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26.10.2018

Ein Reformer, der Wunder wirkte

Der Jesuit Jakob Rem prägte das Glaubensleben im Bistum / Seligsprechungsverfahren läuft. Sicher nicht im Sinne des heutigen Starkults“, darauf macht Bischof Gregor Maria Hanke aufmerksam, werde Jakob Rem heute verehrt. Der Jesuit Rem (1546-1618), Jugenderzieher, Marienverehrer und laut Zeitgenossen ein Mann von höchster Tugend, sei ein „Geschenk des Himmels in einem schwierigen Moment für die Kirche gewesen“.

 

Foto: Buchner

Bischof Gregor Maria Hanke (sitzend, 2. v. l.) bei der Tagung „Heilige – Stars der Kirche oder verrückte Idealisten“ in Ingolstadt, organisiert von der Katholischen Akademie in Bayern und vom Eichstätter Diözesanbildungswerk. Foto: Buchner

Hanke attestiert dem vor 400 Jahren gestorbenen Geistlichen herausragendes Einfühlungsvermögen und Gespür für Menschen: „Er war ein Vorbild.“

Der Bischof spricht bei einer Abendveranstaltung in Ingolstadt aus Anlass des Todestags: „Heilige – Stars der Kirche oder verrückte Idealisten?“ Rem war keines von beiden, aber womöglich wird er bald seliggesprochen. Das Verfahren ist vor acht Jahren wieder aufgenommen worden und, wie Hanke am Rande der Veranstaltung der Kirchenzeitung verrät, „weit fortgeschritten“. War dieser Jakob Rem ein Heiliger? „Das offizielle Urteil steht noch aus. Es wird noch eine Zeit lang dauern.“

Bei dem Kolloquium skizziert der Bischof den Werdegang des Paters, der als Vertreter der zweiten Jesuitengeneration maßgeblichen Anteil an der Verwirklichung der katholischen Reform im Sinne des Trienter Konzils hatte und sich besondere Verdienste um die geistliche Erziehungsarbeit in der Diözese Eichstätt erwarb. Mehr als drei Jahrzehnte wirkte Rem in Ingolstadt, wo er Subregens, Leiter des Konvikts und Studierendenseelsorger war. Der spätere Kurfürst Maximilian von Bayern gehörte zu seinen Schülern. Zuvor hatte der gebürtige Bregenzer Rem, der zehnjährig mit seiner Familie nach Kißlegg ins Allgäu kam, an der Jesuitenuniversität Dillingen studiert. Petrus Canisius, berühmter Jesuit und „zweiter Apostel Deutschlands“, wurde dort auf ihn aufmerksam.

Nicht nur außergewöhnliche Menschenkenntnis und pädagogisches Gespür, auch Selbstdistanz und Bescheidenheit hätten Rem zu einem „begnadeten Erzieher“ werden lassen, hob Hanke hervor: „Er hat es offensichtlich vielfach geschafft, in seinen Schülern das Feuer des Glaubens zu entfachen.“ Die Arbeit mit jungen Leuten bindet der Jesuitenpater mit einer tiefen Verehrung für die „Erzieherin schlechthin“, die Gottesmutter. Er wird zu einem Architekten der Marianischen Kongregationen in Süddeutschland, einer typischen Erscheinung der katholischen Reform, zu deren Ausdrucksmitteln die Heiligung des Alltags gehört.

Der heilige Moment 

Und dann, mitten im Alltag, erlebt Rem selbst einen heiligen Moment: Am 6. April 1604 soll er beim Gebet im Ingolstädter Jesuitenkonvikt emporgehoben und für einen Augenblick die Muttergottes geschaut haben. Maria offenbarte ihm dabei, dass ihr die Anrufung „Wunderbare Mutter“ besonders angenehm sei. Rem ließ die Anrufung daraufhin noch zwei Mal wiederholen. Bis heute wird im Liebfrauenmünster das Gnadenbild „Dreimal Wunderbare Mutter“, die Kopie eines berühmten Bildes in Rom, besonders verehrt.

„Eine offizielle kirchliche Bewertung des Ereignisses gibt es nicht“, sagt Bischof Hanke vorsichtig. Doch im Seligsprechungsverfahren wird Rems Erfahrung sicher eine Rolle spielen. Der Prozess lief bereits von 1932-1949, im Jahr 2010 nahm die Diözese die Sache im Auftrag des Jesuitenordens wieder in Angriff. Kurz zuvor war der Gedenktag der Dreimal Wunderbaren Mutter bereits auf das ganze Bistum ausgeweitet worden. Wie lange das Verfahren noch dauert, ist ungewiss. Zurzeit wartet man auf den Befund einer Historikerkommission, die von dem Kirchenhistoriker Prof. em. Dr. Ernst Reiter geleitet wird. Das Gremium soll nach den Worten von Domdekan Monsignore Dr. Stefan Killermann feststellen, wie intensiv die Verehrung Rems im Bistum in der Vergangenheit war und gegenwärtig ist. Killermann ist als Offizial des Bistums Leiter einer dreiköpfigen Seligsprechungskommission. Die Verehrung ist ein wichtiger Gesichtspunkt bei einer möglichen Beatifikation; ebenso wie der sogenannte heroische Tugendgrad – also die Frage, ob Rem die christlichen Tugenden in besonders hohem Maße gelebt hat. 

Ob man dem Jesuiten, der erzieherische Wunder wirkte, ein tatsächliches Wunder zuspricht, ist eine weitere Frage. Augenzwinkernd äußerte Bischof Hanke dazu in Ingolstadt, ein maßgeblich an dem Verfahren beteiligter Fachmann habe ihm gesagt: „Sie kennen doch die Vita von Rem. Er war ein äußerst demütiger Jesuit. Er hat niemals etwas gegen seine Vorgesetzten getan. Wir werden bis in Ewigkeit auf ein Wunder von ihm warten. Von selber wird er keines wirken. Sie müssen an sein Grab gehen und ihm befehlen, selbiges zu tun.“ Das habe er, Hanke, bisher nicht getan. 

Bernd Buchner, Kirchenzeitung Nr. 43 vom 28. Oktober 2018

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Bernd Buchner, Kirchenzeitung Nr. 43 vom 28. Oktober 2018

 

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 46 vom 18.11.2018

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