Zum Inhalt springen
06.09.2019

Die Kirche im digitalen Wandel In der Diözese Eichstätt werden soziale Medien intensiv genutzt / Papst Franziskus als Vorreiter

Pünktlich zum 53. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am 8. September hat Papst Franziskus seine Botschaft dazu veröffentlicht. Ihr Tenor: Das Internet kann sowohl Chance als auch Gefahr sein – auf die jeweilige Nutzung kommt es an. Das Netz kann dazu dienen, Menschen zusammenzuführen und Wissen auszutauschen, ...

Die Internetseite des Bistums liefert Informationen zu zahlreichen Veranstaltungen in Pfarreien und Dekanaten der Diözese. Foto: Archiv

ebenso lässt es sich aber auch als Plattform missbrauchen, auf der durch gezielte Desinformation und Diskreditierung einzelne Interessen durchgesetzt werden (siehe auch S. 13).

Neben seinen 6,2 Millionen Abonnenten auf Instagram, einer Plattform, auf der man Fotos teilen und kommentieren kann, ist der Papst auch in anderen Netzwerken wie Facebook oder Twitter erfolgreich aktiv. Hier veröffentlicht er neben Bildern, die ihn meist bei Predigten oder auswärtigen Besuchen zeigen, auch Ausschnitte seiner Reden in neun verschiedenen Sprachen.

Die Chancen nutzen

Seinem Beispiel folgen katholische wie evangelische Kirche gleichermaßen, indem sie versuchen, die Chancen, die die Digitalisierung mit sich bringt, ihren Interessen gemäß zu nutzen. Ähnlich dem internationalen Nachrichtenportal Vatican News, das im Dezember 2017 seinen Vorgänger „Radio Vatikan“ ablöste, verwendet auch die Kirche in Deutschland verschiedene soziale Plattformen: Mit dem Internetportal katholisch.de informiert sie beispielsweise über aktuelle Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft. Hierfür arbeitet die Redaktion mit allen 27 Diözesen in Deutschland zusammen.

Als bundesweit wahrgenommenes Online-Medium hat sich das Kölner „domradio.de“ etabliert. Betont konservative Standpunkte vertritt hingegen die österreichische Internetplattform kath.net. An einem Blogger-Wettbewerb nahm dort jüngst auch die 14-jährige Katharina Höflmeier aus Aschbuch im Bistum Eichstätt teil und gewann mit einem Video zum Thema „Keine Angst vor Veränderungen“ – zu sehen auf kathtube.com – prompt einen Buchpreis.

Gottesdienste, die gefilmt und als Livestream im Internet übertragen werden, ein digitaler Adventskalender, Blogs von Pfarrern, die einen Einblick in ihren Alltag gewähren sollen: Richtig angewandt, kann die Nutzung sozialer Netzwerke durchaus gewinnbringend sein: Internetplattformen wie Facebook geben einem Pfarrer die Möglichkeit, junge kirchenferne Menschen zu erreichen und eventuell ihr Interesse an kirchlichen Aktivitäten zu wecken. Gleichzeitig können alte, kranke oder weit entfernt wohnende Menschen das Programm ihrer Pfarrei verfolgen – vorausgesetzt, sie verfügen über ein gewisses Maß an Medienkompetenz. Per Smartphone oder Laptop können die Pfarreimitglieder von zu Hause oder unterwegs bequem an den religiösen Angeboten teilnehmen.

Im Umgang mit sozialen Medien kann die Diözese Eichstätt mehrere Benutzerkonten, sogenannte Accounts, vorweisen: Neben Profilen auf Facebook, Instagram und Twitter verfügt die Stabsstelle für Medien und Öffentlichkeitsarbeit über den Blog „weitblick“ sowie einen YouTube-Kanal, auf dem sie regelmäßig Videos veröffentlicht. Auf den Accounts finden sich Informationen und Bilder über vergangene oder noch ausstehende Veranstaltungen in der Diözese. Nutzer können sie kommentieren, favorisieren und teilen.@HerzJesuIN – so lautet der Name des Twitter-Accounts, auf dem Kirchenverwaltungsmitglied Sebastian Wild seit 2014 die Aktivitäten  in der Ingolstädter Pfarrei Herz Jesu dokumentiert. Auch die Katholische Jugendstelle des Dekanats Herrieden pflegt neben der mittlerweile obligatorischen Facebook-Seite ein besonderes Angebot: Auf dem Instagram-Profil der Jugendstelle veröffentlicht Jugendreferentin Nadine Bauer Bilder, die den fast 500 Abonnenten einen Einblick in das Programm geben – einen Gottesdienst unter freiem Himmel mitten in den Schweizer Bergen zum Beispiel oder Schnappschüsse von einerWasserschlacht im Zeltlager.

Wunsch nach mehr

Seitdem die Jugendreferentin den Account Anfang 2017 erstellte, um „den Glauben in die Welt hinauszutragen“, erhalte sie durchweg positives Feedback, so Bauer. Inzwischen werde sie sogar oftmals von Jugendlichen angesprochen, die sich mehr Beiträge wünschten. 

Bei der Frage, ob und inwieweit die Kirche soziale Netzwerke verwenden sollte, stößt man allerdings auch auf zahlreiche Kritiker. Sie befürchten unter anderem, dass das Zwischenmenschliche bei all der digitalen Kommunikation auf der Strecke bleiben könnte und eine „seelenlose“ Atmosphäre an ihre Stelle tritt – lebt das Gemeinschaftsgefühl im Gottesdienst doch stark von nonverbalen Signalen wie Mimik und Gestik. Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass sich die Kirche mit der Digitalisierung in jedem Fall auseinandersetzen muss, um den Anschluss nicht zu verpassen. Organisationen wie die Caritas oder Misereor haben die sozialen Netzwerke längst für sich entdeckt und nutzen diese, um über ihre Aktionen zu informieren oder auf Missstände aufmerksam zu machen.

Cara Stibolitzki/bb


Beitrag als PDF

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 37 vom 15. September 2019

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise (ab Jan. 2018): Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,50 € (6,35 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 8,25 €; Einzelnummer 1,80 €.