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26.06.2020

Chauffeur für „eine wichtige Person“ Diakon, Notfallseelsorger und Malteser Reiner Fleischmann fuhr Benedikt XVI. durch Regensburg

Als die KiZ Diakon Reiner Fleischmann am Handy erreicht, ist er gerade auf der Rückfahrt vom Münchner Flughafen. Hinter ihm liegen fünf Tage, wie er sie nie erwartet hätte: Beim überraschenden Regensburg-Besuch von Benedikt XVI. war Fleischmann Fahrer des emeritierten Papstes und hat ihn zu allen Stationen seines kurzen Aufenthalts gebracht. Bis aufs Rollfeld des Airports hat Fleischmann den 93-Jährigen am vergangenen Montag gefahren und ihm zum Abschied zugewinkt.

Benedikt XVI. lässt sich von Dr. Burkhard Pfaff und Reiner Fleischmann (im Fahrzeug) beim Aussteigen helfen

Am Wohnhaus seines Bruders in der Regensburger Luzengasse lässt sich Benedikt XVI. von Dr. Burkhard Pfaff und Reiner Fleischmann (im Fahrzeug) beim Aussteigen helfen. Foto: Malteser Regensburg

Theologe Fleischmann ist seit vielen Jahren Leiter der Krisenpastoral im Bistum Regensburg und darüber hinaus Bundeskoordinator für Krisenintervention bei den Maltesern. Ihnen hat er sich schon mit 16 Jahren ehrenamtlich angeschlossen. Heute liegt sein Büro in der Dienststelle des Malteser-Hilfsdienstes in Regensburg. Dort bekam er am Mittwoch vor acht Tagen einen Anruf: Die Diözese benötige am Donnerstag in der Frühe Fahrzeuge, um damit um 11 Uhr am Flughafen München „eine wichtige Person“ abzuholen. Als der 55-Jährige auf Nachfrage erfuhr, es handle sich um den emeritierten Papst, „da ist mir natürlich das Wort im Hals stecken geblieben“, lacht der Diakon, der unter anderem beim großen Donauhochwasser 2013 in Deggendorf im Einsatz war und den so leicht nichts umwirft. Während des Bayernbesuchs von Papst Benedikt im Jahr 2006 war Fleischmann im Einsatzstab, ebenso ein Jahr zuvor beim Weltjugendtag.

 

Dem Bruder zuliebe

Dass er dem Papst Jahre später nochmals auf bayerischem Boden begegnen würde, „habe ich eigentlich nicht gedacht“, beschreibt der Diakon seine Überraschung. Wer hätte schließlich gedacht, dass der von der Last des Alters gezeichnete Joseph Ratzinger seinem Bruder zuliebe nochmal auf Reisen ginge? Fleischmann setzte sich gleich mit Malteser-Einsatzleiter Rainer Zollitsch in Verbindung, um aus den Fuhrparks der Dienststellen im Bistum geeignete Fahrzeuge für Benedikt XVI. und seinen Begleiterstab zu organisieren.

Er selbst steuerte das rollstuhlgerechte Malteser-Fahrzeug, in dem der Gast nicht nur mehrere Male zum Wohnhaus seines 96-jährigen Bruders Georg gelangte, sondern auch zum Familiengrab der Ratzingers auf dem Friedhof im Regensburger Stadtteil Ziegetsdorf oder zu seinem früheren Wohnhaus in Pentling. Unweit davon hatte Benedikt XVI. als Papst 2006 einen Gottesdienst zelebriert, an dem auch Hunderte von Gläubigen aus dem Bistum Eichstätt teilnahmen.

Worüber er sich während der Fahrten, die stets am Quartier des Gastes im Regensburger Priesterseminar. begannen und endeten, mit dem Papst unterhalten hat, das behält Fleischmann für sich. Was er als bleibenden Eindruck mitnimmt, teilt er aber gerne mit: „Diese Herzlichkeit, die er ausstrahlt. Und dass er trotz der Anstrengungen Zeit fand für persönliche Worte.“ Es waren wohl die letzten gemeinsamen Tage, die die unzertrennlichen Ratzinger-Brüder miteinander verbrachten. Wer die Bilder sah, die Nachrichten verfolgte, hatte den Eindruck: Benedikt war über diese wertvollen Tage und Momente glücklich. „Ja“, meint auch Fleischmann, „das war er.“ Es sei ein Herzenswunsch der Geschwister gewesen, sich noch einmal zu sehen: „Während Corona ging es halt nicht.“

Viele Spekulationen hatte es während des Aufenthalts gegeben, ob Benedikt wohl mit dem Gedanken spiele, für immer nach Regensburg zurückzukehren. Für seinen Fahrer war das „letztlich Kaffeesatzleserei“. Denn das wisse niemand als der Papst emeritus selbst. Und bei der Rückfahrt zum Flughafen meinte Fleischmann bei Benedikt durchaus eine gewisse Vorfreude auf Rom zu spüren. A propos fahren: Wie vorsichtig tritt man ins Gaspedal, wenn im Fonds kein Geringerer als der ehemalige Papst nebst Sekretär und Regensburger Diözesanbischof sitzt? Da habe es nicht viel zu überlegen gegeben, meint der Diakon. Er sei stets inmitten einer Kolonne mit Polizei und Personenschutz gefahren, „da konnte ich selber wenig bestimmen“.

 

Frei von Trubel

Ein positives Fazit des Besuchs zog im KiZ-Gespräch Christian Schwarz, Geschäftsführer und Leiter der Einsatzdienste der Malteser im Bistum Eichstätt. Wie Fleischmann war auch er bereits beim Besuch des amtierenden Papstes 2006 in Regensburg in Einsatz. Dabei hatte er auch mit Eichstätter Malteserteams zusammengearbeitet. Im Gegensatz zu damals sei der jetzige Besuch „sehr privat“ gewesen. Zwar hätten sich Gläubige als Zaungäste eingefunden, um in die Nähe Benedikts zu kommen, doch sei der Aufenthalt „erfreulicherweise frei von großem Trubel“ gewesen: „Das hätte Benedikt auch nicht haben wollen.“ Selbst jemand in einer so herausragenden Funktion habe Anspruch auf eine vertrauliche Atmosphäre.

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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