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24.06.2016

Franziskus machte sie bekannt

Neue Forschungen zum Gnadenbild „Maria Knotenlöserin“ und dem Jesuitenpater Jakob Rem. Das Gnadenbild hängt seit Anfang des 18. Jahrhunderts in der Kirche Sankt Peter am Perlach in Augsburg.

Maria Knotenlöserin: Das Gnadenbild in Sankt Peter am Perlach ist berühmt, seit bekannt ist, dass es von Papst Franziskus sehr verehrt wird. Auch zu Pater Jakob Rem soll es Verbindungen geben. Foto: Bürgerverein Sankt Peter am Perlach e.V.

Maria Knotenlöserin: Das Gnadenbild in Sankt Peter am Perlach ist berühmt, seit bekannt ist, dass es von Papst Franziskus sehr verehrt wird. Auch zu Pater Jakob Rem soll es Verbindungen geben. Foto: Bürgerverein Sankt Peter am Perlach e.V.

Gestiftet wurde es wahrscheinlich von dem Geistlichen und Stiftskanoniker Hieronymus Ambrosius Langenmantel, der einem alten, angesehenen Augsburger Patriziergeschlecht entstammte. Genaueres zu Anlass der Stiftung und den Kosten des Gemäldes konnte bislang noch nicht in den Archiven gefunden werden.

Ebenso verhält es sich mit dem Künstler. Seit den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wird allgemein davon ausgegangen, dass der Augsburger Maler Johann Georg Melchior Schmidtner, der von 1625 bis 1705 lebte und an die 200 Werke schuf, der Künstler des Marienbildes ist. Aber auch schon andere Künstler wie der Maler Johann Heinrich Wilhelm Schönfeld, der 1684 in Augsburg starb, wurde als Künstler in den Blick genommen.

Das Gnadenbild

Das Barockbild zeigt die Muttergottes als Immaculata, das bedeutet die ohne Erbsünde Empfangene, deren Kopf von einem Sternenkranz und einer Engelschar umgeben ist. Sie steht auf der Mondsichel und zertritt mit ihrem linken Fuß eine in sich verknotete Schlange, die das Böse symbolisiert. Maria, die neue Eva, hält ein Band mit vielen Knoten, Symbol für Sünden, Schwierigkeiten und Probleme der Menschen, in ihren Händen und löst einen Knoten nach dem anderen. Im unteren Bereich des Bildes ist ein junger Mann zu sehen, den eine Lichtgestalt, ein Engel, zu einer Siedlung auf einem Berg mit einer Kirche führt.

Über die Jahrhunderte hinweg war die Verehrung des Bildes im Seitenaltar der Kirche Sankt Peter am Perlach lokal begrenzt. Deutlich wird dies unter anderem daran, dass aus früherer Zeit keine Andachtsbildchen mit der Darstellung der Maria als Knotenlöserin bekannt sind. Erst die Jesuiten, denen 1954 die Seelsorge bei Sankt Peter anvertraut wurde, bemühten sich, das Gnadenbild bekannter zu machen und ließen zum Beispiel Andachtsbildchen und Gebete zur Knotenlöserin drucken.

Bekannt wurde das Gnadenbild vor 30 Jahren, als der argentinische Jesuit Mario Jorge Bergolio, der heutige Papst Franziskus, es während seines Deutschland-Aufenthalts 1986 sah und es ihn sofort berührte. Bergolio war zu Studienzwecken in Sankt Georgen, der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Jesuiten in Frankfurt, um an seiner Doktorarbeit über Romano Guardini zu arbeiten. Der argentinische Pater nutzte seinen Deutschlandaufenthalt auch dazu, Eichstätt zu besuchen und die deutschen Jesuitennieder-lassungen kennenzulernen. So kam er nach Augsburg und entdeckte in der Peterskirche am Perlach das Gnadenbild, das es ihm gleich angetan hat. Er besorgte sich einen Stoß Postkarten und Andachtsbildchen, die er in seine Heimat mitnahm um dort das Gnadenbild „Maria Knotenlöserin“ bekannt zu machen. So schickte er als Weihbischof in und später als Erzbischof von Buenos Aires Priesteramtskandidaten mit Abbildungen des Bildes in die Slums. Eine Austauschstudentin aus Eichstätt beauftragte er, das Augsburger Original mit allen Details zu dokumentieren, um eine Kopie anfertigen zu können.
Diese wurde vor 20 Jahren von der Malerin Ana Betta de Berti (Marta Beti) angefertigt und befindet sich seit dem 8. Dezember 1996 in der Kirche San José del Talar in Buenos Aires, dem argentinischen Zentrum der Verehrung der Muttergottes als Knotenlöserin. Von Argentinien aus verbreitete sich die Verehrung in ganz Süd- und Mittelamerika.

Einige Bildlegenden

Weltweit bekannt wurde das Augsburger Gnadenbild, nachdem der argentinische Erzbischof am 13. März 2013 zum Papst gewählt wurde. Denn sowohl in seinem Audienzzimmer im Gästehaus Santa Marta, wie auch in seinem Arbeitszimmer im Vatikan hängen Kopien der Darstellung. Eine besondere Ausfertigung des Augsburger Bildes überbrachte das Eichstätter Collegium Orientale Papst Franziskus bei einer Rom-Wallfahrt im April 2015: eine von der Ikonenschreiberin Elisabeth Rieder aus Beilngries gefertige Ikone mit der byzantinischen Darstellung des Gnadenbildes.

Ein besonderes Interesse an der barocken Mariendarstellung wurde durch die bekannteste Legende ausgelöst die sich um das Bild entwickelt hat. Demnach soll das Bild aus Dank für die Rettung einer zerrütteten Ehe gestiftet worden sein. Der Großvater des Stiftskanonikers Langenmantel, der mit Sophia Imhof verheiratet war, soll im frühen 17. Jahrhundert den heiligmäßig lebenden Jakob Rem gebeten haben, für das Heilwerden seiner Ehe zu beten.

Dr. Stefan Koster, der das Bistum Eichstätt im Seligsprechungsverfahren Rems als Vizepostulator vertrat, betonte 2012 im Interview mit der KiZ: „Eine sehr interessante Spur weist nach Augsburg zu dem Gnadenbild ,Maria Knotenlöserin‘. Da deutet sich eine enorme Ausstrahlung nach Lateinamerika an, vor allem nach Argentinien.“

Ob und inwieweit dies zutrifft, überprüfte der Referent für diözesangeschichtliche Aufgaben im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt, Dr. Leo Hintermayr, der seine wissenschaftlichen Ergebnisse in einem Buch veröffentlichen wird, das sich kurz vor der Drucklegung befindet und im Herbst erscheinen soll.

In seinem Beitrag stellt Hintermayr fest, dass diese Spur definitiv so nicht nachgewiesen werden könne, „auch wenn der Ingolstädter Jesuitenpater tatsächlich einmal von einem Augsburger Stadtpfleger wegen einer Eheproblematik aufgesucht worden war“. Doch lasse sich eine Verbindung zwischen dieser überlieferten Situation und dem Bild nicht herstellen, dass dieses überhaupt mit der Geschichte in Verbindung gebracht werde, sei erst die Folge mehrerer, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandener Interpretationen. Die Bezeichnung „Maria Knotenlöserin“ für das Bild, sei auch in dieser Zeit aufgekommen.

Als Beweis für die Legende wird ab 1976 die Darstellung unter der Gottesmutter angeführt. Dort seien Tobias und Raphael begleitet von einem Dalmatiner zu sehen. Da Raphael Tobias zu seiner Braut geleite, so die Argumentation, wohne dem gesamten Bild ein Heirats- oder Partnerproblematik inne. Da aber auf dem Bild kein Hund zu finden sei, laufe die Argumentation in Leere, so Hintermayr, der sich für eine allgemein heilstheologische Aus-sage des Bildes ausspricht: Der Engel führt den neuen Adam über die Kirche ins Heil.

Klar ist aber soviel: Der Stifter Langenmantel war ein großer Verehrer des Gnadenbildes der Dreimal Wunderbaren Mutter in Ingolstadt und auch des Jesuiten Jakob Rem, dessen Vita er 1683 sogar im Druck verbreiten ließ. Eine Kopie des Salus Populi Romani-Bildes (= Heil des Römischen Volkes) wurde im Zuge der Recherchen in einem Nebenraum von St. Peter entdeckt und hängt jetzt wieder an einem würdigen Platz in der Kirche.

Klaus Kreitmeir, Kirchenzeitung Nr. 26 vom 26. Juni 2016

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