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14.09.2018

„Ein Ereignis von Kirchesein“

Die Niederbronner Schwestern im Bistum nehmen Anteil an der Seligsprechung ihrer Gründerin. Wir sind alle noch ganz bewegt“, sagte die ehemalige Ordensreferentin des Bistums Eichstätt, Schwester Cornelia Böhm, wenige Stunden nach ihrer Rückkehr aus Straßburg. Dort war Mutter Alfons Maria Eppinger selig gesprochen worden.

Kirchenzeitung des Bistums Eichstätt

Public Viewing gibt es nicht nur im Fußball. Im Berchinger Caritas-Seniorenheim verfolgten Ordensschwestern und Bewohner die Übertragung der Seligsprechungsfeier in Straßburg. Foto: Binder

Sie ist die Begründerin der Schwestern vom Göttlichen Erlöser, besser bekannt als Niederbronner Schwestern. Dieser Ordensgemeinschaft gehört auch Böhm an. Während viele, zumeist betagte Mitschwestern, den feierlichen Gottesdienst von daheim aus auf der Leinwand verfolgten, fuhr sie mit einer kleinen Gruppe Neumarkter und Berchinger Schwestern nach Nürnberg zum Provinzialat der Niederbronner Schwestern, von wo aus ein voll besetzter Doppeldeckerbus nach Straßburg startete. Mit an Bord waren auch Berchings Stadtpfarrer, Dekan Artur Wechsler, Spiritual i. R. Pius Schmidt und Monsignore Erwin Albrecht.

Aufgehört zu zählen

Die Kathedrale von Straßburg mit ihren 1.500 Sitz- und vielen weiteren Stehplätzen habe längst nicht alle Gläubigen gefasst, die die Seligsprechung mitfeiern wollten, erzählt Böhm. Viele hätten das Ereignis deshalb auf einer Großleinwand am Vorplatz des Gotteshauses verfolgt. Als die Zelebranten einzogen, „habe ich irgendwann mit dem Zählen aufgehört“, berichtet Böhm. Später hörte sie, dass es über 180 Priester waren. Wunderschön und stimmig sei die Feier gewesen, festlich und schlicht zugleich: „Es hat zu unserer Stifterin gepasst“. Der Gottesdienst habe nicht deren Glorifizierung gedient, sondern deutlich gemacht, woraus Eppinger ihre Kraft geschöpft habe.

Aus den Niederbronner Schwestern gingen zwei weitere, weltweit verbreitete Kongregationen hervor. Dass die Generaloberinnen der drei verwandten Gemeinschaften bei der Seligsprechung gemeinsam das Bild ihrer Gründerin enthüllten, dass das „Großer Gott, wir loben dich“ in vielen Sprachen erklang, das habe sie mit tiefer Freude erfüllt, meint Böhm: „Es war ein Ereignis von Kirchesein.“ Aber auch eine Botschaft an die Politik sei von dem Gottesdienst in Straßburg, dem Herzen Europas, ausgegangen: In der Predigt von Kardinal Angelo Becciu sei der eindringliche Appell an den europäischen Kontinent ergangen, nicht dem Egoismus zu verfallen und sich in sich selbst zurückzuziehen. „Das hat mir sehr gut gefallen“, so Böhm.

Glücklich war die Neumarkter Ordensfrau, die 25 Jahre lang Junioratsleiterin ihrer Gemeinschaft war, auch über die Begegnung mit Mitschwestern, „die ich schon jahrzehntelang nicht mehr gesehen hatte“. Beeindruckt war sie, dass unter den Gottesdienstbesuchern auch entfernte Verwandte der neuen Seligen waren. Diese war am 9. September 1814 als erstes von elf Kindern in einer Bauernfamilie in Bad Niederbronn im Elsass zur Welt gekommen.

Dass die Pressestelle des Bistums Eichstätt die Seligsprechung live im Internet übertrug, „dafür sind wir sehr dankbar“, lobt Schwester Cornelia. So konnten auch Ordensfrauen, denen die Tagesfahrt nach Straßburg zu beschwerlich war, die Feier mitverfolgen. Im Berchinger Caritas-Seniorenheim, wo es noch einen Konvent von zehn Niederbronner Schwestern gibt, hatte Heimleiter Gerhard Binder zur gut zweistündigen Übertragung auch interessierte Heimbewohner in den Speisesaal eingeladen. Oberin Schwester Brunhilde Hanrieder, die wiederholt das Geburtshaus Eppingers besucht hat, kündigte außerdem einen Dankgottesdienst für die Seligsprechung an.

Auch in Ingolstadt/St. Pius, wo noch vier Niederbronner Schwestern leben, sich im Caritas-Seniorenheim St. Pius um ältere Menschen kümmern und viele Dienste in der Pfarrei übernehmen, wurde Anteil an der  Seligsprechung genommen. Alle Ordensfrauen waren aus Altersgründen daheim geblieben. „Es war uns zu anstrengend“, meint Oberin Schwester Engelbertis Seidl, 81. Stattdessen gab es am Seligsprechungstag eine feierliche Vesper. „Am 15. September ist dann in unserer Pfarrkirche St. Pius ein feierlicher Gottesdienst“, kündigte die Oberin an. Im Vorfeld der Seligsprechung hatte  Radio K1-Reporter Bernhard Löhlein das Schwesternquartett besucht und erfahren, dass sie „jahrelang gebibbert“ haben, dass der große Tag kommt.

Die Niederbronner Schwestern in Nürnberg feiern die Seligsprechung ihrer Gründerin am 16. September in der Kirche Allerheiligen in Nürnberg-Schoppershof.

gg/red Kirchenzeitung Nr. 37 vom 16. September 2018

Das Interview mit den Niederbronner Schwestern aus Ingolstadt gibt es unter „www.bistum-eichstaett.de/radiok1/“.

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 46 vom 18.11.2018

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