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30.12.2016

Fragen an Generalvikar Dompropst Isidor Vollnhals zum Strukturwechsel in der Diözese

Strukturwechsel bei der Diözese Eichstätt: Domdekan Willibald Harrer (65) hat mit Ende des Jahres 2016 seinen Dienst als Leitender Finanz- und Baudirektor der Diözese beendet. Bischof Gregor Maria Hanke hatte das Rücktrittsgesuch des bisherigen Finanzdirektors angenommen.

Generalvikar Dompropst Isidor Vollnhals pde-Foto: Geraldo Hoffmann

In einer persönlichen Erklärung bezeichnete Harrer seinen Rücktritt als einen Beitrag dazu, „dass die für die Zukunftssicherung der Diözese Eichstätt erforderlichen Schritte im Hinblick auf personelle Strukturen vollzogen werden können“. Er verwies auch auf die in den letzten Jahren stark veränderten fachlichen Anforderungen an das Amt des Leitenden Finanz- und Baudirektors.

Die Diözese Eichstätt gestaltet im Rahmen ihrer Transparenzoffensive die Strukturen ihrer Finanz- und Vermögensverwaltung neu. Die operativen Arbeitsbereiche werden strikt von der Funktion der Aufsicht und  Steuerung getrennt. Die KiZ fragte Generalvikar Dompropst Isidor Vollnhals nach den Hintergründen der Veränderungen.

KiZ: Die Meldung vom Rücktritt des leitenden Finanz- und Baudirektors der Diözese kam für viele überraschend, können Sie die Beweggründe noch einmal erläutern?

Generalvikar Dompropst Isidor Vollnhals: Die Diözese Eichstätt gestaltet derzeit in einem länger andauernden und sehr aufwändigen Prozess die Strukturen ihrer Finanz- und Vermögensverwaltung neu. Mit seinem Rücktritt hat uns der leitende Finanz- und Baudirektors der Diözese einen Schritt nach vorne gewiesen, um Änderungen in der Struktur der Bistumsleitung vollziehen zu  können. Dazu muss man wissen, dass der Finanzdirektor bislang doppelt in Verantwortung stand. Als leitender Finanz- und Baudirektor war er ein wichtiges Mitglied der Exekutive, zugleich ist er als Domdekan aber auch Vorsitzender eines Gremiums, das unter dem Vorsitz des Bischofs als sogenanntes Konsultorenkollegium entscheidende Mitwirkungsrechte bei der Leitung der Diözese hat. Diese beiden Mandate hat man nun getrennt, damit es zu keinen Interessenskonflikten zwischen dem Amt, wenn Sie so wollen, eines Aufsichtsrats einerseits, und andererseits in der Leitung eines ausführenden Referats im operativen Geschäft, hier der Finanzkammer, kommen kann.

Mit dieser Klärung wird im  übrigen das Domkapitel aufgewertet, ganz so, wie es das Kirchenrecht vorsieht. Das ist ja kein Gremium älterer Herren, die regelmäßig schön beieinandersitzen, wie das englische Oberhaus, sondern  es ist eine Art Senat, mit einer wegweisenden Beratungs- und Mitwirkungsfunktion. Als Konsultorenkollegium wird es, so ist es der Wunsch des Bischofs, häufiger tagen, um den Bischof in grundsätzlichen Fragen zu beraten, etwa zu Fragen der pastoralen Schwerpunkte im Bistum, oder was  langfristige Entwicklungen angeht, die angestoßen werden müssen.

Wie geht es in der jetzt bestehenden Vakanz weiter?

Generalvikar Vollnhals: Der Bischof hat die kommissarische Leitung dem Generalvikar übertragen, der ja im Auftrag des  Bischofs sozusagen Amtschef des Ordinariates ist, und mit Beginn des Jahres 2017 steht ein kaufmännischer Berater bereit, der vorübergehend die Handlungsfähigkeit der Hauptabteilung gewährleistet. Zugleich sind bereits die ersten Schritte eingeleitet, um die Finanzkammer neu zu besetzen, es braucht eine Leitung und eine Stellvertretung.

In den übrigen bayerischen  Bistümern ist der Posten des  Ökonomen oder Finanzchefs nicht mehr mit einem Geistlichen besetzt, wie wird das in Eichstätt künftig sein?

Generalvikar Vollnhals: Es war bereits vor über einem Jahr bei der Ankündigung der Transparenzoffensive in unserem Bistum klar, dass wir hier den gleichen Schritt machen werden, wie die übrigen bayerischen Bistümer. Wir werden mit dieser Veränderung besser den in den letzten Jahren stark veränderten hoch anspruchsvollen, fachlichen Anforderungen im Bereich der Ökonomie gerecht.

Das Zauberwort Transparenzoffensive ist gefallen – offenbar der Leitbegriff für die Strukturveränderungen insgesamt.

Generalvikar Vollnhals: So ist es. Transparenz ist ein Teil der Glaubwürdigkeit der Kirche. Wir sagen damit: Wir lassen uns messen an den Maßstäben, die in dieser Welt gelten. Dazu zählt, dass man eine von Fachprüfern bestätigte Bilanz vorweisen kann, also das Vermögen der Diözese offengelegt wird, genauso auch  alle künftigen Verpflichtungen, etwa Versorgungsleistungen für Mitarbeiter. Damit wird der Einsatz der Haushaltsmittel einsehbar und nachvollziehbar. Die neuen Bauregeln, die im letzten Jahr erarbeitet und verabschiedet wurden, sind zum Beispiel auch eine Maßnahme, die in genau diese Richtung weist. Mit diesem Instrumentarium bringen wir Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit in den komplexen Bereich der Bezuschussung.

Was Transparenz in den jeweiligen Bereichen bedeutet und von uns fordert, wie sich nicht nur Verfahren, sondern zunächst und vor allem die Kommunikation verändern müssen, dass vermitteln wir in schon laufenden Info-Veranstaltungen, an denen Mitarbeiter, Mitarbeitervertretung, Gremien wie der Diözesansteuerausschuss oder auch Gruppierungen wie die der Kirchenpfleger teilnehmen. Wir müssen miteinander an der Zukunftssicherung der Kirche arbeiten, angesichts der demo-graphischen Entwicklung, der abnehmenden Bindungsbereitschaft, des ausbleibenden Engagements, und der Austritte, jetzt gemeinsam die Weichen stellen, nicht nur verwaltungstechnisch, sondern auch pastoral .

Ist dieser Prozess durch die aktuellen personellen Veränderungen beeinträchtigt?

Generalvikar Vollnhals: Der  Zeitplan sieht vor, dass die HGB- konforme (HGB = Handelsgesetzbuch; d. Red.) Bilanz von 2017 im zweiten Quartal 2018 geprüft und testiert vorliegen wird. Das heißt die Diözese wird bereits das Jahr 2017 unter handelsrechtlichen Gesichtspunkten bewirtschaften.

Interview: Michael Heberling, Kirchenzeitung Nr. 1 vom 1. Januar 2017

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