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24.02.2021

„Es braucht einen stärkeren Hebel“ Weg zu Klimaneutralität soll im Bistum Querschnittsaufgabe werden / Befragung ab Frühjahr

Das ökologische Anliegen ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“. Mit diesem Satz unterstreicht Bischof Gregor Maria Hanke die Berechtigung und Bedeutung der Klimaoffensive 2030plus (siehe KiZ Nr. 9), die an eine bereits Anfang 2013 im Bistum gestartete Initiative anknüpft und die Messlatte nochmals deutlich erhöht. War damals eine Kohlendioxid-Reduzierung um 50 Prozent bis zum Jahr 2030 angepeilt worden, so ist nun nicht weniger als Klimaneutralität das Ziel.

 

„Runter mit den CO2- Emissionen!“ für das Bistum Eichstätt

„Runter mit den CO2-Emissionen!“, lautet die Devise für das Bistum Eichstätt. Foto: pde/Hoffmann

„50 Prozent, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, findet die Nachhaltigkeitsreferentin der Diözese Eichstätt, Lisa Amon, klare Worte. „In Anbetracht der Tatsache, dass die Klimakrise voranschreitet, müssen die Ziele angepasst und die Anstrengungen erhöht werden.“ Klimaneutralität sei heute keine Utopie mehr, verweist sie zum Beispiel auf den Klimaschutzplan der Bundesregierung. 

 

Luft nach oben

Was die vor acht Jahren formulierten Zwischenziele betrifft, blieb es nicht bei Lippenbekenntnissen: Der Ausstoß von Treibhausgasen wurde bis Mitte 2020 um rund 20 Prozent gesenkt. Dies lasse sich ganz klar auf den Umstieg auf Ökostrom zurückführen, erklärt Amon. Die diözesanen Liegenschaften in Eichstätt beziehen bereits seit 2015 zu hundert Prozent Ökostrom, in den Pfarreien waren es zeitweise fast 70 Prozent, derzeit wieder etwas weniger. „Die Kirchenstiftungen sind selbständig“, erläutert Amon, „man kann nichts vorschreiben. Nur beraten, informieren, einen guten Rahmenvertrag mit guten Konditionen anbieten“. 

Noch Luft nach oben ist im 2018 eingerichteten diözesanen Klimafonds. Er fördert Maßnahmen vor Ort, die mit geringem Aufwand und überschaubaren Investitionskosten den Energieverbrauch verringern, zum Beispiel Abdichtung von Fenstern oder Umstellung auf LED-Beleuchtung. „Der Fördertopf ist nach wie vor gefüllt“, versichert Amon und verweist Interessierte an den Klimaschutzmanager des Bistums, Diakon Bernd Grünauer, der Gemeinden mit technischem Knowhow unterstützt.

Zu Amons Freude ist die Zahl der Umweltbeauftragten stark angewachsen. 265 Frauen und Männer übernehmen diese Aufgabe inzwischen in Pfarrgemeinderäten und auch Kirchenverwaltungen und werden regelmäßig geschult. Amon wünscht sich, dass es sie bald flächendeckend im Bistum gibt, denn sie seien sehr wichtige Ansprechpartner: „Das sind unsere Kümmerer vor Ort“. Sie machen zum Beispiel Werbung für Projekte wie den diözesanen Schöpfungspreis. Bewusstseinsbildung sei ein wichtiger Baustein bei der Klimaoffensive, betont die Umweltreferentin. Deshalb gab es in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit. 

Nichtsdestotrotz: Um Klimaneutralität zu erreichen müssten die Anstrengungen zur Senkung der Emissionen „bis 2030 deutlich verstärkt werden“ sagt Amon. Dazu brauche es „einen noch größeren und stärkeren Hebel“. 

Deshalb mache das neue Konzept 2030plus den Klimaschutz zur Querschnittsaufgabe im Bistum. Das soll sich auch in der Zusammensetzung der neuen Steuerungsgruppe ausdrücken: Ihr gehören Vertreterinnen und Vertreter aller Hauptabteilungen des Bischöflichen Ordinariats an, von der Jugendarbeit bis zu den technischen Diensten. Auch ein Vorstandsmitglied des Eichstätter Diözesanrats ist mit von der Partie. Begleitet wird die Steuerungsgruppe, die jetzt zum ersten Mal getagt hat, von Umweltexperten der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) Heidelberg.

Eines ist Amon klar: Um klimaneutral zu werden, muss nicht nur weniger Strom verbraucht, sondern zusätzlich auch mehr selbst produziert werden. „Wir werden uns also Gedanken über eine Photovoltaik-Offensive machen müssen. Wir hätten noch viele freie Dächer.“  Aber dieses Thema könne nicht losgelöst von der generellen Frage nach dem künftigen Gebäudebedarf des Bistums behandelt werden. In der Steuerungsgruppe sollen diese größeren Zusammenhänge künftig auf den Tisch kommen.

 

 

Eine Steilvorlage

Noch vor Ostern soll eine Befragung starten, in der Priester, Kirchenstiftungen und hauptamtlich Beschäftige ihre Meinung zur bisher durchgeführten Klimaoffensive und zu ihren Erwartungen an die weitere Umweltarbeit einbringen können. Nicht nur, was technische Anstrengungen zur Kohlendioxid-Reduzierung anlangt, sondern auch, was Pastoral und Bildung betrifft. Bedeutete die Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus 2015 doch eine Steilvorlage, die auch die Deutsche Bischofskonferenz aufgegriffen hat. Sie regt beispielsweise an, Schöpfungsspiritualität noch bewusster in Verkündigung und Liturgie zu verorten, kirchliche Traditionen wie das Fasten im Hinblick auf die Schöpfungsverantwortung zu interpretieren, in kirchlichen Institutionen und auf Kirchenland nachhaltig zu wirtschaften, Mobilität umweltfreundlich zu gestalten und gesellschaftspolitische Verantwortung wahrzunehmen.

Vor diesem Hintergrund soll die Steuerungsgruppe bis Ende 2021 ein Konzept mit konkreten Um-setzungsmöglichkeiten abliefern. „Wir als Kirche wollen unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung leisten“, bekräftigte Bischof Hanke bei der Auftaktsitzung einmal mehr.      

Gabi Gess/pde

 

Informationen auch unter www.bistum-eichstaett.de/umwelt­­


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 18. April 2021

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