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25.01.2019

„Es ist eine enorme Herausforderung“ Besuch beim designierten Generalvikar der Diözese Eichstätt, P. Michael Huber

Karrieredreisprung – keine olympische Disziplin, aber die Sorte Scherz, über die der sportbegeisterte Pater Michael Huber, wie er das oft und gerne tut, laut lachen dürfte. Dabei ist es eine sehr ernste Sache: seine Berufung zum Generalvikar der Diözese Eichstätt vor fünf Wochen, sein Dienstantritt, zunächst als stellvertretender Generalvikar, am 1. Februar und dann die volle Übernahme des Amtes im Sommer.

Foto: pde

Eichstätts designierter Generalvikar: Der Herz Jesu-Missionar Pater Michael Huber wurde im Dezember 2018 ernannt. Foto: pde

Der Herz Jesu-Missionar und noch amtierende Leiter der Pfarrei St. Johannes in Eichstätt-Rebdorf und Obereichstätt gibt im Gespräch mit der KiZ unumwunden zu, dass er gehörigen Respekt vor dem hat, was da auf ihn zukommt: „Es ist eine enorme Herausforderung, die man nur mit viel Hilfe von oben, mit viel Gebet, mit viel Mittun von allen anderen im Team bestehen kann“.

Die Berufung durch Bischof Gregor Maria Hanke zum Nachfolger von Generalvikar Dompropst Isidor Vollnhals war nicht nur für die Öffentlichkeit eine große Überraschung, sondern auch für Huber selbst. 

Ein langer Weg

Huber ist Eichstätter Diözesane, als einer von drei Söhnen („Sandwich-Kind ohne irgendwelche Blessuren“, sagt er) 1964 in Monheim geboren. Der Vater, Bergbauernsohn aus dem Wendelsteingebiet, lebt noch heute dort, die Mutter Vertriebene aus dem Altvatergebirge, starb im letzten Jahr. Die ganz normale katholische Sozialisation habe er durchgemacht, Ministrant in der Pfarrei, katholische Schule in Donauwörth bei den Herz Jesu-Missionaren, mit denen er sich, gerade zehn Jahre alt, erst einmal lediglich über Schule und Internat in Verbindung sieht. Wehrdienst als Sanitäter auf der Schwäbischen Alb und in Ingolstadt. Mit dem festen Ziel, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater zu werden, studiert er danach zielstrebig und gerne („Sprachen bedeuteten Kampf, Mathematik war müheloses Spiel“) Betriebswirtschaft an der Uni Augsburg.

Huber: „Ich machte Praktika, war in einem Managementnachwuchskreis, hinterfragte aber immer öfter, was ich da tat, ob ich mein Leben lang machen wollte, was immer öfter meinem Menschenbild entgegenstand. Ich wollte etwas Sinnvolles, etwas für die Menschen tun. Aber was genau ich mit meinem Leben anfangen sollte, wurde mit erst allmählich klar. Ich musste sprichwörtlich einen langen Weg zu dieser Entscheidung zurücklegen, er endete nach der Zeit meiner Prüfungsvorbereitungen auf Wanderungen – ich lernte am Besten im Gehen – nach so manchem Ort und so mancher Dorfkirche, irgendwann in Augsburg vor dem Herz Jesu-Altar. Da habe ich mir gesagt: Du hast dich entschieden!“

Internationaler Einsatz

Der 26-Jährige hat bislang nur einen Orden kennengelernt, die Herz Jesu-Missionare, er geht nach Donauwörth und fragt „Könnt ihr mich gebrauchen?“ Sie können. Der Diplomökonom wird Novize und studiert von 1992-97 Diplomtheologie und Religionspädagogik in Salzburg (wo sich wohl sein spezielles charmantes österreichisch-schwäbisches Idiom ausprägt), 

96 legt er die Ewige Profess ab, 97 wird er Diakon, 98 Priester: Karrieredreisprung. 

Für seinen Orden ist er in unterschiedlichen Rollen und Positionen an unterschiedlichen Orten aktiv: auf der Leitungsebene als Provinzialrat, als Lehrer und Erzieher, als Pfarrseelsorger, als Begleiter und Ausbilder für den Ordensnachwuchs und in Sachen Ökonomie und das sogar auf internationaler Ebene. Keine Jobs oder Pöstchen, sondern verantwortungsvolle Ämter für die er sich die Qualifikationen erarbeitete: Lehramtsstudium, zusätzliche Fremdsprachen, Zusatzausbildung als Ausbilder in den USA. Der Orden kann ihn gebrauchen und er lernt, was Verfügbarkeit und Gehorsam bedeuten. 

Welche Rolle wird der Orden im neuen Leben mit dem neuen Auftrag noch spielen? 

Huber: „Meine Basis ist und bleibt die Spiritualität meiner Gemeinschaft. Ihre Prägung macht mich aus und das, was dem neuen Amt hilfreich sein kann: die Vielseitigkeit und Offenheit, der geweitete Blick jemandes, der nicht nur den inneren Kreis kennt, Impulse von außen einbringen kann. Das ist doch eine Chance.“

Nach seinem Priesterbild befragt, spricht Huber von einem biblischen Leitwort, das er sich schon sehr früh gewählt habe. 

Huber: „Wir wollen ja nicht Herren über euren Glauben sein, sondern wir sind Helfer zu eurer Freude“ (2 Kor 1, 24). Dieses Wort hat sich für mich von Anfang an und bis heute immer wieder als stimmig herausgestellt. Natürlich gibt es das, was uns die Heilige Schrift vorgibt, was geoffenbart ist und was die Kirche im Laufe ihrer Geschichte als Wahrheit erkannt hat. Aber es geht nicht, irgendein Gesetz über die Menschen zu stülpen. Es geht vielmehr darum, ihnen in authentischer Weise den Glauben als etwas ungeheuer Bereicherndes vorzustellen, so dass sie ihre Probleme angehen und die Freude am Leben spüren können. Es sollte uns gelingen zu zeigen, dass der Glaube nicht heißt „Du musst, du darfst nicht“, sondern dass er ein Geschenk ist. Paulus sagt „Allen alles sein“, das ist mir eine Nummer zu groß, ich sage mir: Wenigen etwas geben. Das ist unser Auftrag, den wir in aller Bescheidenheit angehen sollen.“

Was geht, was kommt ...

2009 wurde Huber Pfarrer von Rebdorf und Obereichstätt und er ist es, sagt er, bis zur Stunde mit Leib und Seele. Von einem Jahr als Novizenmeister in Irland abgesehen, waren hier durchgängig drei große S bestimmend: Seelsorge, Sanierung, Schule. „Das breite Spektrum dessen, womit man es in einer Gemeinde zu tun bekommt, mit Menschen in ihren ganz konkreten Lebenssituationen von der Wiege bis zur Bahre, das ist das Reizvolle am Pfarrer-sein“, sagt der designierte Generalvikar mit etwas Wehmut. Das Unterrichten werde ihm sehr fehlen (und das Volleyballspiel mit den Lehrern am Realschulzentrum), der Kontakt mit dem Kinderdorf, der Job als KAB-Kreispräses, und, und, und. Aber eigentlich, stellt er dann fest, ist das was er jetzt aufzugeben scheint, gleichzeitig exakt das, was ihn für seinen neuen Dienst prädestiniert, was dort gefragt ist: „All diese Jahre geistlichen Lebens in so unterschiedlichen Bereichen, an so verschiedenen Orten, sind für mich wichtig gewesen. Ich hoffe sehr, dass es mir gelingt diese Haltung des Zuhörens und der Anteilnahme auch in meiner neuen Aufgabe nicht zu verlernen“.

Die jetzt unausweichliche Frage nach seinen Stärken und Schwächen, beantwortet Huber taktisch klug und erwartungsgemäß: Das sollen andere beurteilen. Aber er wolle sich nicht um die Antwort drücken: „Es ist meine Art mit realistischem Blick auf die jeweiligen Situationen nüchtern zu reagieren, nicht im Affekt, strukturiert und so objektiv wie möglich auf eine Lösung zuzugehen. Nichtsdestotrotz habe ich großen Respekt davor, Konfliktsituationen aushalten zu müssen und unter diesem Druck Entscheidungen von nicht selten großer Tragweite zu treffen. Da wird es unvermeidlich zu Unzufriedenheit, zu Kränkungen und Verletzungen kommen. Solche Situationen sucht man eher nicht freiwillig oder mit Lust. Da werde ich lernen müssen, auszuhalten.“

Huber weiß, welche große Themen ihn erwarten, wenn er die Geschäfte erst einmal übernommen haben wird. Er weiß vom verständlichen Kurzschluss der Presse, die ihn bei der Bekanntgabe seiner Ernennung gleich als rettenden Finanzfachmann für das affärengeschüttelte Bistum verkauft hat, er weiß, dass der Bischof noch eine weitergehende Veränderung im Generalvikariat plant und eine Frau oder einen Mann sucht, die den Hauptteil der administrativen Arbeit übernehmen soll. Er weiß, dass er in gewisser Weise herausarbeiten muss, was zukünftig das „Kerngeschäft“ des Generalvikars sein wird. Er freut sich und ist dankbar für das kommende halbe Jahr, in dem er der Antwort auf diese Frage ein gutes Stück näher kommen wird.

Huber: „Diesen persönlichen Neuanfang, will ich auch als Signal verstanden wissen: Wir packen’s an, wir suchen mit neuer Kraft nach neuen Wegen. Denn ich bin überzeugt, nicht nur im Bistum Eichstätt, in der ganzen Kirche brauchen wir endlich wieder positive Nachrichten, positive Zeichen. So viele negative Dinge haben uns passiv, müde, mutlos gemacht. Wir dürfen doch nicht vergessen, wie viel Lebendigkeit unser Papst gebracht hat – und jetzt vielerorts diese Lähmung, dieses Schweigen, dieses Schimpfen. Da müssen wir wieder heraus.“

Mutige Vorschläge

Er sei Realist, sehe, „dass sich das Glaubensleben in unserer Gesellschaft in einem radikalen Wandel befindet“. Die Institution stehe, wie lange nicht, in der öffentlichen Kritik und hier müsse Verständigung, Aufklärung stattfinden. „Aber ich erlebe auch  jeden Tag immer wieder und immer noch viel Interesse, viel Potential, da sind sehr viele Menschen auf der Suche nach neuen Äußerungsweisen und Begegnungsformen, die mit unserem klassischen Sonntagsbetrieb kaum mehr etwas zu tun haben“.

Gläubigenschwund und Priestermangel sieht er als zusammenhängende Probleme an, für die sich möglicherweise ein gemeinsamer Lösungansatz finden lasse.

Huber: „Wir werden eine weitere Öffnung für die Nichtordinierten zu Ämtern und Aufgaben in der Kirche erreichen müssen, nicht nur notgedrungen, sondern aus Überzeugung. Wir müssen die Gläubigen und das allgemeine Priestertum ernst nehmen, Laien viel stärker mit einbinden und mit Kompetenzen versehen. Davon werden wir nur profitieren. Priestermangel ist ein sehr komplexes globales Problem, das wir nicht hier einsam für uns lösen können. Ich denke an die Aufforderung unseres Papstes, mutige Vorschläge zu machen. Da wird das Thema des Zölibats auf den Tisch kommen, die Frage nach den viri probati. Aber wir müssen auch wissen, selbst wenn eine Öffnung in diese Richtung kommen sollte, sind damit nicht alle unsere Probleme gelöst.“ 

Mit Pater Michael Huber sprach KiZ-Redaktionsleiter Michael Heberling.­

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 16 vom 21. April 2019

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