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31.01.2020

Bäume, Brunnen und Basisgemeinden Eichstätter Delegation besuchte Burundi / Vier Stunden Gottesdienst / „Glaube ist Lebenselixier“

Früher sind unsere Kinder oft krank geworden, jetzt ist es viel besser“, sagte eine Frau in Burundi zu Dr. Gerhard Rott. Der Weltkirchebeauftragte der Diözese war etwas mehr als eine Woche lang mit einer kleinen Eichstätter Delegation in dem ostafrikanischen Land unterwegs, zu dessen Diözesen das Bistum Eichstätt seit 1975 eine enge Partnerschaft pflegt.

Generalvikar  Pater Michael Huber und Erzbischof Simon Ntamwana bei der Ankunft in Bugenada.

Herzlich Willkommen: Generalvikar Pater Michael Huber (l.) und Erzbischof Simon Ntamwana (r.) bei der Ankunft in Bugenada. Foto: vb/Rott

Treffen mit Botschafter

Die Frau stand in der Nähe einer Wasserquelle. Mit Hilfe der Erzdiözese Gitega waren sieben Quellen in der Nähe von Bugendana neu gefasst worden. Jetzt liefern sie sauberes Trinkwasser, unter anderem für das Internat beim Sozial- und Pastoralzentrum St. Willibald und Walburga sowie für die Bevölkerung. Auf Anregung Gitegas entstanden Wasser-Komitees, die für die Quellen verantwortlich zeichnen. Es gebe deutlich weniger Wurmerkrankungen, bestätigte die Frau.

Die Quellen waren nur eines von vielen Projekten die Rott und die Eichstätter Gruppe mit Generalvikar Pater Michael Huber, Subregens Jens Fleckenstein und Religionslehrerin Beate Trampert von der Maria Ward-Realschule besuchten. 

Via Brüssel flogen die vier in die bisherige Hauptstadt Bujumbura. Gleich zu Beginn der Afrikareise empfing Deutschlands Botschafter Dieter Reinl die Eichstätter. Er dankte dem Bistum für die lange Unterstützung. Es sei wichtig, dass das Land von der deutschen Zivilbevölkerung nicht vergessen wird. Ein weiterer Besuch führte zur Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die zeichnet in Bugendana für ein Energiekonzept verantwortlich. So leuchten dort in Schule und Krankenstation LEDs mit Strom von regenerativen Energiequellen.

Von Bujumbura am Tanganjikasee ging es ins Landesinnere nach Gitega. Die zweitgrößte Stadt des Landes mit 30.000 Einwohnern ist vor zwei Jahren zur neuen Hauptstadt ernannt worden. In Gitega war die Eichstätter Delegation im Haus von Erzbischof Simon Ntamwana untergebracht. Er begleitete die Gäste aus Deutschland bei fast allen Terminen. Ihn wiederum begleiteten stets zwei bewaffnete Soldaten. Das Land gilt als instabil, das Auswärtige Amt rät von Reisen ab.

Mit erzbischöflicher und militärischer Begleitung besuchte die Delegation unter anderem die Gehörlosenschule des Erzbistums (siehe Beitrag Seite 5). Dort werden rund 250 Schüler im Alter zwischen fünf und 20 Jahren unterrichtet. Auf dem Stundenplan stehen neben Gebärdensprache auch handwerkliche Kurse.

Einen großen Empfang bereiteten die Gläubigen in Bugendana den deutschen Gästen. Erzbischof Simon feierte aus Anlass des fünften Weihetags der Kirche St. Willibald und St. Walburga einen Gottesdienst. Die mehr als vierstündigen Messe, die live von Radio Maria in Burundi übertragen wurde, feierten nach Angaben Rotts rund 6.000 Gläubige mit, davon 5.000 in der Kirche. Bei der Messe erfolgte die Beauftragung von 14 Kommunionhelfern. Außerdem waren mehrere Dutzend Ehejubilare anwesend, die ihr Eheversprechen erneuerten. Generalvikar Pater Michael Huber überreichte Erzbischof Simon eine kleine Nachbildung des Friedenskreuzes der Jahresaktion der deutschen katholischen Hilfswerke. Für die Chorsänger und anderen Mitwirkenden an der Messe hatten die Eichstätter Gebetsbildchen im Gepäck. Die in Kirundi übersetzten Texte enthielten Informationen über das Leben und Wirken des heiligen Willibald und der heiligen Walburga.

Generalvikar Huber, der das erste Mal nach Afrika reiste, berichtet von einer großen „Dank-barkeit von allen Seiten“, die er bei den vielen Begegnungen gespürt habe. „Die Kirche ist für viele Menschen die Kraftquelle im Leben.“ Er habe Menschen erlebt, für die der Glaube „ein Lebenselixier“ sei. Von einem Glauben, der im Alltag sehr präsent sei, erzählt Subregens Jens Fleckenstein. Im Priesterseminar in Gitega habe er „sehr stolze Seminaristen“ getroffen. Aus jeder der acht Diözesen des Landes werden dort rund ein Dutzend Studenten pro Jahrgang auf die Weihe vorbereitet. Das Seminar kann bei weitem nicht alle Interessenten aufnehmen. Von Priestermangel also keine Spur. Das Haus sei „trotz aller Einfachheit, sehr liebevoll eingerichtet“, schildert Fleckenstein, der die Kapelle, die Schlafsäle und auch die Bibliothek besichtigen konnte. Das Seminar in Gitega ist auf einem Gelände angelegt, auf dem Papst Johannes Paul II. bei seiner Burundireise 1990 Gottesdienst im Freien gefeiert hatte.

Im Eichstätter Seminar sind regelmäßig Priester oder Priesteramtskandidaten aus Burundi. „Sie bringen eine andere Sicht von Glauben und Glaubensleben mit“, sagt Fleckenstein. Das sei „sehr bereichernd“. Eigentlich, so der Subregens weiter, „müssten wir unsere Leute nach Burundi schicken“.

Ein andere Station des oft strammen Tagesprogramms waren Wiederaufforstungsprojekte des Erzbistums Gitega. Als Schutz vor Erosion sind bereits mehr als 80.000 Bäume angepflanzt worden. Eichstätt und Gitega fördern dieses Maßnahmen und unterstützen so auch den Aufbau von Basisgemeinden. Es gebe acht Modellstandorte, erklärt Rott. Die Leute dort würden geschult und angeleitet, wirtschaftlich eigenständig zu sein. Der gemeinsame Wald- und Ackerbau fördere auch die Gemeinschaft, erzählt der Weltkirchebeauftragte. 

Andrea Franzetti


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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