Zum Inhalt springen
20.12.2019

Das Christkind von der Landjugend - Alle Jahre wieder ist Johanna Nickl an Heiligabend in der Pfarrei Liebenstadt im Einsatz

Einen Nikolaus-Service bieten viele Jugendgruppen im Bistum Eichstätt an. In der Pfarrei Liebenstadt bei Heideck können sich Eltern kleiner Kinder im Dezember darüber hinaus noch einen weiteren Gast einladen: das Christkind, das am Heiligen Abend ins Haus kommt.

 

Jedes Jahr in der Adventszeit werden alle Interessierten im Pfarrbrief auf dieses Angebot aufmerksam gemacht, für das die katholische Landjugend (KLJB) schon seit vielen Jahren zuständig ist. Das diesjährige Christkind, Johanna Nickl, sieht seiner mittlerweile vierten Saison entgegen.

Foto: privat

Engelsflügel und goldenes Buch gehören zu Johanna Nickls Christkindl-Ausstattung. Das weiße Gewand war einst das Brautkleid ihrer Oma.            Foto: privat

„Die Aktion gabs schon, als ich selbst noch ein kleines Kind war“, erzählt die 17-Jährige. Ganz schön gestaunt habe sie manchmal, „woher das Christkind das alles weiß“, lacht sie. Das Zimmer mal wieder nicht aufgeräumt, sich mit den Geschwistern gezankt – der geheimnisvolle Gast war bestens informiert. Die pädagogische Wirkung „hielt auf jeden Fall ein paar Tage an“, meint Johanna. 

 

Geschenke vor der Tür

Einmal in das Kostüm des berühmten Nürnberger Christkindls zu schlüpfen, „das wär’ bestimmt schön“, überlegt die Liebenstädterin und findet es einfach nur „dumm“ dass sich ihre ebenfalls 17-jährige, dunkelhaarige Kollegin Benigna Munsi nach ihrer Wahl rassistische Kommentare anhören musste. 

Anders als bei Munsi, beschränkt sich Nickls Einsatz auf den Heiligen Abend. Dann holt sie die Handschuhe und die Flügel aus dem Landjugendraum und schlüpft in ihr weißseidenes Christkindlgewand, das einst das Brautkleid ihrer heute 83-jährigen Oma war. Nicht vergessen darf sie ihr goldenes Buch mit den Informationen über die Kinder, die sie besucht. Deren Eltern haben ihr rechtzeitig zugeflüstert, was es an ihren Sprösslingen zu loben oder zu tadeln gilt. Manche bringen wie eh und je einen Zettel vorbei, andere schicken dem Liebenstädter Christkind eine Nachricht aufs Handy. 

Den Fahrdienst von Station zu Station „machen mein Papa und mein Bruder“, erzählt Johanna und ergänzt: „Wir haben einen VW-Bus. Da passe ich mit den Flügeln rein.“ Damit in der Familie Nickl kein Heiligabend-Stress ausbricht, beginnt Johanna schon um vier Uhr nachmittags ihre mehrstündige Besuchstour, die sie in den vergangenen drei Jahren jeweils zu acht bis zehn Familien geführt hat. Vor der Haustüre haben die Eltern in der Regel schon einen Wäschekorb mit den Geschenken deponiert, die das Christkind mitbringen soll. Einmal, so erinnert sich Johanna, stand ein neuer Puppenwagen bereit, in dem zur großen Überraschung des beschenkten kleinen Mädchens bereits seine Lieblingspuppe schlummerte. Ein andermal war das Geschenk auf dem Wunschzettel, ein Elektroauto, nicht pünktlich zum Fest eingetroffen und das Christkind musste den jungen Empfänger vertrösten. Was sich unter dem Geschenkpapier verbirgt, bekommt die Überbringerin meist nicht mit. Während ein Kind seine Geschenke auspackt, ist Johanna schon unterwegs ins nächste Haus. 

Dreijährige stehen noch staunend und mit großen Augen vor der weißen Gestalt. Etwas ältere Kinder dagegen, „die kennen mich schon“, weiß Johanna. Für diesen Fall, verrät sie, „hab’ ich meinen Schleier dabei“. Sie trifft auf schüchterne Kinder, aber auch auf ganz selbstbewusste: „Doch, Christkind, ich hab’ mein Zimmer aufgeräumt. Komm mit, dann zeig ich’s Dir“. Oft haben Kinder für das Christkind auch ein Gedicht gelernt oder spielen ihm etwas auf ihrem Instrument vor. Andere präsentieren stolz ausgeschnittene Sterne und andere Bastelarbeiten. 

 

Wenn Zweifel erwachen

Eine der Familien, die das Christkind regelmäßig engagieren, sind die Maderers aus Liebenstadt. Mama Anna (29) hat früher selbst Besuch vom KLJB-Christkind bekommen: Erst klingelte das Glöckchen „und dann kam die weiße Gestalt herein“. Heute ist ihre Tochter Vroni drei Jahre alt, Sohn Lukas sieben. „Bei ihm war ich letztes Jahr schon ein wenig in Erklärungsnot“, berichtet sie. Und das nicht nur an Weihnachten. Mit Erreichen des Schulalters „da kommen dann schon so Sätze wie: ‚Der Osterhase, das bist doch Du!‘“.

Auch bei Carolin Barthel aus Röttenbach und ihrem achtjährigen Sohn Finn wird Christkind Johanna heuer wohl zum letzten Mal vorbeikommen. Zum vierten Mal besucht sie den Buben, der ihr jedesmal ganz stolz vorgesungen hat. „Ein besonderer Tag, ruhige Stimmung, wenig Tamtam“, so umschreibt Carolin Barthel den Heiligen Abend in ihrer Familie. Nachmittags besucht Finn mit Oma und Opa die Stallweihnacht auf dem Kolbenhof, zu der die evangelische Gemeinde Alfershausen-Heideck einlädt. Der Besuch des Christkinds am frühen Abend sei dann die Krönung. „Es gibt einem auch selber viel“, findet die 36-Jährige, „weil es einen in die eigene Kindheit zurückversetzt“. Und „ich find’s auf jeden Fall schöner mit Christkind als mit Weihnachtsmann.“

Gabi Gess


Beitrag als PDF

 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 9 vom 1.3.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.