Zum Inhalt springen
12.05.2017

Gott liebt seine Geschöpfe, wie sie sind

„Woche für das Leben“ bei Regens Wagner eröffnet / Kinderwunsch und Pränataldiagnostik:

Der samtweiche Klang eines Saxofons erfüllt das Gelände des Müßighofs bei Absberg. Nur ein paar Schritte entfernt glitzert das Wasser des kleinen Brombachsees. Die Kulisse für den ökumenischen Eröffnungsgottesdienst zur Woche für das Leben könnte kaum idyllischer sein.

Gottesdienst im Grünen: Auf dem Müßighof, einer Außenstelle von Regens Wagner Absberg, eröffneten Bischof Gregor Maria Hanke und Regionalbischöfin Gisela Bornowski die „Woche für das Leben“ im Bistum. Foto: Gess

Menschen mit und ohne Behinderung haben sich versammelt, um gemeinsam mit Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke und der Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Gisela Bornowski, ein Zeichen zu setzen für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens.

Lob für Vorbereitung

Der mehr als 500 Jahre alte Müßighof ist seit 1930 ein Teil des regionalen Zentrums von Regens Wagner Absberg, das sich der Betreuung von Menschen mit Behinderung widmet. Der Tradition der Dillinger Franziskanerinnen folgend, wird seit dieser Zeit auf dem Hof Landwirtschaft und Gartenbau betrieben. Esel, Alpakas und viele Kleintiere werden auf dem weitläufigen Gelände gehalten. Deshalb war zum Auftakt der Woche für das Leben auch ausdrücklich Einladung an Familien mit Kindern ergangen. Teresa Loichen, Referentin für den Fachbereich Lebensschutz des Bistums, ist ganz begeistert, „mit wie viel Liebe und Ideenreichtum“ das Team vor Ort den Nachmittag vorbereitet hat. Töpfern, Malen, Samenkörner in die Erde pflanzen oder Esel übers Gelände führen, die Stunden vergehen wie im Flug.

Wo sind die Grenzen?

Aber der Auftakt zur Woche für das Leben ist mehr als ein bunter Nachmittag für Groß und Klein. Von einem hölzernen Steg, der einer Kanzel gleich am Seeufer errichtet worden ist, werden Gedanken und Impulse zum diesjährigen Motto „Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“ der bundesweiten Aktionswoche vorgetragen (siehe S. 5.).

Auch die Ansprachen im ökumenischen Gottesdienst setzen bei den Möglichkeiten an, die Reproduktionsmedizin und vorgeburtliche Diagnostik heute bieten. Aber, kann neues Leben erzwungen werden? Und wo liegen die Grenzen der Machbarkeit?

„Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war“, zitiert Bischof Hanke aus dem Psalm 139 und verweist auf das Staunenswerte bei der Entstehung jedes einzelnen Lebens. Jeder Mensch sei kostbar in den Augen Gottes. „Die Regens Wagner-Familie lebt uns das auf ganz besondere Weise vor“.

Regionalbischöfin Bornowski stellt anhand biblischer Schilderungen fest: „Jesus ist ein Kinderfreund“. Er habe damit neue Maßstäbe gesetzt, denn die Gesellschaft habe Kindern damals keine Beachtung geschenkt.

Elternsein braucht Mut

Auch heute empfänden sie manche als störend, zum Beispiel im Gottesdienst. Oder Eltern müssten sich die Frage gefallen lassen: „Wie kann man in diese Welt noch Kinder setzen?“ In der Tat brauche es Mut, Kinder zu bekommen und zu haben, meint Bornowski. „Das gilt für gesunde Kinder und erst recht für solche mit Handicap“. Eltern, die zu ihrem Kind trotz vorgeburtlich diagnostizierter Behinderung ja gesagt  haben, müssten sich rechtfertigen, warum sie „so was“ nicht verhindert hätten, erzählt die Bischöfin, die selbst Mutter von drei Kindern ist. Sicher könne manche pränatale Diagnose Mutter und Kind zum Wohl gereichen, „aber es darf zu keiner vorgeburtlichen Selektion kommen, das steht uns Menschen nicht zu“. Kinder mit Behinderung muteten ihren Eltern einiges zu, kosteten ihnen viel Kraft, nähmen sie in Anspruch, überzeugten nicht  als schulische Überflieger. Aber Gott liebe alle Kinder. „Er fragt nicht, ob sie gescheit, gesund oder goldig sind. Sie sind seine Geschöpfe, weil er sie gewollt und geschaffen hat“.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 20 vom 14.5.2017

Beitrag als PDF

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise: Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,00 € (5,90 € einschl. 7 % MWSt. + 1,10 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 7,80 €; Einzelnummer 1,70 €.