Zum Inhalt springen
21.10.2020

„Glauben, hoffen, lieben und dienen“ Vor 40 Jahren wurde der erste Ständige Diakon im Bistum geweiht / Fast ein Drittel Ruheständler

Es war ein Meilenstein für die Diözese, über den die Kirchen-zeitung im Oktober 1980 berichtete: In der Wemdinger Pfarrkirche St. Emmeram weihte Bischof Alois Brems den Familienvater und selbständigen Kaufmann Werner Appl zum ersten Ständigen Diakon im Bistum. „Die Weihe verwurzelt den Diakon in Jesus Christus, der unter uns ein Dienender war“, stellte Brems fest und umriss die Herausforderung, die den damals 43-jährigen Weihekandidaten erwartete: „In Familie und Beruf wird sich die besondere Christusverbundenheit seines Lebens, sein Glauben und Hoffen, sein Lieben und Dienen zu bewähren haben.“

Glauben, hoffen, lieben und dienen. Vor 40 Jahren wurde der erste Ständige Diakon im Bistum geweiht

Austausch: Ende September traf sich der Sprecherrat der Ständigen Diakone v. l.: Franz Heim, Udo Jung, Bernd Grünauer, Thomas Rieger in Eichstätt mit Bischof Gregor Maria Hanke.   Foto: vb

Die Predigt habe nichts von ihrer Aktualität verloren, meint Appl heute. Mit Bischof Gregor Maria Hanke und seinen Mitbrüdern im diakonalen Dienst, von denen es heute fast 50 in der ganzen Diözese gibt, beging der 83-Jährige jetzt in seiner Heimatkirche St. Emmeram das Jubiläum „40 Jahre Ständige Diakone im Bistum Eichstätt“.

 

Hartnäckigkeit siegt

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil war dieses Amt neu entdeckt worden: Schon zur Zeit der Apostel hatte es den Diakonat gegeben. Nun wurde er wieder als eigenständiges Amt eingeführt. Einige Diözesen reagierten prompt: In Köln wurden 1968 die ersten Diakone geweiht, in Augsburg 1969. In Eichstätt habe es aber zunächst geheißen „wir haben ja noch genug Pfarrer“, erinnert sich Appl, der den Ständigen Diakonat hartnäckig ins Bewusstsein rief. Seine Erkenntnis damals: „Laiengremien begeistert, Kapitel reserviert.“ Schließlich brachte er seinen Wunsch direkt an oberster Stelle an: Als Mitglied des Diözesanrats wandte er sich beim Neujahrsempfang 1974 an Bischof Alois Brems, der sich „sehr aufgeschlossen“ gezeigt habe. Weil es im Bistum Eichstätt aber noch keinerlei Ausbildungstrukturen gab, wurde Appl ans Bistum Augsburg verwiesen, das damals in Sachen Ständige Diakone mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammenarbeitete. 1976 begann er Theologie im Fernkurs zu studieren. Die regelmäßigen Bewerberkreis-Treffen absolvierte Appl im Exerzitienhaus Leitershofen.

Was er damals nicht wusste: Am anderen Ende des Bistums machte sich ebenfalls ein Mann auf den Weg: Werner Klösel, studierter Volks- und Sonderschullehrer mit Hauptfach Religion, engagierte sich seit Jahren ehrenamtlich für Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg. Ständiger Diakon zu werden, „das wär’ was für dich“, empfahl ihm schon Mitte der 1970er-Jahre sein damaliger Ortspfarrer Stephan Dierig in Nürnberg/Menschwerdung Christi. Jahre später, als Klösel bereits mit Frau und drei Kindern in der Pfarrei Roßtal lebte, entsprach die Diözese schließlich seinem Wunsch  und entsandte ihn in den Bamberger Bewerberkreis, ehe bald darauf ein solcher auch in Eichstätt entstand. Im Herbst 1983 wurde Klösel von Bischof Alois in Roßtal zum zweiten Ständigen Diakon im Bistum geweiht.

Dass der Oberhirte die Weihen nicht im Eichstätter Dom vollzog, sondern hinausging ins Bistum, „das war damals ganz neu“, erinnert sich Appl, der nach vier Jahrzehnten dankbar feststellt: „Der größte Dank für mich war, dass meine Heimatgemeinde meinen Dienst von Anfang angenommen und mitgetragen hat. Nie hatte sie Schwierigkeiten mit dem neuen Amt. Nie ist mir an der Kommunionbank jemand ausgewichen.“ 

Im Telegrammstil formuliert Appl, wie vielfältig sein Dienst war: von Ministranten- und Jugendarbeit über Krankenkommunion bis zur Mitarbeit beim ökumenischen Friedensgebet. „Der liturgische Dienst, der mich am meisten getroffen hat, waren Beerdigungen“, sagt er. Erfüllend fand er es, Religionsunterricht in der Hauptschule zu erteilen, zehn Jahre lang, sechs Stunden pro Woche. Über alldem führte Appl sein Geschäft in Wemding ganz normal weiter. Frau und Tochter haben seinen Einsatz als Diakon mit Zivilberuf stets mitgetragen. „Das ist immer eine Sache der ganzen Familie“, spricht er vielen Mitbrüdern aus der Seele. „Bischof Alois sagte malzu meiner Frau: ,Sie sind nicht geweiht, aber Sie sind berufen.‘“ Apropos Frau und Berufung: Schon vor 40 Jahren, erinnern sich Klösel und Appl übereinstimmend, brachten Ordensfrauen, die in der Mission arbeiteten, den Diakonat der Frau ins Spiel.

 

Brennpunkte und Nischen

Zu den ersten hauptamtlichen Ständigen Diakonen im Bistum Eichstätt gehörte Thomas Gerl ausIngolstadt. Zwölf Jahre arbeitete er bereits als Gemeindereferent, als er seine Ausbildung zum Diakon begann. 1992 empfing er die Weihe durch Bischof Karl Braun. Seinerzeit habe man die Weihe Ständiger Diakone in erster Linie als Antwort auf die sinkende Zahl von Kaplänen betrachtet, meint Gerl. In Pfarreien mit vielen Taufen und vielen Beerdigungen habe es geheißen: „Für die Casualien brauchen wir einen Diakon.“ Heute stehe „Gott sei Dank“ eher die Überlegung im Vordergrund, welche diakonalen Schwerpunkte Diakone vor Ort abdecken, meint Gerl. Das könne die Seelsorge ineinem Klinikum sein, in einem großen Altenheim oder auch in sozialen Brennpunkten. „Diese Entwicklung haben wir immer versucht, anzuregen. Und das ist uns über die Jahre auch gelungen“, bilanziert Gerl, der, mit Unterbrechung, 21 Jahre lang Sprecher seiner Berufsgruppe war.

Seit Frühjahr 2020 haben die Diakone einen neuen Sprecher, Thomas Rieger. Der gebürtige Wemdinger war seinerzeit als Ministrant bei Werner Appls Diakonenweihe dabei. „Der Werner“, blickt er zurück, „war für mich immer derjenige, der draußen war bei den Menschen. Durch ihn wurde mir klar, dass so ein Weg möglich ist, auch neben dem Beruf, auch wenn man kein Volltheologe ist“.

Rieger, 2013 von Bischof Hanke geweiht, zeigte dann, was außerdem noch möglich ist: 2015 wechselte der gelernte Krankenpfleger nach entsprechender Weiterqualifizierung als erster Ständiger Diakon im Bistum vom Nebenamt in den Hauptberuf. Heute ist er mit einer halben Stelle Referent für Notfallseelsorge im Bistum. Die restlichen Stunden bringt er in der Pfarrei ein, gibt Religionsunterricht, hält Taufen. Dass junge Leute Kirche nicht kritiklos betrachten, das weiß Rieger von seinen drei Söhnen. „Mein Ältester ist 23. Die Diskussionen am Mittagstisch, die gibt’s auch bei uns.“

Diakone im Hauptberuf sind in den pastoralen Stellenplan einbezogen und für die Diözese eine feste Größe. Aber, meint Rieger, „das eigentlich Diakonische, das an die Ränder gehen, das kann ein Diakon im Zivilberuf auch“. Bei Bernd Grünauer sind dies zum Beispiel regelmäßige Besuche in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. „Man findet seine Nischen“, sagt er. Der Ingenieur und Vater von vier Kindern, der den Kirchenverwaltungen des Bistums als Klimaschutzmanager ein Begriff ist, ist seit 2009 Diakon. Es war eine denkwürdige Weihe damals, im Eichstätter Dom. Denn auch zwei Priesteramtskandidaten, für die der Diakonat nur eine Durchgangsstation war, gaben dem Bischof ihr Versprechen. Der Kontakt zu den beiden sei bis heute intensiver als zu anderen Priestern, erzählt Grünauer. 

Sein Amt sei für ihn noch immer etwas Besonderes, meint er, „eher Erholung als Arbeit“. Und doch gibt es Punkte, die auch Diakonen mit Zivilberuf auf den Nägeln brennen. Deshalb haben  sie mit Grünauer einen eigenen Vertreter im Sprecherrat. Er achtet zum Beispiel darauf, dass Fortbildungen nicht ausschließlich unter der Woche stattfinden. Denn „da können Diakone mit Zivilberuf nicht teilnehmen“. Polizisten und Journalisten, Malermeister, Architekten und Beamte – die Ständigen Diakone im Bistum gehen den unterschiedlichsten Tätigkeiten nach. Und doch eint sie ein Wunsch, den IT-Manager Markus Weinländer im frisch gedruckten Info-Flyer der Ständigen Diakone ausspricht: „Brückenbauer sein zwischen der Kirche und einer Welt, die nur mehr schwer einen Zugang zur Kirche findet.“ 

Gabi Gess


Beitrag als PDF

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de

Bezugspreise (ab Jan. 2020):
Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 8,30 €
(7,15 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr);
durch die Post monatlich 9,05 €;
Einzelnummer 2,10 €.