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22.06.2018

„Es gibt einige dicke Bretter zu bohren“

Nach mehr als einem Jahr der Vakanz übernahm Florian Bohn (39) Anfang April dieses Jahres die Stelle des Leiters der Hauptabteilung "Bischöfliche Finanzkammer, Bau und technische Dienste" im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt. Die KiZ sprach mit dem studierten Betriebswirtschaftler.

Foto: Heberling

An seinem neuen Arbeitsplatz: der Leitende Finanzdirektor der Diözese Eichstätt, Florian Bohn. Foto: Heberling

KiZ: Herr Bohn, Anfang April haben sie die Aufgabe des Leiters der Hauptabteilung „Bischöfliche Finanzkammer, Bau und technische Dienste“ im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt übernommen – und das in bewegten Zeiten für die Diözese. Wie sind ihre ersten Erfahrungen?

Florian Bohn: Ich denke, dass wir Einiges an Arbeit haben aber dass wir bislang auch schon eine ganze Reihe wichtiger, fundamentaler Weichenstellungen getätigt haben. Jetzt müssen wir die Planung, die grundsätzlichen Rahmenbedingungen und Regeln, mit Leben füllen, sie verfeinern und umsetzen. Dass die Dinge in Fleisch und Blut übergehen, ist in der Regel das Zeitaufwändigste in diesem Prozess.

Können Sie da etwas Konkretes nennen?

Bohn: Zum Beispiel die für jede Organisation wichtige Unterschriftenregelung, wer zeichnet mit welcher Befugnis wofür, bis zu welchem Betrag. Das haben wir den aktuellen Erfordernissen angepasst und vor allem vereinfacht.

In Zeiten der Finanzkrise des Bistums, die in allen Medien verhandelt wird, kann man sich nicht vorstellen, dass der Job den sie angetreten haben, vergnügungssteuerpflichtig ist.

Bohn: Mir machts unheimlich viel Spaß. Mir macht Arbeit, bei der man Dinge gemeinsam vorwärts bringen kann, immer Spaß. Dazu erlebe ich hier eine große Bereitschaft. Von Anfang an hat mich beeindruckt, wie die Mannschaft, die Leitung, allen voran der Bischof in Person, sich einsetzen, dass wir vorankommen.

Stichwort Finanzkrise: In einigen Medien gab es unlängst Meldungen über die aktuelle Höhe des Schadens durch die bekanntgewordenen Anlagegeschäfte und Klarstellungen zu Spekulationen über die Renditeziele. Wie ist in aller Kürze der Stand der Dinge?

Bohn: Zu Punkt eins: Seriöserweise müssen wir Stand heute leider von einem zweistelligen Millionenbetrag als Schaden ausgehen, auch wenn wir natürlich alles tun, um den Schaden so klein wie möglich zu halten.

Punkt zwei: Was die Renditeerwartungen bei früheren Finanzgeschäften angeht, ist mir keine Vorgabe bekannt, die solch hohe Zahlen erwartet oder gar gefordert hätte. Aktuell ist die Vorgabe Inflationsrate plus 2 Prozent.

Aufgrund der Transparenzoffensive ist es auch ein wesentlicher Teil Ihres Auftrags, das Thema Finanzen stärker als bislang zu kommunizieren und die komplexen Sachverhalte zu erklären.

Bohn: Kommunikation ist ein extrem wichtiges Thema. Das eine ist, dass wir unsere fachliche Arbeit professionell und mit Erfolg machen. Das andere, dass wir die Leute mitnehmen und in verständlicher Sprache nachvollziehbar erklären, was mit dem Geld geschieht und warum.

Die Einnahmen der Diözese fließen zu 51 Prozent in pastorale Aufgaben. Wie geht ein Finanzmensch mit dem ihm zunächst sicher weniger vertrauten Thema Pastoral und ihren Notwendigkeiten um?

Bohn: Das beste Beispiel sind hier die Baumaßnahmen im Bistum, für die ich ja ebenfalls zuständig bin. Wenn bei uns ein Antrag im Vergabeausschuss behandelt wird, schauen wir nicht nur, ob wir das Geld haben und ob wir bewilligen. Grundsätzlich immer gibt es zu jeder Eingabe eine finanzielle, eine bautechnische und – ganz wichtig – eine pastorale Einschätzung. Ich finde diese ganzheitliche Bewertung sehr hilfreich, wertvoll und absolut spannend.

Ende dieses Monats legt das Bistum seine erste HGB-konforme Bilanz vor. Mit welchen Gefühlen schauen Sie dem Termin entgegen?

Bohn: Ganz klar mit Vorfreude. Wir können stolz auf das sein, was wir präsentieren. Es waren viele Monate harter Arbeit sehr vieler Mitarbeiter. Wir zeigen, dass wir das mit der Transparenz ernst nehmen und mit großer Stringenz umgesetzt haben. Es ist nachvollziehbar, dass wir im Fokus stehen. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf klare Informationen. Die Vorstellung dieser ersten HGB-konformen Bilanz ist ein wichtiger Schritt, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Wie sehen die weiteren Schritte, die zukünftigen Herausforderungen aus?

Bohn: Die Bilanz ist ein Meilenstein, aber auch nur einer von mehreren. Zu unserer mittel-  und langfristigen Planung gehört, dass wir in dem klaren Bewusstsein arbeiten, dass wirtschaftlich sehr hohe Belastungen auf uns zukommen werden. Also müssen wir sehen, dass wir jetzt, da wir noch Handlungsspielraum haben, die richtigen Weichen stellen, dass wir nachhaltig sicherstellen, dass wir auch in Zukunft unsere Aufträge weiterhin gut erfüllen können. Organisatorisch gibt’s einige Themen, bei denen wir uns besser aufstellen wollen. Eine der wichtigen Fragen wird sein, wie können wir die Kirchenstiftungen draußen besser unterstützen, da muss über die Stiftungsaufsicht hinaus der Dienstleistungsgedanke gestärkt werden. Dann das große Thema Pfarreienfinanzierung, das Immobilienmanagement, es gibt einige dicke Bretter zu bohren. Bei all dem muss Transparenz unsere Basis sein.

Interview: Michael Heberling, Kirchenzeitung Nr. 25 vom 24. Juni 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 38 vom 23.09.2018

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