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26.04.2019

Drittklässler in besonderer Mission Manche Pfarreien bieten Erstkommunionkindern an, in den Ministrantendienst hineinzuschnuppern

Im Kreis aktiver Ministrantinnen und Ministranten den Eichstätter Bischof in die Pfarrkirche St. Stephanus in Dietkirchen zu begleiten, das fand Raphael Nutz „schon a bisserl aufregend“. Zumal es für den Drittklässler aus dem Filialort Habertshofen eine vorgezogene Premiere war. Noch bevor er in diesen Tagen erstmals an den Tisch des Herrn geht, durften er und zwei weitere Kommunionkinder aus Anlass des bischöflichen Besuchs ...

Foto: Mikulasch

Stolz wie Oskar: Kommunionkind Raphael (vorne, r.) durfte als einer von drei „Schnupper-Minis“ zum Pontifkalgottesdienst mit Bischof Gregor Maria Hanke in Dietkirchen. Mit ihm freuten sich Pfarrer Thomas Eholzer (r. ) und Gemeindereferent Peter Denk (l.). Foto: Mikulasch

... in den Altardienst hineinschnuppern. Er will Ministrant werden, so wie sein älterer Bruder Benedikt. „Der hat vor zwei Jahren ganz von sich aus beschlossen, dass er ministrieren möchte“, erzählt Mutter Daniela Nutz, „die gemeinsamen Ausflüge, die Gruppenstunden, sowas zieht schon.“

„Der klassische Weg“

Darauf setzt auch Ortspfarrer Thomas Eholzer: Neben der religiösen Erfahrung zähle im Mini-
strantendienst auch die Erfahrung von Gemein-
schaft, die gemeinsamen Freizeitaktivitäten. „Man muss sich Zeit nehmen für die Ministran-
ten. Zum Beispiel mit ihnen Kegeln gehen. Da können ruhig auch die Eltern mitkommen.“ Nur Flyer mit Angeboten für Kinder und Jugendliche aus-
zulegen und auf Rückmeldungen zu warten, „das funktioniert nicht“, ist der Pfarrer überzeugt. Es sei wichtig, die Kinder persönlich kennenzulernen, „das zahlt sich aus“.

Eholzer hat selbst viele Jahre ministriert, bis zu seiner Diakonenweihe. Auch seine Diplomarbeit in Liturgiewissenschaft hat er diesem Thema gewidmet: „Der Dienst der Ministranten als Chance für eine Hinführung von Kindern und Jugendlichen zum aktiven Mitvollzug der Liturgie“. Unter seinen Erstkom-
munionkindern, die er auch im Religionsunterricht in der Schule trifft, macht der Geistliche immer wieder Werbung für den Mini-Dienst. Bei manchen Kindern, die gerne dabei wären, bremsen jedoch die Eltern. Schließlich schränkt der regelmäßige Ministrantendienst die Flexibilität in Sachen Freizeitgestaltung ein. Oder die Eltern haben Angst, ihr Kind werde durch die regelmäßigen Termine überfordert. „Und sagen dann schon mal Nein“, stellt Eholzer fest. Von denjenigen aber, die es probieren mit dem Mini-Dasein, „da bleiben die allermeisten dabei“, freut sich der Pfarrer. Zunächst dürfen die Mädchen und Buben noch ein paar Monate ohne Verpflichtung mitmachen, ehe sie fest aufgenommen werden in den Kreis der Ministranten. Diese haben in Dietkirchen in der Regel jeden zweiten Sonntag Dienst. „Manche kommen aber auch dann, wenn sie nicht auf dem Plan stehen“, beobachtet Eholzer.

Musik und Wallfahrt

Dass nach der Erstkommunion nicht alles vorbei ist, dass Kinder ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Gemeinde entwickeln, dazu sei der Ministrantendienst noch immer der klassische Weg, findet auch Gemeindereferent Peter Denk, der in Dietkirchen und im ganzen Pfarrverband Pilsach-Oberwiesenacker zuständig ist für die Erstkommunion- und Firmvorbereitung. Aber auch musikalische Angebote wie etwa ein Kinderchor-Projekt seien eine gute Möglichkeit, den Weg in und mit der Pfarrei weiter zu gehen. Er probiere vieles aus, „um an die anzuknüpfen“, berichtet Denk. Das bleibt nicht ohne Resonanz: Aus dem Elternkreis sei nun die Anregung gekommen, „ob wir nicht einmal eine Kinderwallfahrt zum Habsberg machen könnten“.

In manchen Pfarreien bringen sich die aktiven Ministranten selbst bei den Kommunionkindern ins Gespräch, so etwa in Ingolstadt/St. Pius. Sie freuten sich immer auf neue Leute, die bei ihnen mitmachen wollen, schreiben die Ministranten auf der Internetseite der Pfarrei. Darüber hinaus bekommen sie schon vor der Erstkommunion Gelegenheit, die Kinder persönlich anzusprechen: Ministranten und Pfadfinder, die beiden großen kirchlichen Jugendgruppen in St. Pius, sind von Anfang an in die Sakramenten-
vorbereitung mit eingebunden. „Wir fangen immer im Oktober mit einem Elternabend an“, informiert Gemeindereferentin Simone Lehrer. Kurz darauf kommen dann schon die Pfadfinder ins Spiel und gestalten den Spiel- und Kennlerntag für die Kommunionkinder mit. Es folgen vier Projekttage, bei denen die Pfadfinder und die Minis jeweils ausführlich Gelegenheit haben, sich und ihre Arbeit vorzustellen. In Sachen Nachwuchs, „da sind die Kommunionkinder erster Anwärter“, weiß Felicitas Löhlein, Ober-
ministrantin in St. Pius und Vorstandsmitglied im Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Dekanat Ingolstadt. „Sehr, sehr schön“, findet sie es, wenn nicht nur Kinder Interesse zeigen, die mit ihren Eltern schon seit Jahren regelmäßig zum Gottesdienst kommen, sondern auch „ganz neue Gesichter“.

Ausprobieren erlaubt

In diesem Jahr wird in der Pfarrei St. Pius erstmals ein „Schnupper-Ministrieren“ angeboten: Im Lauf der vergangenen Wochen konnten die Kinder den Dienst unverbindlich ausprobieren und durften auch schon einige Aufgaben übernehmen. Die sechs teilnehmenden Mädchen seien ganz begeistert, erzählt Löhlein. 

Eines von ihnen hat der Gemeindereferentin erklärt, worauf sie sich beim Ministrieren ganz besonders freut: Dass sie bei einer Taufe einmal ganz nah dabei sein kann. Samira, eine weitere Schnupper-
ministrantin, war bei ihrem letzten Einsatz nicht nur stolz, einen Leuchter tragen zu dürfen, sondern ganz allgemein, „dass ich der Kirche helfen konnte“. „Meine Tochter findet das Ministrieren super“, erzählt Samiras Mutter Hallahassan. Die mit einem Katholiken verheiratete Muslimin hat die Erstkommunion-
vorbereitung ihrer Ältesten mit viel Anteilnahme verfolgt, und ihr ist dabei klar geworden, „dass das echt etwa Wichtiges für die Kirche ist“. Überhaupt, sagt sie, „interessiert mich das schon, welche anderen Wege zu Gott es noch gibt“.

Neulich hat Samiras Mutter im Einkaufszentrum Westpark zufällig an einem Stand mit Erstkommunion-Geschenken die Gemeindereferentin von St. Pius getroffen. Prompt nutzte sie die Gelegenheit und erkundigte sich, warum auf Grußkarten zur Erstkommunion oft ein Fisch abgebildet ist. Simone Lehrer freut sich über dieses Interesse. Und sie signalisiert Kindern undEltern, dass sie auch nach der Erstkommunion als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht: Schließlich sei mit dem Fest „nicht alles vorbei“. 

Gabi Gess

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 20 vom 19. Mai 2019

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