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17.01.2020

Ein Kraftakt für den Urvogel Jura-Museum nach einjähriger Schließung wieder zugänglich / Weiter in kirchlicher Trägerschaft

Der Archaeopteryx ist zurück“ – unter diesem Leitwort ist das Eichstätter Jura-Museum wieder eröffnet worden. Allzu viel hat sich in dem einen Jahr nicht verändert, als das Haus auf der Eichstätter Willibaldsburg geschlossen war. Einige Beschriftungen wurden erneuert sowie Maßnahmen zu Betriebssicherheit und Brandschutz durchgeführt. Auch das Aquarium wurde renoviert.

Foto: upd/Klenk

Freude über die Wiedereröffnung: (v. l.) KU-Stiftungsratschef DDr. Peter Beer, Prof. Dr. Gerhard, Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen, Unipräsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien, die designierte Museumsdirektorin Dr. Christina Ifrim, Geschäftsführerin Dr. Stephanie Armer und Ministerialdirigent Dr. Rolf-Dieter Jungk Foto: upd/Klenk

Im Zuge der laufenden Burgsanierung dürfte das Museum in den nächsten Monaten und Jahren indes ebenfalls grunderneuert werden.

So lange aber wollte die Stiftung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) nicht warten und dem Publikum die Exemplare des Archaeopteryx sowie die weiteren rund 450 Exponate des Museums vorenthalten. Die Stiftung hatte die Trägerschaft Mitte 2019 vom Eichstätter Priesterseminar übernommen. Zur „Zwischenöffnung“, wie KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien sagte, erlebte das Jura-Museum einen wahren Gästeansturm – für die rund 200 geladenen Besucher des Festakts waren 80 Plätze deutlich zu wenig.

„Wir möchten das Museum und die Universität näher zusammenrücken lassen und als Brücke in die Gesellschaft und Wissenschaft hinein gestalten“, sagte Gien in ihrer Ansprache. Von der Theologie über Archäologie und Geografie bis zu ästhetischer Bildung und Didaktik böten sich Anknüpfungspunkte (siehe auch Beitrag unten). Die KU-Präsidentin sprach von einem „Kraftakt“, mit dem die Zukunft des Jura-Museums gesichert worden sei. Das 1976 gegründete Haus, eines der am schönsten gelegenen Naturkundemuseen Europas, hatte zuletzt einen Besucherrückgang auf jährlich 42.000 zu verzeichnen. Man werde weiter auf Freunde und Förderer angewiesen sein, sagte Gien – und freute sich über bereits gegebene Zusagen.

Ministerialdirektor Dr. Rolf-Dieter Jungk vom bayerischen Wissenschaftsministerium, das entscheidend am Trägerwechsel mitwirkte, betonte, die Willibaldsburg behalte mit dem Museum einen ihrer Hauptanziehungspunkte. „Die Ungewissheit hat ein Ende“, so der Amtschef. Nun könne wieder eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Fossilien besichtigt werden. Das Haus sei auf einem „hervorragenden Kurs“.

Domkapitular Michael Wohner, Regens des Priesterseminars Collegium Willibaldinum, zeigte sich als künftiger Leihgeber der Exponate erleichtert über die gefundene Lösung: „Wir werden das Haus im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter unterstützen.“ KU-Stiftungsratsvorsitzender DDr. Peter Beer sprach mit Blick auf das Jura-Museum von einem guten Zeichen, dass die Kirche in der Welt etwas bewirken und sich der wissenschaftliche Diskussion stellen wolle. Die Beschäftigung mit der Schöpfung führe auch zu Sinnfragen, so der Theologe und vormalige Münchner Generalvikar: „Das Museum ist für uns als Träger ein Gewinn und eine Chance, um Menschen zusammenzuführen.“

 

Designierte Leiterin

Als künftige wissenschaftliche Leiterin des Jura-Museums stellte sich Privatdozentin Dr. Christina Ifrim vor. Die Geologin war bisher Mitarbeiterin einer Forschungsgruppe am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg. Profiliert ist sie als Forscherin an Plattenkalken als Fossillagerstätten in Mexiko. Ifrim werde an die langjährige Tradition des Jura-Museums anknüpfen und gleichzeitig innovative Konzepte auf den Weg bringen, um die Bestände einem breiten Publikum näherzubringen, unterstrich Gien bei der Vorstellung der designierten Museumschefin. Ifrim selbst betonte, sie wolle im Museum künftig „Wissenschaft erlebbar machen“. Als Geschäftsführerin des Hauses hat die Historikerin Dr. Stephanie Armer ihre Arbeit aufgenommen.

Im Rahmen des Festakts präsentierte Prof. Dr. Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie „Neues von Archaeopteryx & Co.“. Er verwies unter anderem darauf, dass das Aussterben von Tieren viele Jahrhunderte lang als ein häretischer Gedanke gegolten habe, da die Menschen davon ausgingen, dass Gottes Schöpfung perfekt geschaffen worden sei. Stimmungsvoll wurde die Wiedereröffnung von KU-Musikpädagogen auf Litophonen begleitet, das sind mit Klöppeln bespielbare Klangsteine. Der Präsident der Paläontologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Hans Kerp, enthüllte das Fossil des Jahres 2020 (siehe Titelbild). Es ist, mehr oder weniger überraschend, der Archaeopteryx. 

Bernd Buchner/upd

Näheres im Internet unter www.jura-museum.de


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 23.02.2020

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