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17.03.2017

Geistig wache Christinnen

Seit 1886 gibt es in Eichstätt die Marianische Frauenkongregation Immaculata. Geistig wache Christen sollten sie sein, die Mitglieder der Marianischen Congregration (MC) Immaculata in Eichstätt.Dazu ermunterte sie 1957 der damalige Präses Domprediger Ewald Fröhlich im sogenannten Marienbrief.

Schwester Rigoberta Eger trat 1949 als Schülerin in die Marianische Frauenkongregation Immaculata in Eichstätt ein. Aus dieser Zeit stammt das Gruppenbuch, in das jede Woche handschriftliche Einträge erfolgten. Foto: Franzetti

Die Vereinigung solle mehr sein „als nur ein Verein zur Pflege schöner Erinnerungen“, schreibt Fröhlich weiter. Aufgabe und Verpflichtung der Mitglieder sei es, „die Kirche Christi gegen alle Angriffe zu verteidigen“.

Die Englischen Fräulein

Die Geschichte der Frauenkongregation und des Englischen Instituts sind „so eng und innig miteinander verbunden, dass beide nicht voneinander zu trennen sind“, ist 1956 in einer Festschrift zum 70-jährigen Bestehen der Vereinigung zu lesen. Als Gründungsdatum taucht in den Chroniken der 3. Februar 1886 auf. Beim ersten Titelfest im Dezember jenes Jahres erfolgte die Aufnahme der „ersten Marienkinder“. Die Aufzeichnungen nennen Mater M. Milburgis Schinabeck, Anna Häcker, Charlotte Hugendubel, Ludmilla Küffner und Regina Weckler, geborene Dallmayer. Der Gründung vorausgegangen waren jahrelange Bemühungen. Am 1. Mai 1869 zogen die Englischen Fräulein, heute Congegratio Jesu, in ein Haus am Eichstätter Residenzplatz und nicht in die Sommerresidenz, wie es Bischof Franz Leopold von Leonrods Wunsch gewesen war. 1880 kauften die Schwestern das sogenannte Magdalener-Haus, in dem sie eine Kapelle einrichteten. Am Rosenkranzfest 1882 weihte Regens Dr. Johann Evangelist Pruner die Kapelle. Das Altarbild zeigte Maria Verkündigung. 1883 bat Oberin Schwester M. Cölestine von Schiltberg um die Errichtung einer Frauenkongregation. Der Bischof lehnte ab, weil „kein Geistlicher als Präses zu haben war“. Drei Jahre später setzte von Schiltbergs Nachfolgerin, Mater M. Elise Blume, ein zweites Schreiben an das Generalvikariat auf. Am 4. September erhielt sie Antwort und am 3. Februar und am 18. Mai die erforderlichen Urkunden, ein Exemplar der Statuten und ein Verzeichnis der Ablässe und Privilegien, „welche dem frommen Bündnis verliehen“ werden.

Neue Statuten ab 1908

1908 wurden die Statuten von Oberin Clothilde Gentner neu gefasst und am 1. November von Bischof Johannes Leo von Mergel bestätigt. Am 8. Dezember fand die erste Generalversammlung mit Aufnahme von 30 Mädchen und Frauen statt. „Nach der gemein-samen Andacht in der Hauskapelle wurden fünf Ausschussmitglieder gewählt für die Kassenführung und die Schriftführung.“ Im Januar 1909 beschlossen die Mitglieder, dass jährlich zwei Kommunionkinder ausgestattet werden sollen. Die Kleider nähten die Mitglieder meist selbst.
Überhaupt hatte und hat die Frauenkongregation stets ein offenes Ohr für Bedürftige und Hilfsprojekte. 1963 flossen 300 Mark nach Poona, Eichstätts indisches Partnerbistum, und 1983 beispielsweise gingen je 1.500 Mark an die Korea-Mission der Englischen Fräulein und an Pfarrer Konrad Fischer in Korea. 1989 lag die Spendensumme bei 6.000 Mark. Zum Hauptfest im Dezember 2016 spendeten die Frauen 2.000 Euro für den Bau einer neuen Kathedrale in der Diözese Kibungo in Ruanda und 1.000 Euro für ein Projekt mit Behinderten von Pfarrer Fischer in Korea. Zum ersten Mal seit vielen Jahren war die MC aus organisatorischen Gründen für den Gottesdienst in die Kreuz-Kapelle des Priesterseminars ausgewichen. Heuer soll wieder in der Kapelle der Congregatio Jesu am Residenzplatz gefeiert werden, wo mit wenigen Unterbrechungen immer die geistige Heimat der Sodalinnen war.

In der NS-Zeit war die Kongregation de facto aufgelöst und jegliche Tätigkeit nach außen verboten. Bischof Dr. Michael Rackl jedoch lud die Mitglieder ab 1938 in seine Hauskapelle ein, um dort mit ihnen das Hauptfest zu begehen. Nach dem Krieg erfolgten 1948 erstmals wieder Neuaufnahmen. Im Jahr darauf trat Renate Eger der MC bei. Zusammen mit elf Mädchen bildete sie die Gruppe „Bernadette von Lourdes“. Auch nach fast 70 Jahren erinnert sich die Eichstätterin, die später in die Congregatio Jesu eintrat und den Ordensnamen Rigoberta annahm, noch voller Begeisterung an diese Zeit. Der damalige Präses Andreas Karch „hat uns viele Impulse fürs Leben gegeben“. Er sei „menschenfreundlich“ gewesen und habe „viel für die Jugend getan“, blickt sie zurück. In jeder Gruppenstunde seien zwei neue Lieder eingeübt worden, ein weltliches und ein geistliches, erzählt Schwester Rigoberta. Welche Stücke das waren, steht in ihrem alten Gruppenbuch. Reihum trugen die Mädchen Woche für Woche ein, was auf dem Programm stand. Am 25. April 1951 erfolgte der letzte Eintrag: „Unsere Prüfungen sind vorüber.“

Lebenslang verbunden

Mit dem Abschluss an der Maria Ward-Schule endete für viele junge Sodalinnen oft ihre Zeit in Eichstätt, jedoch nicht die Verbundenheit zur MC. Dies beweisen die jährlichen Treffen zum Hauptfest oder auch die wieder eingeführten Einkehrtage (siehe Beitrag Seite 4). Das Hauptfest ähnelt ein wenig einem frommen Klassentreffen. Manche fahren über 100 Kilometer, um dabei zu sein. Rita Schauer ist vor 50 Jahren der MC beigetreten: „Es gibt keinen Grund auszutreten“, bekennt sie ihre Treue. Bettina Döbler ist die Frauenkongregation auch nach 51 Jahren Mitgliedschaft immer noch wichtig. Maria gebe ihr „Halt und Struktur bei schwierigen Problemen im Alltag“. Von Maria als geistiger Mutter spricht Gertrud Maria Kytzia. Die Lebensweihe an Maria, „nehme ich ernst“.

Viele Erinnerungen an ihre Jugendzeit in der Kongregation haben auch Maria Albrecht, Ottilia Schuller und Walburga Schlamp. Früher habe es immer wieder Maiandachten und eine Wallfahrt auf den Eichstätter Frauenberg gegeben. Noch heute sind alle drei immer wieder pilgernd unterwegs, zur Muttergottes nach Wemding oder Altötting. „Maria spielt eine Rolle in meinem Leben“, sagt Albrecht. „Ich rufe die Muttergottes immer im Gebet an. Wir sind so erzogen worden durch die Klosterschwestern“, berichtet Lisa Kresse, ebenfalls Sodalin.

Vieles über die Aktivitäten der MC findet sich in den jährlichen Marienbriefen, die im Diözesanarchiv aufbewahrt werden. Dort ist zu lesen, dass 1937 eine Hausdurchsuchung durch die Gestapo bei der Schriftführerin der MC, Lilly Yblagger, stattfand. Vergeblich: Das Verzeichnis der Mitglieder war zuvor in Sicherheit gebracht worden und lagerte bei Präses Johann Schielle. Über den Mitgliederstand wird 1956 berichtet, er lag damals bei 680. Beim Hauptfest in jenem Jahr erinnerten die Frauen an den Ungarn-Aufstand und hatten eine ungarische Fahne zu Füßen der Immaculata-Statue gelegt. Gesellschaftliches und kirchliches Engagement zeigten die Sodalinnen zeitlebens. Davon zeugen die jährlichen Spenden für Projekte in aller Welt und vor allen Dingen der persönliche Einsatz der Frauen in unterschiedlichsten Funktionen und Ämtern. Prälat Ewald Fröhlichs Appell vor über 50 Jahren scheint gefruchtet zu haben. Er rief die Sodalinnen seinerzeit auf, „Verantwortungsscheu abzulegen“, und Bereitschaft zu zeigen für „aktive Mitarbeit im pfarrlichen und gesamtkirchlichen Leben“.

Andrea Franzetti, Kirchenzeitung Nr. 12 vom 19.3.2017

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