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01.02.2019

Gut gerüstet für die Zukunft. Der erste Kirchenbau Gabriel de Gabrielis im Hochstift, die Marienkirche in Hitzhofen, wird saniert

Die ehemalige Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung zu Hitzhofen wird derzeit umfassend restauriert. Nach Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen soll die Kirche, die vom genialen Baumeister Gabriel de Gabrieli erweitert und umgestaltet wurde, wieder für besondere Anlässe wie Taufen, Hochzeiten, Andachten und Konzerte genutzt werden.

Foto: Knöferle

Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Hitzhofen. Foto: Knöferle

Nach den Worten des Generalkonservators des Bayrischen Landesamts für Denkmalpflege, Prof. Dipl.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, ist die Kirche „überregional bedeutsam und prägt das kulturelle Erbe der Bundesrepublik Deutschland mit“. Der Kirchenbau zeigt sich als ein Beispiel für den Einfluss der Graubündener Schule im Eichstätter Raum. Wichtig ist auch der authentische Überlieferungszustand.

Bedeutende Stellung

Innerhalb der Bau- und Kunstgeschichte für die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts im Raum Eichstätt kommt der ehemaligen Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Hitzhofen eine bedeutende Stellung zu. Sie war der erste Kirchenbau Gabrielis im damaligen Hochstift Eichstätt.

Bei der Filialkirche und früheren Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Hitzhofen handelt es sich um eine Saalkirche mit Steil-dach, die im Kern ein Bau des zwölften Jahrhunderts ist. Dieses Gotteshaus des zwölften Jahrhunderts war eine sogenannte Chorturmkirche. Ihr Langhaus hatte eine Länge von 11,5 Metern, eine Breite von acht Metern und ihr im Kirchturm befindlicher Chor war quadratisch (2,4 Meter x 2,4 Meter). Errichtet wurde die Kirche aus Handquadern. Dieses Mauerwerk des zwölften Jahrhunderts kam bei der Sanierung zum Vorschein, nachdem der Putz abgeschlagen war. In Aussehen und Ausmaßen war die Marienkirche identisch mit der alten Nikolauskirche in Hofstetten und anderen Gotteshäusern, die im Zuge der Aufsiedlung des Fränkischen Juras im zwölften Jahrhundert errichtet wurden. 

Die alte Hitzhofener Kirche wurde in der Zeit von 1182-89 von Bischof Otto konsekriert, der von 1182-96 Eichstätter Oberhirte war. Dieser Bischof weihte auch die Kirchen in Hofstetten, Lippertshofen und Pettenhofen. 

Der Chorturm der alten Kirche erfuhr 1596 mit Fingergiebeln seine heutige Form. Ein Balken, dessen Holz laut Dendrochronologie im 17. Jahrhundert geschlagen wurde, weist auf eine bauliche Veränderung hin, die wahrscheinlich mit einem Wiederaufblühen der Wallfahrt im Zusammenhang stehen könnte. Es konnten Prozessionen, auch Umgänge genannt, im Inneren der Kirche stattfinden.

Der Ursprung der Hitzhofener Wallfahrt geht weit zurück. Schon 1338 bestand die sogenannte Dreimessen-Wallfahrt der Kirchen von Appertshofen, Hitzhofen und Pettenhofen und fand am dreitägigen Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli statt. 1350 wurde den drei Kirchen ein Ablass gewährt, der 1777 erneuert wurde. Dieser vollkommene Ablass ist allen Gläubigen verliehen, die dreimal im Jahr die Pfarrkirche Hitzhofen besuchen, beichten und kommunizieren, so auch am Fest Mariä Heimsuchung, Mariä Himmelfahrt und Mariä Lichtmess.

Barocke Umgestaltung

Gabriel de Gabrieli gestaltete den Umbau des Langhauses im Jahre 1722 – Verlängerung, Überformung der Fensteröffnungen und die Veränderungen an der Raumschale – betont schlicht, so dass er zu dem romanischen Turm der Kirche passte. Dem Kirchenraum gaben eine Voute (= runder Übergang zwischen Wand und Decke) und die Stuckaturen mit Akanthusranken, Bändern und Blattzweigen, die die drei marianischen Deckengemälde einrahmen, sein barockes Gepräge. 

Auftraggeber für den Kirchenumbau in Hitzhofen war der bau- und kunstverständige Weihbischof von Eichstätt, Dr. Johann Adam Nieberlein, der 1721 mit dem Hofbaudirektor Gabrieli nach Hitzhofen reiste, um den Platz zu besichtigen, den der Meierbauer zur Verlängerung hergegeben hatte. Nieberlein war ein besonderer Verehrer der Muttergottes zu Hitzhofen. Er vermerkte in einem Schriftstück: „Es möchte einmal ein Apostolischer Nuntius diese drei Kirchen besuchen, indem dieselben wegen ihres Alters in Rom wohl bekannt seien.“ Daher mag jener Vers stammen: „Appertshofen am See, Hitzhofen im Klee, Pettenhofen am Sand sind drei Kirchen, hier (in Rom) wohl bekannt“. Das Gemeindewappen von Hitzhofen führt seit 1983 das Kleeblatt, in Erinnerung an diese Wallfahrt.

Der marianische Hauptaltar sowie die Seitenaltäre aus der Zeit um 1700 stammen aus dem Vorgängerbau. Aus dieser Kirche kommen noch die Wallfahrts-Muttergottes (1470-80) mit dem Strahlenkranz und der Mondsichel, eine geschnitzte Figur mit einer Höhe von einem Meter, zu deren Seiten eine heilige Margareta mit der Kette und dem Drachen und eine Maria Magdalena mit einem Salbölgefäß stehen, die beide um 1520 geschaffen wurden. Diese beiden Figuren werden einem Bildschnitzer zugerechnet, der nach seinem Hauptwerk als „Meister des Preither Altars“ bezeichnet wird. Von derselben Künstlerhand stammt auch ein Relief, das den heiligen Wendelin darstellt. Ebenso stammt das Kreuz an der rechten Langhauswand aus der alten Kirche.

Maria als Bildprogramm

Ein Prachtstück ist die 1722 entstandene Kanzel von Giuseppe Venino, ein Werk mit diversem Bandelwerk, das die runden Evangelistenbilder rahmt. Die beiden Ölgemälde an den Langhauswänden, eine Mariä Verkündigung und die Anbetung der Hirten, sind Werke der Barockzeit aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.Insgesamt ist das Bildprogramm der Deckenfresken mit Mariä Aufnahme in den Himmel, Mariä Heimsuchung und Verkündigung, der Gemälde und Skulpturen ganz auf die Gottesmutter ausgerichtet. Die von Gabrieli geplante und umgebaute Kirche wurde am 4. Oktober 1722 geweiht. Im Jahr 2022 ist das 300-jährige Jubiläum dieser bedeutenden ehemaligen Wallfahrtskirche. 

Sanierung fast fertig

Die Außensanierung ist weitestgehend abgeschlossen. Der Zustand der Dachfläche, der Dachkonstruktion sowie der Außenwandflächen erforderte umfangreiche Reparaturarbeiten beim Dach-stuhl und den Außenwänden. Vor allem mussten die Balken im Traufbereich, die wie bei vielen barocken Kirchen vollkommen eingemauert waren und so morsch wurden, erneuert werden.

Seit Anfang 2018 läuft die Innensanierung der Kirche. Die Raumschale ist bereits restauriert und die Wandflächen, der Stuck und die Fresken an der Decke erstrahlen in neuem Glanz. 

Die Bilder der prachtvollen Kanzel von Guiseppe Venino wurden konserviert. Nach Reparatur und Rückbau der Treppe an den Kanzelkorb wird auch der Stuck der Kanzel behutsam restauriert. Die Altäre sind bis auf die Altartische bereits fertig konserviert und nach denkmalpflegerischen Grundsätzen restauriert. Es fehlen noch die Gemälde in den Seitenaltären, die nach Abschluss der Bodenarbeiten eingebracht werden. Am Hochaltar erstrahlen die Wallfahrtsmadonna und die beiden gleich großen Heiligenfiguren der Magdalena und der Margareta wie neu.

Karl Knöferle

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 8 vom 24.2.2019

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