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07.04.2017

Gemeinsame Kraft aus dem Evangelium

Beim Ökumenischen Gottesdienst zum Reformationsgedenken in der ehemaligen Benediktiner-Klosterkirche in Auhausen wurde vom Augsburger Oberkirchenrat Michael Grabow und dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke die Verpflichtung erneuert, alles zum Wachsen der ökumenischen Gemeinschaft beizutragen.

Einen brüderlichen Friedensgruß tauschten Bischof Gregor Maria Hanke und Regionalbischof Michael Grabow aus. Foto: Tippl

Heilsame Erinnerungen

In einer leidenschaftlichen Predigt lobte der Eichstätter Bischof den Augustiner-Mönch Martin Luther, sein Antrieb sei „eine Sehnsucht nach einer Reform der Kirche aus dem Geist des Evangeliums“ gewesen. Doch die damaligen Kirchenoberen hätten diesen Weckruf ignoriert, sich damit sogar „schuldig gemacht“. Man sei zusammengekommen in der Freude am Evangelium und in der Trauer über die Spaltung, führte Bischof Hanke zu Beginn aus. Regionalbischof Grabow sprach von Erinnerungen, die geheilt werden müssten. Man schaue auf Misslungenes wie Gelungenes, doch in der Gewissheit, dass unendlich viel mehr Protestanten und Katholiken vereine, als trennt.

Gemeinsam mit den Geistlichen und Lektoren zogen die beiden Bischöfe, angeführt vom Auhausner Präparand Leif Meierhuber, in die mächtige Klosterkirche ein. Regionalbischof Grabow dankte für die Präsenz des Eichstätter Bischofs bei diesem Gottesdienst an einem für den Benediktiner-Mönch Hanke wichtigen und geschichtsträchtigen Ort. Die Gründung der Protestantischen Union im Jahr 1608 in Auhausen und die darauffolgende Gründung der Katholischen Liga sehen Historiker laut Grabow als einen Auslöser des unsäglichen 30-jährigen Kriegs.

Im Ries des Jahres 2017 hingegen werde eine gute konfessionelle Gemeinschaft gelebt, was der Augsburger Regionalbischof anhand von Simultankirchen, etwa die in Ehingen/Ries, aufzeigte. In seiner Predigt erinnerte Bischof Hanke daran, wie sich die Reformation zu einem Politikum entwickelt und Verschmähungen, Verletzungen und Krieg hervorgebracht habe, die einem, so Hanke, „die Schamesröte ins Gesicht treiben“.

Es sei geboten, sich gemeinsam unter das Kreuz zu stellen und Gott um Verzeihung zu bitten. Denn das Kreuz sei laut Hanke „ein wirkmächtiges Zeichen gegen alle Versuche des Menschen, andere zu Opfern und Sündenböcken zu machen für das Durchbrechen des Sündenbockmechanismus“. Mit Verweis auf das Evangelium vom Weinstock und den Reben, vorgetragen vom Wassertrüdinger Dekan Hermann Rummel, sei Christus der Weinstock und somit gemeinsame Wurzel der Christen. Miteinander Beten, Singen, die Heilige Schrift teilen und sich austauschen, sei wichtig, denn „Ökumene beinhaltet Aufmerksamkeit für das Anderssein und lässt uns in der Haltung den Dialog und das Ringen um die Einheit fortsetzen“. „Lasst uns den Weg Gottes zu den Menschen miteinander gehen, brechen wir vom Kreuz Christi auf zur Gemeinschaft“, schloss der Eichstätter Bischof.

Perspektive der Einheit

Die Lektoren und Geistlichen sprachen die fünf Imperative des Studiendokuments „Konflikt zur Gemeinschaft“ und entzündeten jeweils eine Kerze. Katholische und evangelische Christen sollen von der Perspektive der Einheit und nicht von der der Trennung ausgehen, sollten einander begegnen und sich vom gegenseitigen Zeugnis verändern lassen, nach der sichtbaren Einheit suchen und erstreben, die gemeinsame Kraft des Evangeliums entdecken und in der Verkündigung zusammenwirken, so die Forderungen.

Musikalisch gestalteten den Gottesdienst der Posaunenchor Auhausen unter Leitung von Tobias Bederke und Kantor Reinhold Müller an der Orgel.

Im Anschluss hatte die Kirchengemeinde einen Empfang im Gemeindehaus vorbereitet, bei dem Bürgermeister Martin Weiß die große Ehre des Besuchs beider Bischöfe für den Ort hervorhob. Auhausens Historie sei von Wandel und Zugehörigkeit zwischen Oettingen und Ansbach, zwischen Schwaben und Franken, gekennzeichnet und lebe gut als Scharnier einer Grenzregion.

„Ökumene lebt von Begegnung und braucht Raum in einer Gemeinde betonten die beiden Bischöfe und dankten der Kirchengemeinde Auhausen für die Schaffung dieses Raums und die Gastfreundschaft.

Peter Tippl/hebe, Kirchenzeitung Nr. 15 vom 9.4.2017

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