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29.12.2020

Gemeinschaft – ganz selbstverständlich / Wie in Familienkreisen Vertrautheit wächst und Kirche lebt – zum Beispiel in Georgensgmünd

Höchstens zwei Hausstände“, so lautet im Corona-Lockdown das Limit für Unternehmungen im Freundes- und Bekanntenkreis. Mit befreundeten Paaren im Wohnzimmer zusammensitzen und gemeinsame Urlaubserinnerungen austauschen? Oder eine ausgiebige Winterwanderung im Kreise von Vereinsmitgliedern unternehmen? Gesellige Zeitgenossen sehnen die Zeit herbei, in der das wieder möglich ist. Zum Beispiel die Mitglieder von Familienkreisen.

 

Wie in Familienkreisen Vertrautheit wächst und Kirche lebt

Ein Netz knüpfen, das Verbindung schafft: Dies ist dem Familienkreis Georgensgmünd gelungen. Regelmäßig fanden Freizeiten statt. Alle hoffen, dass das bald wieder möglich ist.            Foto: vb

Denn, so heißt es auf der Homepage des diözesanen Referats Ehe- und Familienpastoral, „ein Familienkreis tut gut, weil er hilft, Sorgen zu teilen, einander zu stärken und zu trösten, einander zu unterstützen, Neuzugezogene zu integrieren, Glauben zu erfahren. Jeder wird angenommen wie er ist und kann sich mit seinen Stärken und Schwächen einbringen.“ Anlässlich des Familiensonntags, den die Kirche am Fest der Heiligen Familie am 27. Dezember beging, stellt die KiZ ein Paradebeispiel vor, den Familienkreis Georgensgmünd im Dekanat Roth/Schwabach. 

 

Derzeit ausgebremst

„Ja, momentan sind wir ziemlich kalt gestellt“, seufzt Ansprechpartner Richard Meyer am Telefon: „Es gab mittlerweile schon ein paar digitale Treffen, aber das ersetzt halt nicht die persönlichen Kontakte“. Wobei der 57-Jährige keinen Anlass zum Leichtsinn sieht: Seine Frau arbeitet als Altenpflegerin im Seniorenheim des Klosters Abenberg. Was ein Corona-Ausbruch gerade unter betagten Menschen anrichten kann, das sei hinlänglich bekannt.

Als junger Familienvater – die Söhne sind heute 23, 19 und 15 – gründete Meyer vor 17 Jahren den Familienkreis. In der Pfarrei war er damals schon ein bekanntes Gesicht: Als Pfarrgemeinderat übernahm er viele Aufgaben und fühlte sich pudelwohl im Team der Ehrenamtlichen. „Wir waren wie eine Clique, die vieles zusammen anpackte“, erinnert er sich. Bei allen Aktionen habe die Ausgangsfrage stets gelautet: „Wie schaffen wir es, als Pfarrei für Jugendliche attraktiv zu sein?“ Offenheit statt Abschottung, habe die Devise gelautet. Er gerät fast ins Schwärmen, wenn er von Sonntagen erzählt, an denen nach dem Gottesdienst noch Dutzende von Leuten auf dem Kirchplatz beieinanderstanden und ratschten. In dieser Atmosphäre seien auch Neuzugezogene „ruckzuck reingewachsen“. Nur der Familienkreis bestand schon eine Zeitlang nicht mehr. Bis Meyer vorschlug: „Wir könnten doch wieder einen gründen!“ 

Um das Ganze auf solide Beine zu stellen, setzte er sich gleich zu Beginn mit dem Leiter des Referats Ehe und Familie, Dr. Peter Ulrich, in Verbindung.  „Wir haben dann begonnen mit einem Familienwochenende im Haus Bethanien in Velburg“, erinnert sich Meyer. Die dreitägigen Fahrten, die fortan jedes Jahr unternommen wurden, kamen so gut an, dass sie schließlich auf fünf Tage ausgedehnt wurden, immer in den Herbstferien. „Wir waren eigentlich überall“, blickt Meyer zurück. „In Pfünz und auf dem Habsberg, am Hesselberg, in Sulzbürg oder im Schönstattzentrum am Canisiushof. Vergangenen Herbst wären wir eigentlich nach Bad Königsstein im Bistum Würzburg gefahren.“ Corona kam dazwischen. 

 

Jugendleiter-Nachwuchs

Nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder genossen stets die gemeinsame Zeit in den Herbstferien. Mittlerweile sei der Jüngste in der Runde zwölf, erzählt Meyer. Andere mit 18, 19 „wachsen langsam heraus“. Oder sie sind längst als Betreuer dabei. Aus dem Familienkreis gingen immer wieder Jugendleiterinnen und -leiter für die Pfarrei hervor. Mit ihrem frisch erworbenen „Juleica“-Ausbildungszertifikat hätten sie dann auch gleich das Kinderprogramm des Familienkreises übernommen, erzählt Meyer. Nicht zufällig entschieden sich viele Kinder aus dem Familienkreis für den Ministrantendienst.

Abgesehen von den fünftägigen gemeinsamen Freizeiten war auch die Organisation des Pfarrfaschings ein wichtiger Punkt im Jahresprogramm. 2020 fand der Faschingsball noch statt, aber er sollte die letzte größere gemeinsame Veranstaltung im Corona-Jahr gewesen sein. Meyer hofft, dass das im kommenden Frühjahr geplante Einkehrwochenende mit Pastoralreferent Georg Brigl am Hirschberg stattfinden kann. In den Herbstferien soll es heuer ins Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach gehen.

Im Lauf der Jahre ist die eine oder andere Familie, deren Kinder das Haus verließen, ausgeschieden. Dafür sind Neue hinzugestoßen, besonders nachdem das Angebot vor sieben Jahren über die Pfarrei hinaus auf den gesamten Pfarrverband ausgeweitet wurde. Die Mitgliederzahl pendelte sich aber stets bei etwa 30, 35 Kindern und Erwachsenen ein. Bei einer noch größeren Gruppe würden gemeinsame Unternehmungen schwierig, findet Meyer. 

Seit der Gründung des Georgensgmünder Familienkreises ist bereits wieder eine neue Elterngeneration herangewachsen. Ob man die mit hereinnehmen könne, „darüber haben wir mal diskutiert“, meint Meyer. Aber die jungen Mütter und Väter hätten ihre eigenen Themen und bräuchten ihren eigenen Kreis. 

 

Ein neuer Name?

Im bestehenden, „gereiften“  Familienkreis gewinnt statt der Erziehungsfragen das Thema Beziehung an Bedeutung. Vergangenes Jahr auf dem Hesselberg, als gleich mehrere Silberhochzeiter mit von der Partie waren, wurde es bei einem Candlelight-Dinner sogar richtig romantisch. Bald, so ist Meyer klar, wird die Zeit kommen, „dass die Kinder sich verabschieden. Dann sind wir kein typischer Familienkreis mehr. Dann brauchen wir einen neuen Namen.“ Aber der Bezug zum Glauben müsse bleiben, wünscht sich der 57-jährige Siemens Energy-Mitarbeiter und Hobby-Winzer, der in Georgensgmünd auch einen ökumenischen Männerbibelkreis leitet. Hauptsache sei, dass die Kirche Willkommenskultur ausstrahle, „und sich öffnet, wie eine Blume“.  

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 4 vom 24.1.2021

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