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01.11.2019

Die Angst vor Neuem ist überwunden „Kita Franken“ zieht nach knapp einem Jahr positive Bilanz / Entlastung für Kirchenverwaltungen

Früher war die Sache ganz einfach. Pfarrer und Kirchenverwaltung kümmerten sich sozusagen nebenher um die Verwaltung des Gemeindekindergartens. Beiträge einziehen, Personal suchen, Betreuung planen – das lasse sich weitgehend ehrenamtlich machen, hieß es lange Zeit. Heute sind die rechtlichen, organisatorischen und pädagogischen Anforderungen an Kindertagesstätten ganz andere. Ohne professionelles Management kommen die Träger nicht mehr aus.

Foto: Stuckenberg

In der Kindertagesstätte in Röttenbach-Mühlstetten stehen im Herbst so einige Laubarbeiten an. St. Martin ist eine von 22 Einrichtungen im „Kita Franken“-Verbund. Foto: Stuckenberg

„Erfolgsgeschichte“

Aus diesem Grund hat das Bistum Eichstätt, in dessen Pfarreien es immerhin 190 Kitas gibt, bereits vor einigen Jahren umgesteuert. 2013 wurde in Ingolstadt eine erste gemeinnützige Kita-Gesellschaft gegründet, um mehrere Einrichtungen verwaltungsmäßig zusammen-
zufassen und dadurch zu entlasten. Anfang diesen Jahres folgte die „Kita Franken“ für die Dekanate Roth-Schwabach und Nürnberg-Süd. Diese zog nun bei einer Veranstaltung in Schwabach, wo die gGmbH ihren Sitz hat, eine rundweg positive Bilanz. Ordinariatsrat Rainer Kastl, der den Verwaltungsrat des Zusammen-
schlusses leitet, sprach dabei von einer „Erfolgsgeschichte“. Dass das so gelingen würde, sei in dieser Weise nicht vorhersehbar gewesen. Auch Geschäftsführer Manuel Leisinger zeigte sich bei dem Treffen erfreut über die Entwicklung (siehe auch Interview S. 5). Knapp 2.000 Kinder, vom Säugling bis zum Elfjährigen, besuchen die 22 Einrichtungen, die zum Verbund gehören. Zu dessen Aufgaben zählt etwa die Einziehung der Beiträge, die Erstellung der Abrechnungen, die Beschaffung der benötigten Materialien, die Organisation der Verpflegung oder der Kontakt zu den jeweiligen Kommunen. 

Wichtig ist auch die Personalgewinnung – angesichts des leergefegten Markts bei Erziehern und Kinderpflegern vielleicht die größte Herausforderung. Und das, was den Pfarreien als bisherigen Trägern oft das meiste Kopfzerbrechen bereitete. Er und seine Kirchenverwaltung seien jetzt „von der Personalschiene weg“, sagt etwa der Schwabacher Stadtpfarrer Robert Schrollinger. „Wir haben keinen Tagesordnungspunkt Kita mehr in der Sitzung. Wir sind frei.“ In den drei katholischen Kitas der Stadt, die nun zur gGmbH gehören, kann sich der Geistliche ganz auf die Seelsorge konzentrieren. Auch Schrollingers Amtsbruder Michael Kneißl, leitender Pfarrer des Pfarrverbands Rednitzhembach-Wendelstein, ist durch den Trägerwechsel erleichtert. In den Sitzungen seien die drei Kitas des Pfarrverbands immer ein „ausladender Punkt“ gewesen.

Stark ist die Veränderung natürlich vor allem in den Einrichtungen selbst zu spüren. Von einer „Riesenerleichterung“ spricht die Leiterin des Kinderhauses in Schwanstetten, Anja Schramm, mit Blick auf den Wegfall der Buchführung. Gewöhnungsbedürftig sei zwar das festgelegte Budget für Ausgaben, „aber jeder Kindergarten behält seine eigene Organisation, und pädagogisch haben wir weiterhin unsere Freiheiten“. 

Das ist auch Birgit Stuckenberg wichtig, die die Kita St. Martin in Röttenbach-Mühlstetten leitet. Zwar werde es ein gemeinsames Leitbild geben, doch die Aussage sei, dass jeder Kindergarten so bleiben könne, wie er sei. „Für uns ist das freie Spielen eine ganz große Säule des Lernens“, sagt Stuckenberg. „Wir sehen uns als Unterstützer, damit die Kinder selbst die Welt erforschen können.“ Die Mühlstettener Kita-Leiterin ist froh über die Erleichterungen im Verwaltungsbereich, die die „Kita Franken“ für ihre Einrichtung mit sich gebracht hat – auch wenn zunächst Mehrarbeit entstanden sei, da alles gesichtet und der Stand in den Kitas erfasst werden musste.

„Jede Veränderung bringt Sorgen mit sich“, sagt Stuckenberg über die Einbindung der Kita-Eltern beim Trägerwechsel. „Jeder hat sich etwas vorgestellt, viele haben Angst vor Neuem.“ Nun aber hätten alle gemerkt, dass sich im Kindergarten selbst nichts ändere.

Gelobt wird allseits die kompetente und praxiserfahrene Art, wie das fünfköpfige gGmbH-Verwaltungsteam in Schwabach agiert. Neben Geschäftsführer Leisinger ist Stefan Hafner als Betriebsleiter tätig, hinzu kommen drei Frauen im Sekretariat, die zuvor in Kirchenstiftungen tätig waren. Auch die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Cornela Bechtner, betont das gute Verhältnis zum Dienstgeber, mit dem man über die anstehenden Fragen stets „auf Augenhöhe“ sprechen könne.

 

Startkapital vom Bistum

Seitens der Diözese hat die „Kita Franken“ eine beträchtliche Summe als Startkapital zur Verfügung gestellt bekommen. Überschüsse werden für Reparaturen und anderes zurückgelegt, alle Gebäude und Grundstücke gingen in Erbbaurecht für 30 Jahre an die gGmbH. Die einzelnen Kitas haben mit sämtlichen Finanzfragen nichts mehr zu tun, wie Danuta Waldau betont, die in der Eichstätter Bistumsverwaltung mit Rainer Kastl, der die Hauptabteilung I leitet und auch Personalchef des Bistums ist, für die Organisation der Kindertageseinrichtungen zuständig ist.

Beide bereiten zurzeit die Gründung einer weiteren Gesellschaft vor, für die Kindergärten in den Dekanaten Neumarkt und Habsberg (siehe Kasten S. 4). „Wenn alles schnurgerade läuft“, könne diese vielleicht im Jahr 2021 kommen, so Kastl. Er betont aber, dass die Entscheidung über einen Trägerwechsel stets bei der zuständigen Kirchenverwaltung liegt.

In St. Martin in Mühlstetten, der am südlichsten gelegenen Kita der Schwabacher gGmbH, freut sich Birgit Stuckenberg unterdessen über die besseren Arbeitsmöglichkeiten. Sie blickt zugleich mit Hochachtung auf die Arbeit des Kirchenvorstands für ihre Einrichtung zurück: „Die haben das toll gemacht, mit Engagement und Herzblut.“ Die Anforderungen aber hätten sich so verschärft, dass das weit über ehrenamtliches Engagement hinausgehe. Was die Kita-Leiterin nicht hinzufügen muss: Natürlich war es noch nie so, dass die Sache mit den Kitas ganz einfach war.

Bernd Buchner


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 47 vom 24. November 2019

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