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26.03.2020

Der Auftrag, Kirche im Kleinen zu sein – Bischof Hanke über das religiöse Leben in der Corona-Zeit / Lob für Aktion „Hoffnungsfunken“

Kirche im Corona-Modus: Öffentliche Gottesdienste gibt es nicht, auch alle anderen kirchlichen Veranstaltungen müssen ausfallen. Doch das religiöse Leben geht weiter. Wie Bischof Gregor Maria Hanke mit der Situation umgeht, schildert er im Gespräch mit der Kirchenzeitung.

 

Foto: pde/Staudt

„Geistliche Patienten“: Bischof Gregor Maria Hanke. Foto: pde/Staudt

KiZ: Herr Bischof, wie ist die Lage im Bistum?
Bischof Gregor Maria Hanke: Nicht wesentlich anders als in anderen Bistümern. Wir befinden uns in einem Notstand, in dem die Sozialkontakte massiv eingeschränkt sind. Das heißt auch, dass wir liturgische Feiern nicht durchführen können. Das ist ein großes Manko für das geistliche Leben. Wir können nur hoffen, dass die Gläubigen diesen Notstand kreativ angehen. 

Welche Möglichkeiten gibt es?
Hanke: Wir können uns als Hauskirche in den Familien versammeln, damit wir den Draht zu Gott und zueinander nicht abreißen lassen. Es ist mir ein großes Anliegen, dass die Familien diese Zeit als Kirche im Kleinen erfahren. Die Hauskirche im urchristlichen Sinne war zwar umfassender, da gehörten auch die Großfamilie und Freunde dazu. Aber im Kern haben wir mit der Berufung durch Taufe und Firmung alle den Auftrag, Kirche im Kleinen zu sein.

Welche Unterstützung gibt es für diese Kirche im Kleinen?
Hanke: Wir versuchen vom Bistum her, geistliche Hilfestellung zu geben. Ich hoffe, dass das entsprechend genutzt und als fruchtbar erfahren wird. Die Aktion „Hoffnungsfunken“ ist kreativ angelegt und wird sich ständig weiterentwickeln. Ich bin dankbar, dass es diese Initiative gibt. Das ist ein pastoraler Faden, den wir den Menschen an die Hand geben möchten.

Hat die Situation auch Vorteile?
Hanke: Diese Zeit bildet auch eine Form von Exerzitien. Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Solche Zeiten können auch fruchtbar werden – Zeiten, in denen man sich mit sich selbst und seinen Fragen beschäftigt, zugleich aber auch Zeit für die anderen hat. Ich hoffe, dass wir nicht so sehr um uns selbst kreisen, sondern uns um die Nächsten kümmern – uns diejenigen, die Hilfe brauchen, ein gutes Wort brauchen. Dann erleben wir selbst diese Zeit nicht nur als Einschränkung unserer Möglichkeiten.

Wie haben Sie den ersten Sonntag ohne öffentliche Feiern erlebt?
Hanke: Ich war sehr traurig. Da hat etwas gefehlt. Natürlich habe ich die Heilige Messe gefeiert, aber nicht in dem Sinne, wie es der Auftrag Jesu nahelegt: Geht hinaus zu den Menschen. Sondern: Bleibt daheim. Das muss eine Jüngerin, einen Jünger traurig stimmen.

Kurz zuvor haben Sie eine Messe gefeiert, die über die sozialen Medien übertragen wurde. 
Wie haben Sie das erlebt?

Hanke: Ich habe mir die Teilnehmer an den Bildschirmen vor Augen gehalten, es als einen Dienst an den Menschen zu Hause betrachtet. Und so wusste ich mich mit ihnen verbunden. Die Reaktionen haben mir gezeigt, dass es eine erhebliche Anzahl an Mitfeiernden gab. Die innere Verbundenheit mit jenen, die Anliegen vorbringen und Sehnsucht nach der Eucharistie haben, hat mir Kraft gegeben.

Was geschieht mit der Kirche, wenn die Krise Monate andauert?
Hanke: Man spricht momentan viel vom ökonomischen Schaden, der sicherlich gegeben ist. Das wird eine große Herausforderung für Deutschland. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass es auch ein geistlicher Schaden ist: Wir können voraussichtlich die Heilige Woche und das Osterfest nicht gemeinsam feiern. Wir sind ja österliche Menschen. Dieser geistliche Mangel macht mir schon Sorgen. Wenn wir an die Wirksamkeit des Gebets und des Sakraments glauben, muss uns dieser geistliche Mangel sorgen. Ich weiß nicht, was das mit unserem Glauben und dem Kirchesein macht. Ich hoffe nur, dass uns das Bewusstsein, Hauskirche zu sein, über diese Krankheitsphase hinweghilft. Wir sind momentan alle auch geistliche Patienten.

Wie nutzen Sie persönlich die freie Zeit?
Hanke: Ich habe mir vorgenommen, mein geistliches Leben zu intensivieren. Zurzeit ist viel Krisenbewältigung zu leisten. Wenn dennoch Zeit bleibt, will ich versuchen, intensiver in der Heiligen Schrift zu lesen und täglich feste Zeiten für Schriftlesung und Gebet einzurichten. Und dann gibt es eine lange Liste mit Menschen, die ich anrufen will – zum Teil alte und kranke Menschen, für die sonst oft nicht genügend Zeit bleibt. Und dann versuche ich für die innere Ausgeglichenheit natürlich auch rauszugehen, in der Natur zu sein. Wenn es möglich ist, möchte ich gerne mehr spazieren gehen, querfeldein, keine asphaltierten Straßen, und dabei den Rosenkranz beten.

Das Interview führte KiZRedakteur Bernd Buchner.

 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 14 vom 5.4.2020

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