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25.10.2019

Für Menschen – von Säugling bis Greis 50 Jahre Caritas-Zentrum St. Vinzenz / Neubau eröffnete 1974 viele heilpädagogische Möglichkeiten

Von einem zweigruppigen Kindergarten für 18 geistig behinderte Kinder zu einer Institution für Menschen mit Behinderung in jeder Lebenslage – das Caritas-Zentrum St. Vinzenz in Ingolstadt kann eine 50-jährige Erfolgsgeschichte feiern. Zum Jubiläum gab es einen Gottesdienst in der Kirche St. Josef und einen Festakt. Krönender Abschluss war die Enthüllung eines hölzernen Engels des Neuburger Künstlers Franz Schmid. Sie enthält eine Zeitkapsel, in der Zeichnungen, Fotografien, Bastelarbeiten und andere Dinge aus St. Vinzenz für die Zukunft aufbewahrt werden.

Foto: vb/Esser

Längst eine Institution: St. Vinzenz in der Ingolstädter Frühlingstraße. Anlässlich des Jubiläums gab es heuer schon mehrere Feiern für Kinder, Eltern, Beschäftigte und Bewohner. Höhepunkt war jetzt ein Festakt mit Gottesdienst. Foto: vb/Esser

„Abbild Gottes“

Leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter präsentierten im Gottesdienst das Logo der Einrichtung, das „Vinzenz-Männchen“, aus den verschiedenen „Gliedern“ vom Kopf bis zum Fuß: von Frühförderung und Kinderkrippe über die Wohnheime für Kinder und Erwachsene, die Schule und zwei Tagesstätten bis zur Offenen Behindertenarbeit mit ihren Freizeitmaßnahmen. „Anfangs ging es nur um die Kinder, heute deckt St. Vinzenz die gesamte Lebensspanne ab“, erläuterte Religionslehrer Tobias Wallner. Den Gottesdienst zelebrierte Generalvikar Pater Michael Huber mit Caritas-Präses Franz Mattes und Ortspfarrer Clemens Hergenröder. Mattes betonte in seiner Predigt, Menschen mit Behinderung seien auf ihre Weise Abbild Gottes. Niemand habe das Recht zu behaupten, dass Menschen mit Beeinträchtigungen weniger wert seien als beispielsweise Spitzensportler. Vor Gott komme es nicht auf menschliche Leistung an, sondern darauf, „vertrauen zu können wie ein Kind“. Den rund 300 Beschäftigten, die sich in St. Vinzenz für Menschen mit Behinderung einsetzen, sagte Mattes: „Vergelt’s Gott für viele Dinge, die man nicht entlohnen kann.“ Der Gottesdienst wurde musikalisch vom einrichtungseigenen Chor sowie den Veeh-Harfen von der Offenen Behindertenarbeit gestaltet. 

Im Dienst der Inklusion

Caritasdirektor Alfred Frank sagte beim Festakt: „Wohl kaum eine andere Einrichtung macht wie St. Vinzenz deutlich, wie sinnvoll sich gerade solche Sondereinrichtungen in den Prozess der Inklusion einbringen können – also für das ganz selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung.“ Die Zusammenarbeit von St. Vinzenz mit der Grund- und Mittelschule an der Lessingstraße für eine inklusive Beschulung in Partnerklassen am Nachmittag zeige, wie Förder- und Regelschulen zusammenarbeiten können und sollten. Frank zeigte sich davon überzeugt, dass es Einrichtungen wie das Caritas-Zentrum auch in Zukunft geben werde, „denn sie werden weiterhin gebraucht zum Wohl von Menschen mit Behinderung – und auch für jene, die mit ihnen zusammenleben, lernen und arbeiten“. Er brachte allerdings auch die Sorge wegen des Fachkräftemangels sowie der sinkenden Kirchensteuereinnahmen zum Ausdruck.

Lob von Landrat und OB

Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel zeigte sich von der Tatsache beeindruckt, dass in St. Vinzenz Menschen vom Säugling bis zum Greis betreut werden: „Die älteste Bewohnerin in den Wohngruppen St. Anna ist ja bereits über 90 Jahre alt.“ Lösel sieht in der Einrichtung nicht nur „einen ganz wesentlichen Baustein für Menschen mit Behinderung, sondern auch grundsätzlich für die ganze Stadt und Region“. Das Caritas-Zentrum trage dazu bei, echte Teilhabe zu ermöglichen. Viele Initiativen dort könnten Menschen mit sowie ohne Behinderung helfen, ihr Potenzial zu entwickeln. Eichstätts Landrat Anton Knapp bezeichnete St. Vinzenz als „Erfolgsmodell“. 

Einrichtungsleiter Markus Pflüger ließ in seinem Vortrag verschiedene Begriffe Revue passieren, die die Arbeit mit Menschen mit Behinderung in den vergangenen Jahrzehnten bestimmt haben: Heilen, „Normalisierung“, Integration, Selbstbestimmung und Inklusion. Pflüger stellte klar, dass die vielzitierte „Inklusion“ in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen als Begriff gar nicht vorkomme. Dort heiße es vielmehr, „dass der dem Wohl des Kindes am besten geeignete Bildungsort“ gewählt werden solle. Und das könne, müsse aber nicht die Regelschule sein. Für Pflüger sind Integration und Inklusion zwei Seiten einer Medaille: „Der Mensch mit Behinderung muss selbst seinen Teil dazu beitragen, sich zu integrieren, indem er zum Beispiel Rollstuhl fahren lernt.“ Für die Inklusion müsse andererseits die Gesellschaft die nötigen Rahmenbedingungen ermöglichen: etwa durch Schaffung eines Aufzugs, aber auch indem sie grundsätzlich „Inklusion im Kopf hat“.

Zur Geschichte des Caritas-Zentrums St. Vinzenz gehört auch, dass dort der erste Fanclub des FC Ingolstadt 04 entstand. Als Dank dafür überreichte Werner Roß als Repräsentant des Fußballvereins an St. Vinzenz-Schulleiter Rainer Grupp ein Trikot mit der Aufschrift „50 – Danke für Eure Unterstützung“. 

Peter Esser/gg


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 47 vom 24. November 2019

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