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02.09.2020

Deutschunterricht bei „Frau Maria“ Pensionierte Eichstätter Lehrerin hilft Geflüchteten, Fuß zu fassen / Während Corona per Mail

Als „Gutmensch“ möchte die in der Flüchtlingsarbeit engagierte Ehrenamtliche Maria Appelsmeier nicht bezeichnet werden: „Bei dem, was ich mache, fühle ich mich nicht besonders großartig, es macht mir einfach Freude“, erklärt die 70-Jährige aus dem Eichstätter Stadtteil Wintershof. Doch sie findet es gut, dass die Caritas heuer in ihrer bundesweiten Jahreskampagne unter dem Motto „Sei gut, Mensch!“ den in Verruf gebrachten Begriff in ein positives Licht rücken will. „Denn wer sich für Menschen anderer Kulturen einsetzt, der muss erst einmal gutgläubig und vorurteilsfrei auf sie zugehen, um sie richtig kennenzulernen“, weiß Appelsmeier aus eigener Erfahrung.

Maria Appelsmeier fühlt sich bereichert die ehrenamtliche Arbeit mit geflüchteten Menschen.

Bereichert in ihrem Leben fühlt sich Maria Appelsmeier (70) durch die ehrenamtliche Arbeit mit geflüchteten Menschen. Foto: pr

Seit sechs Jahren

Startschuss für ihr Engagement war die Eröffnung der  früheren Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in der ehemaligen Realschule Maria Ward am Eichstätter Residenzplatz im Herbst 2014. „Zum einen sah ich die Not sowie die beeindruckende Hilfsbereitschaft vieler für die Geflüchteten, zum anderen aber auch die Gelegenheit, meine Tätigkeit als Lehrerin neu aufleben zu lassen“, nennt sie zwei Gründe, weshalb sie aktiv wurde. Seitdem unterrichtet sie wöchentlich im Durchschnitt sechs bis sieben Stunden ehrenamtlich Asylbewerber in Deutsch. Neben ihren Einsätzen in Maria Ward engagierte sich Appelsmeier zweimal in der Sommerschule der Initiative „tun.starthilfe“ (siehe Kasten unten) an der Katholischen Uni, später noch für eine Gruppe im Kloster St. Walburg.

Aus diesen Engagements erwuchsen persönliche Beziehungen, die dazu führten, dass sie sich bis heute auch privat um Asylbewerber kümmert: Zur Überbrückung unterrichtete Appelsmeier die Mutter einer syrischen Familie, bis deren jüngstes Kind in den Kindergarten ging und sie selbst einen regulären Kurs beim Kolping-Bildungswerk beginnen konnte. Mit zwei afghanischen Jugendlichen, die zunächst alleine nach Deutschland geflüchtet waren, hat die Eichstätterin bis heute Kontakt: „Die waren sehr fleißig, und ich konnte beiden auch Praktika vermitteln, aus denen sie inzwischen in Lehrstellen übernommen wurden.“

 

Froh über Fortschritte

Mittlerweile konnten die Eltern dieser Familie, die in ihrer Heimat unter Gewalt und Verfolgung litt, nachziehen. „Die Mutter ist Analphabetin und lernt Lesen und dabei auch Deutsch, der Vater ist schon in der Lage, sich zu verständigen“, freut sich Appelsmeier über Fortschritte. In der Zeit des coronabedingten Kontaktverbots blieb die Verbindung über E-Mail aufrechterhalten: Der Mann schrieb Bildergeschichten, die ihm seine Lehrerin korrigiert zurückschickte. Appelsmeier fühlt sich vom Miteinander mit den Geflüchteten in ihrem Leben bereichert. Beeindruckt ist sie vor allem von der Höflichkeit und dem Respekt, die ihr bis heute viele entgegengebracht werden: „Das zeigt sich nicht nur bei Einladungen zum Essen oder zum Tee, sondern auch dadurch, dass mich nahezu alle mit ‚Frau Maria‘ ansprechen.“

Freilich gibt es bei ihrer freiwilligen Arbeit nicht nur Sonnenschein. Die Schicksale der Geflüchteten gehen der Ehrenamtlichen immer wieder unter die Haut. Bei besonderen Schwierigkeiten, zum Beispiel rechtlicher Art, wendet sie sich an die Flüchtlings- und Integrationsberatung der Caritas, „die ich bereits seinerzeit in Maria Ward schätzen lernte“. Die 70-Jährige möchte ihr Ehrenamt noch lange nicht an den Nagel hängen.

Peter Esser / Gabi Gess

 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

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