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16.12.2020

Eichstätts erste Ordinariatsrätin / Barbara Bagorski geht in Ruhestand / Von Frauenseelsorge zu pastoraler Gesamtverantwortung

Das Gebäude, das über den Innenhof der Eichstätter Benediktinerinnenabtei St. Walburg zu erreichen ist, kennen Frauen aus dem ganzen Bistum. Beim Walburgafest werden sie dort vom Frauenbund mit Kaffee und Kuchen bewirtet, immer wieder gab es auch Ausstellungen in Zusammenarbeit mit der Frauenseelsorge. Deren Gesicht war viele Jahre Barbara Bagorski, ehe sie 2014 zur Ordinariatsrätin aufstieg.

Zunächst leitete sie die Hauptabteilung Diakonale Dienste/Apostolat, später dann auch die Hauptabteilung Pastoral und schließlich die aus beiden Bereichen neu gebildete Hauptabteilung 3 „Pastorale Dienste“. Diese bezog unlängst Räumlichkeiten am Walburgiberg. Die Chefin hat ihr Büro jetzt dort, wo sie früher am Walburgatag mit Frauen ins Gespräch kam. Doch kann sie den idyllischen Ausblick auf den Klostergarten nur kurz genießen: Zum 31. Dezember geht Bagorski nach 32-jährigem Dienst für die Diözese in Ruhestand. 

Vernetzen und bestärken

Bei der Einweihung der neuen Räume hatte sie Papst Franziskus zitiert: „Die Kirche ist kein Käfig für den Heiligen Geist, er will fliegen und wirken“. Dass er dies tut, dafür schaffe die räumliche Nähe, in der verschiedene Abteilungen nun unter einem Dach zusammenarbeiten, günstige Voraussetzungen, meint Bagorski und hofft, „dass dabei ganz neue Ideen entstehen“. Sich vernetzen, sich gegenseitig bestärken und Fähigkeiten und Qualifikationen gewinnbringend austauschen, das sei ihr nicht erst in leitender Funktion, sondern schon als Frauenseelsorge-Referentin wichtig gewesen, betont die Ordinariatsrätin: „Und es wird in Zukunft noch wichtiger werden, dass nicht referatsgebunden, sondern themengebunden gearbeitet wird.“ Dass es in der Begegnung und Arbeit mit Menschen in allen Lebenslagen auch gelinge, „einen geistlichen Akzent zu setzen, mit dem wir uns vom Angebot XY unterscheiden“. 

Ihren hauptamtlichen Weg in der Kirche begann sie im Erzbistum Bamberg. Bereits während des Theologiestudiums sei ihr Herz „in Richtung Unterricht gegangen“ erzählt sie. Deshalb arbeitete sie mehrere Jahre lang als Religionslehrerin in weiterführenden Schulen. Parallel dazu engagierte sie sich ehrenamtlich in ihrer Pfarrei. Wären da nicht gleich sechs verschiedene Schul-Einsatzorte gewesen, zwischen denen sie ständig pendeln musste, hätte sie wohl nicht über Veränderung nachgedacht. So aber fiel der Blick der damals 34-Jährigen auf die Stellenanzeige aus der Nachbardiözese Eichstätt, die eine Frauenseelsorge-Referentin suchte. Noch gut erinnert sie sich daran, wie sie sich gleich nach dem Bewerbungsgespräch den ehrwürdigen Mitgliedern der Ordinariatskonferenz vorstellen sollte. Die Begegnung mit diesem Gremium sei damals „sehr ungewohnt und beeindruckend“ gewesen, schmunzelt sie im Rückblick. 

Ihren neuen Wirkungskreis erschloss sie sich durch Besuche bei kirchlichen Frauenkreisen im ganzen Bistum, vor allem bei den nicht verbandlich organisierten. Über die Jahre baute sie regionale Strukturen auf. Wallfahrten, Vortragsabende, Exerzitien – es waren mindestens 50 Außentermine, die sie pro Jahr zu absolvieren hatte, schätzt Bagorski. Weil die meisten im Winter stattfanden, waren die Anfahrten mitunter abenteuerlich. Dafür fand sie aufgeschlossene Teilnehmerinnen vor. „Wir machen was und wir lassen uns nicht entmutigen“, diese Einstellung sei bei den Treffen herauszuhören gewesen. Auch die Frage nach Amt und Weihe für Frauen hätten ihre Gesprächspartnerinnen schon früh thematisiert, jedoch „ohne sich daran festzuklammern“ und ohne davon ihr weiteres Engagement in der Kirche abhängig zu machen. 

Theologin Bagorski war in die Gestaltung des Jubiläums „1.250 Jahre Bistum Eichstätt“ (1995) ebenso eingebunden wie in die jährlichen Willibaldswochen. Auch überdiözesan engagierte sie sich. So war sie von 2004-17 Vorsitzende der „Frauenseelsorge in den deutschen Diözesen“, Trägerverein der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz. Sie übernahm auch die Leitung der diözesanen Arbeitsgruppe Geschlechtergerechtigkeit, die 2013 von der Bistumsleitung eingesetzt wurde. Erklärtes Ziel war es, mehr Frauen in verantwortliche Positionen in Haupt- und Ehrenamt zu bringen und zugleich darauf zu achten, dass die Rahmenbedingungen dies zulassen. Bagorski hatte aber schon bei Amtsantritt deutlich gemacht, dass sie keine Freundin der Quote sei, sondern dass Qualifikation das A und O bleiben müsse. „Quotenfrau“, dieses Wort mag sie nicht. Vorzeigefrau? Auch da schüttelt Bagorski den Kopf, obwohl sie 2014 als erste Frau im Bistum zur Ordinariatsrätin ernannt wurde und dies mehrere Jahre lang blieb. Auf Bayernebene war sie in dieser Funktion ebenfalls zunächst eine Exotin. Bei Pastoralkonferenzen auf Bundesebene allerdings, „war ich eine unter vielen“. 

Zur rechten Zeit Als Hauptabteilungsleiterin stand Bagorski bei der pastoralen Planung jetzt in der vordersten Reihe, war in Entscheidungen einbezogen. Seit 2014 war sie auch Geschäftsführerin der Bischöflichen Frauenkommission, die den Oberhirten in Sachen geschlechtersensible Pastoral beraten soll.

Zuletzt gab es drei Ordinariatsrätinnen im Bistum Eichstätt. Durch Stellenwechsel (Prof. Barbara Staudigl, die KiZ berichtete) und Ruhestand entstehen jetzt gleich zwei Lücken. Bagorski hofft, dass das nicht so bleibt. „Finanzdirektorin“, schlägt sie vor, „das wär’ mal eine Option“. Ihr eigener Nachfolger stehe jetzt vor der großen Herausforderung,  „die pastoralen Räume zum Engagement zu ermutigen“. Die Corona-Pandemie sei der Anstoß schlechthin, um „anstehende Veränderungen in Schwung zu bringen“. Insofern komme der Wechsel genau zur richtigen Zeit. Als Neu-Ruheständlerin möchte sich Bagorski weiterhin in den diözesanen Gesprächskreis Christentum-Judentum einbringen. Auch als Referentin ist sie weiterhin gefragt. So ist sie etwa im Januar mit einem Vortrag über „Jesus und die Frauen“ bei der KAB in Nürnberg-Moorenbrunn angekündigt. Dass vor ihrem Namen dann nicht mehr „Ordinariatsrätin“ steht, lässt sie kalt: „Ich häng’ nicht an Titeln.“ 

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 4 vom 24.1.2021

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