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10.06.2020

„... das wäre ein Fest gewesen!“ Meilensteine des Lebens im Zeichen der Pandemie: Wie Jung und Alt im Bistum damit umgehen

Jana und Max schweben unbeschwert übers Parkett. Die beiden stehen an einer wichtigen Wegmarke im Leben, dem Ende der Schulzeit. Tags zuvor haben die beiden Absolventen diözesaner Realschulen ihre Zeugnisse entgegengenommen, nun steigt der Abschlussball des Tanzkurses im Stadttheater Ingolstadt, den die Maria Ward-Realschule und die Knabenrealschule Eichstätt-Rebdorf traditionell gemeinsam veranstalten. Das Bild entstand 2019, vor Corona. Für die diesjährigen Abschlussschülerinnen und -schüler steht dagegen eine Verabschiedung in kleinem Rahmen auf dem Programm. Sie gehören zu den vielen Menschen im Bistum, die einen festlichen Anlass im Zeichen der Pandemie begehen.

Abschlussball 2019

BU: Auf einen festlichen Abschluss ihrer Schulkarriere hatten sich viele Absolventen gefreut, so wie Jana und Max auf dieser Abb. Sie entstand 2019 beim gemeinsamen Ball von Knabenrealschule Rebdorf und Maria Ward-Realschule der Diözese Eichstätt. Heuer muss die Veranstaltung ausfallen. Foto: privat

Schulabschluss

Der Abschlussball am Ende der Schulzeit „wäre natürlich ein Highlight gewesen“, meint Monika Helmstreit, die Direktorin der Eichstätter Maria Ward-Realschule. Viele Schülerinnen, weiß sie, hätten sich schon vor Corona ein Kleid für diesen Anlass gekauft, „da ist die Enttäuschung natürlich groß“. Aber ein Abschlussball mit Mindestabstand, „das funktioniert einfach nicht“, bedauert sie. Auch die Zeugnisübergabe könne nicht für den kompletten, 130 Schülerinnen und Schüler zählenden Jahrgang stattfinden, sondern nach jetzigem Stand nur klassenweise. Vielleicht bestehe im kommenden Jahr die Möglichkeit, ein Einjahres-Treffen für die Ehemaligen zu veranstalten, „aber das ist noch Zukunftsmusik“.

Auch an der Gnadenthal-Mädchenrealschule Ingolstadt sei eine klassenweise Verabschiedung geplant, berichtet Schulleiterin Camilla Hering. Die traditionelle große Fete in der Aula mit Bewirtung durch die Neuntklässler, „das ist sicherlich nicht möglich“. Ebenso wenig der Gottesdienst im Münster, mit dem die Verabschiedung normalerweise beginnt. In die Kirche dürfen momentan 100 Menschen, allein der Abschlussjahrgang zählt 120. Wenigstens ein besinnliches Element wolle man in die Abschlussfeier einbauen, plant Hering ebenso wie ihre Eichstätter Kollegin Helmstreit. 

Hochzeiten

„Die Hochzeitsbranche schlägt Alarm“, stand dieser Tage in der Presse zu lesen. Weil so viele Paare ihre Feier abblasen, seien die Auftragsbücher von Fotografen, Floristen und Gastronomen leer. Dr. Peter Ulrich, Referent für Ehe und Familie im Bistum, kann das bestätigen. Im ganzen Dekanat Eichstätt habe es seines Wissens nach seit Ausbruch der Corona-Krise eine einzige Trauung gegeben. Ehevorbereitungsseminare werden mittlerweile wieder angeboten. Bei entsprechender Nachfrage hätte zum Beispiel über Fronleichnam ein zweitägiger Kurs mit Elementen im Klettergarten Beilngries stattgefunden. Jedoch hatten sich kurzfristig nur zwei Paare angemeldet. 

An erster Stelle der Hochzeitsvorbereitungen, so weiß Ulrich aus langjähriger Erfahrung, steht meist die Buchung des Festsaals. Mit ihr stehe und falle auch der Rest der Planungen. Viele Paare, so Ulrichs Eindruck, sind gerade dabei, ihre kirchliche Hochzeit auf 2021 zu verschieben. Nächstes Jahr, selbes Datum. Wegen der Vielzahl an Trauungen „gibt es Überlegungen, ob man dann nicht auch an Sonntagen Trauungen anbietet“.

Domkapitular Norbert Winner,Seelsorger der Neumarkter PfarreiSt. Johannes, möchte es zum Beispiel so halten und zusätzlich noch Termine an Feiertagen oder auch werktags anbieten. Heuer wären bis Anfang Oktober knapp 30 kirchliche Hochzeiten im Kalender der Pfarrei St. Johannes gestanden, drei Viertel davon in der Wallfahrtskirche auf dem Neumarkter Mariahilfberg. Fast alle Paare hätten die Hochzeit bereits abgesagt oder verschoben, informiert der Münsterpfarrer, bis auf vier Ausnahmen. Dazu gehören Stefanie Friedel (28) und Simon Schenkl (30). „Wir hoffen halt noch“, meint Friedel, die in St. Johannes ehrenamtliche Lektorin ist und der die kirchliche Trauung „schon was bedeutet“. Am 29. August möchte sie ihrem Simon in der Wallfahrtskirche Maria Hilf im idyllischen Lengenbachtal das Ja-Wort geben. Dem Lokal, in dem sie anschließend mit etwa 100 Gästen feiern wollen, haben die Brautleute bislang nicht abgesagt. Allerdings „mit allen Dienstleistern einen Alternativtermin abgestimmt“, berichtet Friedel. In diesem Fall fände die Hochzeit Anfang April 2021 statt, denn „in der Hauptsaison kriegt man keinen Termin mehr“. Jetzt heiße es erst einmal abwarten, welche Lockerungen im Verlauf des Sommers noch in Kraft treten. „Sollte die Maskenpflicht Ende August noch bestehen oder sollten wir Leute ausladen müssen, dann verschieben wir’s“, sagt die Neumarkterin, denn „das ist dann nicht die emotionale Feier, die es sein soll“.

Ehejubiläen

Gemeinsam feiern – damit haben heuer auch Paare Probleme, die ein rundes Ehejubiläum feiern. Alle Jahre freuen sich Eheleute aus dem Bistum über die Einladung zum Tag der Ehejubilare im Rahmen der Willibaldswoche. Heuer muss das große Treffen in Eichstätt wegen Corona ausfallen. 

„Wir wären wohl hingegangen“, spricht Johann Geyer aus Pfahldorf für viele Jubilare. Der Pfahldorfer Seniorchef einer Gastwirtschaft und seine Ehefrau Walburga feierten vor Kurzem ihre goldene Hochzeit, nur mit Kindern und Enkeln. Weil öffentliche Gottesdienste noch nicht möglich waren, konnten sie nicht zum Dankgottesdienst einladen, „aber wir haben eine Organistin in der Familie und zwischen Mittagessen und Kaffee selbst eine Maiandacht gehalten“, erzählt Geyer.

Mathilde und Anton Beierlieb aus Oberweiling haben Anfang Juni im kleinen Kreis ihre „Goldene“ gefeiert, wie in der KiZ zu lesen stand. Auch sie hätten die Einladung nach Eichstätt zum Tag der Ehejubilare im Juli gerne angenommen. Ohne Corona hätten sie den Eichstätter Bischof wohl sogar schon Ende Mai getroffen. Denn da war eigentlich die feierliche Wiedereröffnung der Oberweilinger Pfarrkirche Mariä Geburt geplant. Doch erstens hätten nach den aktuellen Corona-Vorschriften nur wenige mitfeiern können und zweitens verzögerte sich wegen der Pandemie nochmals das ersehnte Ende der Renovierungsarbeiten. Diese hätten sich durch verschiedene Umstände sowieso schon drei Jahre hingezogen, bedauert Pfarrer Martin Becker, der in Oberweiling derzeit Freiluftgottesdienste „unter der Linde“ hält.

Auf frische Luft setzt der Geistliche auch bei den Erstkommunionkindern: Die Erstbeichte dürfen sie nach Absprache bei einem kleinen Spaziergang ablegen. Die Erstkommunion der Kinder wird sich dann wohl ab Juli auf mehrere Termine verteilen. Weil die Gruppe mit 16 Kindern heuer klein sei, lasse sich gut auf individuelle Wünsche der Familien eingehen, erläutert Becker. 

Sieben Kommunionkinder, vier Feiern – so sieht die Planung von Pfarrer Wolfgang Jäger in Roßtal aus. Zwei Kinder gehen am letzten Junisonntag erstmals an den Tisch des Herrn, zwei am 1. Julisonntag. 14 Tage darauf geht nochmals ein Kind zur Erstkommunion und erlebt zugleich die Taufe seines Geschwisterchens mit. Zwei weitere Erstkommunionfamilien schließlich möchten bis 2021 warten und sich dem nächsten Jahrgang anschließen. 

100. Geburtstag

„Wir holen die große Feier ganz bestimmt nach!“, dieses Versprechen bekommen in Corona-Zeiten sogar Hundertjährige zu hören. In Pfarrer Jägers Gemeinde gab es dieser Tage so einen seltenen Geburtstag ebenso zu feiern, wie  bei Domkapitular Winner in der Neumarkter Münsterpfarrei. Dort beging Emil Stephan, langjährige Stütze des Münsterchors, sein 100. Wiegenfest. Doch der Jubilar, ein gebürtiger Breitenbrunner, der jetzt im Neumarkter Caritas- Seniorenheim St. Johannes lebt, konnte den Gratulanten nur vom zweiten Stock aus zuprosten. Unter seinem Balkon erhoben nicht nur Angehörige und Heimleitung ihr Sektglas, sondern auch Domkapitular Winner und Pfarrer i. R. Helmut Hummel. Gemeinsam sangen sie dem Jubilar ein Ständchen auf Distanz. Der Neumarkter Münsterchor gratulierte mit einer extra aufgenommenen Videobotschaft. Während die Motette „Emitte Spiritum Tuum“ erklingt, werden alte Fotos eingeblendet, die Stephan an seine lange aktive Zeit in der Sängerschar erinnern. Wie schön wäre es gewesen, zum Geburtstag Hände zu schütteln und Gratulanten zu umarmen! So lautete auch der Wunsch von Chorleiter Peter Bruckschlögl: „Wir hoffen, dass wir bald gemeinsam dieses Fest feiern!“ 

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 12.7.2020

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