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15.07.2016

Für alle Alltagssorgen einen Heiligen

Ausstellung im Domschatz- und Diözesanmuseum zeigt Verehrung der Vierzehn Nothelfer im Bistum. Noch bis zum 6. November ist im Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseum die Sonderausstellung „Ein starkes Team – Die Vierzehn Nothelfer in Kunst und Verehrung im Bistum Eichstätt“ zu sehen.

Die Vierzehn Nothelfer aus der Pfarrkirche Berching wurden aus verschiedenen Gruppen neu zusammengestellt, Foto: Kreitmeir

Die Vierzehn Nothelfer aus der Pfarrkirche Berching wurden aus verschiedenen Gruppen neu zusammengestellt, Foto: Kreitmeir

Anhand von etwa 50 Kunstwerken aus der gesamten Diözese wird die Verehrung der Vierzehn Nothelfer vom 15. bis zum 19. Jahrhundert gezeigt.

Eine reiche Auswahl

Ein Team, bestehend aus dem Museumsleiter Dr. Emanuel Braun, der Kunsthistorikerin Dr. Claudia Grund und der Volontärin Katharina Hupp, plante und verwirklichte diese besondere Schau christlicher Kunst und Volksfrömmigkeit. Zunächst wurde recherchiert, welche Kunstwerke in der Diözese Eichstätt mit den Nothelfern zu tun haben. Eine Liste der Wallfahrten, Kirchen und Kapellen zu ihren Ehren, von Altären, Gemälden und Statuen, die sie als Gruppe oder einzeln darstellen, wurde erstellt und kunstgeschichtlich zugeordnet. Dann galt es, eine Auswahl zu treffen, wobei immer zuerst die Frage der Möglichkeit einer Ausleihe und des Transports zu klären war.

„Die Auswahl machte uns den größten Spass“, berichtet Claudia Grund, „da wir dabei unterschiedlichste Darstellungen der Heiligen, eine große Bandbreite ihrer  Attribute und auch sonst einen Reichtum an Details entdeckten“. Volontärin Katharina Hupp, die einen wesentlichen Teil der  Recherche leistete, pflichtet ihr bei und zeigt als Beleg die Figur des heiligen Georg aus Kipfenberg, in dessen Schild der Drache gerade seine Zähne schlägt. Abgesehen davon ist an dem Drachen nichts Schreckliches zu entdecken, da er eher einen Knuddel-, als einen Schreckenskörper hat.

Grund für die Verehrung der Nothelfer ist das Grundbedürfnis der Menschen nach Sicherheit und Verlässlichkeit. Heute sichern sich die Menschen gegen alle möglichen Eventualitäten – seien es Krankheit, Unfall, Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Rechtsstreitigkeiten, Schäden, Hochwasser, Sturm und Hagel, Alter und Pflegebedürftigkeit – durch Versicherungen ab. Es gibt kaum einen Bereich des Lebens, für den es keine passende Versicherung gibt. Neben Versicherungen vertrauen die Menschen heute auf die Technik, die Naturgewalten in Zaum halten und Katastrophen verhindern soll oder zumindest schnell Abhilfe schafft.

Für unsere Sicherheit ist uns selten etwas zu teuer. Dabei  leben wir heute im Vergleich zu  früher in ziemlich sicheren Zeiten. Missernten und darauf folgende Hungersnöte kennen wir allenfalls in fernen Kontinenten, Kriege aus den Medien oder Geschichtsbüchern und auch Seuchen sind heute in unseren Breitengraden eher die Ausnahme. Doch sind die Zeiten, in denen sie zum Alltag gehörten auch in Europa noch nicht allzu lange vorbei.

Heilige als Beistand

Früher konnten die Menschen gegen ihre ständige Bedrohung und ihr Leben in steter Unsicherheit keinerlei Versicherungen abschließen. Sie suchten und fanden ihre Hilfe im Himmel – genauer bei Heiligen, um deren Fürsprache und Hilfe sie ab dem neunten Jahrhundert inständig baten. Da die Bedrohung eine vielfältige war, erhofften sie sich bei einer Gruppe die alle Eventualitäten „abdeckte“, größere Sicherheit: Bei den Nothelfern.

Gruppenbildungen waren in der damaligen Zeit üblich. Handwerker schlossen sich zu Zünften, Kaufleute zu Gilden zusammen. Also warum sollte nicht auch im Himmel die Kraft der Heiligen vereint wirken.

Ab dem 13. Jahrhundert, als die Pest die Menschen bedrohte, bildete sich vor allem im Süden Deutschlands dafür ein spezieller Kult aus. Die frühesten Zeugnisse der Nothelferverehrung sind in den Bistümern Regensburg, Bamberg und Würzburg nachweisbar. Bald wurde aber der Kult der Vierzehn Nothelfer in ganz Deutschland gebräuchlich und gelangte von dort  nach Ungarn und Italien.

Wie aber kam es zur Zahl der vierzehn Heiligen, die als Nothelfer in allen Lebenslagen angerufen wurden und werden? Die Zahl vierzehn bot sich aus mehreren Gründen an: Erstens enthält sie – genau zweimal – die mystische Zahl sieben, die in der Zahlensymbolik für die Vollkommenheit steht. Zweitens bezeugen genau 14 Menschen die Auferstehung Jesu Christi und jeder Kreuzweg zählt 14 Stationen. Diese Zahl versprach also besonderes Heil.

Die Zusammensetzung dieser Heiligengruppen war unterschiedlich, zeitlich wie regional. In der Regel gehören ihr (mit Anliegen) an: die Heiligen Achatius (gegen Todesangst und Zweifel), Ägidius (für eine gute Beichte), Barbara (Patronin der Sterbenden), Blasius (gegen Halsleiden), Christophorus  (für gute Reise, gegen unvorbereiteten Tod), Cyriacus (gegen Anfechtungen), Dionysius (gegen Kopfschmerzen), Erasmus (gegen Leibschmerzen), Eustachius (in schwierigen Lebenslagen), Georg (gegen Seuchen der Haustiere), Katharina (Zungenleiden), Margareta (Patronin der Gebärenden), Pantaleon (Patron der Ärzte) und Vitus (gegen Epilepsie). Regional finden sich Leonhard statt Cyriacus, Nikolaus statt Erasmus,  Papst Sixtus statt Dionysius und Rochus statt Pantaleon.

Doch erst durch die Visionen des Klosterschäfers der Zisterzienserabtei Langheim, Hermann Leicht, bei Frankenthal 1445/46 wurde der Nothelferkult volkstümlich und erhielt ein Zentrum in Gestalt einer Kapelle und der wichtigsten Nothelferwallfahrt: Vierzehnheiligen. Von dort aus fand der Kult bayernweit Verbreitung – so auch in der Diözese Eichstätt, wo er in der Wallfahrt auf dem Möninger Berg bis heute ganz besonders in Ehren gehalten wird. Die früheren Wallfahrten im Bistum Eichstätt zu den Vierzehn Nothelfern in Frankenhof/Illschwang und Wasserzell/Eichstätt sind im Laufe der Geschichte untergegangen. Aus logistischen Gründen sind in der Ausstellung weder Exponate vom Möninger Berg noch aus der Filialkirche Wasserzell zu finden.

Finden kann der Besucher aber eine Unmenge an Details an den Figuren, wie zum Beispiel den Drachen an der Kette der heiligen Margareta, der fast wie ein Schoßhündchen daherkommt, die Zusammenstellung der Vierzehn Nothelfer in der Pfarrkirche Berching oder der von Johann Evangelist Holzer gemalte heilige  Georg. In der leicht verspielten Szene  wirkt der getötete Drache eher wie ein Bettvorleger als wie ein Untier.

Die Sonderausstellung vermittelt nicht nur einen Blick in eine besondere Form der Frömmigkeit, sondern macht Lust auf Detailsuche in Gemälden und an Figuren.
Zur Ausstellung erschien eine 38-seitige Begleitbroschüre mit Informationen zu den Vierzehn Nothelfern. Außerdem werden Führungen durch die Sonderausstellung angeboten. „Die 14 Nothelfer – Ein Team für alle Fälle“ lautet das Motto der Führung mit Katharina Hupp am Mittwoch, 27. Juli, um 19.30 Uhr.                         

Weitere Informationen im Internet unter „www.dioezesanmuseum-eichstaett.de“.

Klaus Kreitmeir,Kirchenzeitung Nr. 29 vom 17. Juli 2016

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