schließlich mehr als nur Andachten und Gottesdienste.

Andrea Franzetti

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 25 vom 23. Juni 2019

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