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03.02.2021

Begleitung über den Unterricht hinaus Wertvoll nicht nur in Corona-Zeiten: Schulpastoral im Bistum Eichstätt / Neues Bischofsdokument

Mal kam der Schulbus bei Eis und Schnee nicht durch, mal gab es hitzefrei – wohl jeder ehemalige Schüler wird sich an solch unverhofften Unterrichtsausfall gerne zurückerinnern. Was aber, wenn er zum Normalfall wird? Derzeit machen Kinder und Jugendliche die beispiellose Erfahrung, auf den vertrauten Lebensraum Schule verzichten zu müssen. Den Ort, an dem sie nicht nur pauken, sondern Freundschaften schließen, sich zanken und wieder vertragen, an dem sie häuslichen Kummer nicht immer verbergen können. „Schule ist mehr als Unterricht“, fasst der Vorsitzende der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Hans-Josef Becker aus Paderborn, zusammen.

 

Wertvoll nicht nur in Corona-Zeiten: Schulpastoral im Bistum Eichstätt

Hoffnungen, Wünsche, Ängste, Probleme: Schulpastoral lässt junge Menschen zu Wort kommen und fragt, wo der Schuh drückt. Foto: Seidl

Anlass von Beckers Aussage ist ein neues Papier der Bischofskonferenz mit Eckpunkten zur Weiterentwicklung der Schulpastoral mit dem Titel „Im Dialog mit den Menschen in der Schule“. Auch wenn die Corona-Krise darin keinen Widerhall findet, so geht das nach fast 25 Jahren aktualisierte Dokument doch auf viele Punkte ein, in denen sich die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler seither verändert hat. Verantwortliche im Bistum Eichstätt sehen sich durch das Papier in ihrer Arbeit bestätigt.

Schule als Lebensraum

„Schulpastoral versteht sich als Beitrag von Christinnen und Christen zu einem menschlichen Miteinander im Lebensraum Schule“, lautet die Definition auf der Homepage der Diözese. Konkret heiße dies: „Schulkultur mitgestalten, religiöse Erlebnisse und Erfahrungen ermöglichen, Menschen in ihrem persönlichen Suchen und Fragen begleiten, Gemeinschaft an der Schule fördern und gestalten, Verständnis für andere Religionen und Kulturen wecken, für Versöhnung, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sensibilisieren“. Beim Blick auf die Liste an konkreten Möglichkeiten wird deutlich, was Corona gerade alles verhindert: Ob das nun Kennenlerntage zu Schuljahresbeginn oder Streitschlichterkurse sind, Eine Welt- und Umweltprojekte oder „Seelenbadetage“ für Lehrer, Besinnungstage oder der klassische Gottesdienst vor den großen Ferien.

Mehr in die Mittelschule

Religionspädagoge Werner Reutter, seit 1984 im Dienst der Diözese und heute Referent für Schulpastoral, erinnert sich an die Anfänge, speziell an „Urgestein“ Diakon Xaver Bösl. Als Religionslehrer an der Neumarkter Hauptschule Weinbergerstraße hatte Bösl Mitte der 1980er-Jahre über den Unterricht hinaus ein Beziehungsgeflecht zu den Schülern aufgebaut, lange bevor die Bischöfe 1996 ihre wegweisende Schrift herausgaben und bevor sich der Begriff Schulpastoral etablierte. Er habe damals „rein aus überlebenstechnischen Gründen“ nach neuen Wegen gesucht, erinnert sich Bösl. Im Religionsunterricht seien die Jugendlichen nur schwer ansprechbar und kaum motiviert gewesen. Dies habe sich aber geändert, nachdem er Angebote außerhalb der Schule machte und das Vertrauen seiner Schützlinge gewann – bei der Nachtwanderung, beim Tanzkurs, aber auch beim Bibeltreff. Was er über den Unterricht hinaus anbot, leistete Bösl damals ehrenamtlich. In den 1990er-Jahren habe ihn dann das Schulreferat des Bistums gebeten, an der Entwicklung von Leitlinien für die Schulpastoral mitzuwirken, erzählt Bösl. 

Von da an habe es auch dienstliche „Anrechnungsstunden“ für den schulpastoralen Einsatz gegeben, ergänzt Reutter, der für Grund-, Mittel-, Förder-, Real- und Berufsschulen zuständig ist. 

In den Anfängen sei der Schwerpunkt auf den Gymnasien gelegen, erläutert Reutter. Priester, die dort Religionsunterricht erteilten, hatten automatisch auch die Funktion  des Schülerseelsorgers, „was sie daraus machten, oblag ihnen selbst“. Nach und nach rückten an die Stelle der Geistlichen Pastoralreferenten, die ihr Stundenkontingent je zur Hälfte in den Religionsunterricht und in Aufgaben der Schulpastoral einbrachten. 

Im vergangenen Jahrzehnt habe man die Hauptschulen verstärkt in den Blick genommen, stellt Reutter fest. „Jetzt will man auch in die Förderschulen gehen.“ Sehr froh sei er über die mittlerweile 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schulpastoral des Bistums. Bisher werde diese überwiegend von kirchlichen Religionslehrern und teils von Gemeindereferenten getragen, berichtet Reutter und kündigt an, dass ab kommenden Herbst auch staatliche Lehrkräfte einsteigen können. Schulpastoral werde zu 100 Prozent von der Kirche refinanziert, erklärt er nicht ohne Stolz, „und wir reden noch nicht vom Engagement in kirchlichen Schulen. Da spielt die Schulpastoral von Haus aus eine größere Rolle.“

Wobei „auch die staatlichen Schulen gemerkt haben, wie wichtig das ist“, ergänzt Religionspädagoge Armin Hückl, der Reuter als Mitarbeiter für Schulpastoral unterstützt und parallel Religionslehrer an einer Nürnberger Mittelschule ist. Nach seiner Erfahrung ist der Wunsch nach stärkerer ökumenischer Zusammenarbeit in Sachen Schulpastoral, wie ihn die Bischöfe im neuen Dokument äußern, längst Wirklichkeit „Gut, dass sie es erwähnen“, meint Hückl, „aber das tägliche Arbeiten ist von der Frage der Ökumene völlig abgelöst.“ 

Es muss weitergehen

Der Theologe und Pädagoge Hans Seidl hat am Gymnasium Hilpoltstein eine Doppelfunktion: Etwa drei Viertel seines Stundenkontingents bringt der Religionslehrer als Referent für Schulpastoral ein. Insgesamt fünf Frauen und Männer betreiben für die Diözese derzeit Pastoral an Gymnasien, Seidl ist ihr Sprecher. An dieser Schulform „spielt der Leistungsgedanke mit seinen manchmal problematischen Folgen eine große Rolle“, heißt es auf der Homepage des Bistums. Momentan dagegen steht, wie an allen Schulen, die  Isolation der Schüler im Vordergrund.  „Dass wir eine neue Schule mit supertoller Plattform und technischer Ausstattung vom Neuesten haben, das ist ein großes Glück“, sagt Seidl. Er ist seit 1997 in der Schulpastoral tätig und wurde immer wieder mal für den Schulpsychologen gehalten. Die Übergänge sind fließend. Bald geht Seidl in Ruhestand, es ist sein letztes Schuljahr. Noch ist nicht sicher, ob seine Stelle in der Schulpastoral wieder besetzt wird. „Ich würde mir so sehr wünschen, dass es weitergeht“, sagt er. Denn „da ist wirklich was passiert in den vergangenen 25 Jahren“. 

Gabi Gess

Mehr Info unter www.bistum-eichstaett.de/kirche-geht-in-die-schule


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 10 vom 7. März.2021

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