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03.11.2020

Hallo Vollversammlung, bitte melden! Videokonferenzen und Online-Seminare: Verbindung halten im Bistum in Zeiten der Pandemie

Eigentlich hatte Gabriele Gottfried „das große Jammern“ über die derzeitigen Einschränkungen im kirchlichen Leben erwartet, als jetzt die Vollversammlung des Dekanatsrats Roth- Schwabach erstmals online tagte. Aber, so freut sich die Vorsitzende des Gremiums, „ganz im Gegenteil“. Unisono hätten alle von neuen Wegen berichtet, die sie angesichts der Pandemie eingeschlagen und erschlossen hätten.Wege, die es ermöglichen, in Verbindung und im Gespräch miteinander zu bleiben – gerade angesichts wieder verschärfter Auflagen. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr hat sich im Bistum so einiges getan.

Der Dekanatsrat Roth-Schwabach hielt seine Vollversammlung erstmals als Videokonferenz ab

Daheim im Arbeitszimmer statt im Begegnungszentrum: Der Dekanatsrat Roth-Schwabach (im Bild Vorsitzende Gabriele Gottfried) hielt seine Vollversammlung am vergangenen Wochenende erstmals als Videokonferenz ab. Foto: privat

„Wir haben so lange zugewartet“, beschreibt Gottfried die Hoffnung, die Vollversammlung in herkömmlicher Form halten zu können. Es wäre das erste Treffen seit einem Jahr gewesen, war doch bereits die Frühjahrsvollversammlung infolge der Pandemie auf den Herbst vertagt worden. Aber nachdem immer mehr Corona-Ampeln auf Rot umschalteten, habe es im Vorstand Bedenken gegen eine Präsenzveranstaltung gegeben, berichtet Gottfried. „Andererseits wollten wir die Versammlung nicht erneut ausfallen lassen. Also hat der Georg gesagt, er organisiert eine Videokonferenz.“

Georg Brigl ist nicht nur ehrenamtlicher Pfarrgemeinderat in Schwabach, sondern auch hauptamtlicher Dekanatsreferent für Roth- Schwabach und überdies Referent für Sakramentenpastoral im Bistum. Das System Webex- Meetings, mit dessen Anbieter die Diözese Eichstätt einen Vertrag hat, weiß Brigl mittlerweile zu schätzen. Videokonferenzen, wie sie durch Corona auf einen Schlag Einzug gehalten haben, werden auch über die Pandemie hinaus aktuell bleiben, schätzt er, „weil sie lange Wege ersparen“. Gerade hat er sich mit den Referenten aller Dekanate im Bistum vor dem Bildschirm kurzgeschlossen. Hätte dieser regelmäßige Austausch, wie bisher üblich, als Präsenzveranstaltung in Eichstätt stattgefunden, „dann wäre ich eineinhalb Stunden mit dem Zug unterwegs gewesen“, meint Brigl.

Auch für Verantwortliche in der Sakramentenvorbereitung bieten er und seine Kollegen bereits digitale Formate an. Dazu gehört das „Online@ Forum Katechese“. Dort gibt es zum Beispiel am 26. November Anregungen zur Gestaltung von Weggottesdiensten in der Erstkommunionvorbereitung. Im Januar lautet das Thema: „Firmpatentag im Pastoralraum gestalten“. Ob und wie sich diese Anregungen dann wiederum in der Sakramentenvorbereitung vor Ort herunterbrechen lassen, „das ist natürlich nochmal eine spannende Frage“, meint Brigl mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Fallzahlen. Konkret denkt er bereits darüber nach, einen Kurs für erwachsene Firmbewerber in Schwabach als Videokonferenz anzubieten. 

Für Gabriele Gottfried war das Online-Meeting eine spannende Erfahrung. Von der Gesprächsatmosphäre ist die 68-Jährige angenehm überrascht: „Es war fast gemütlich. Darum haben wir auch nicht, wie geplant, um 21 Uhr Schluss gemacht, sondern erst um 22 Uhr. Unseren Dekan, der auch dabei war, haben wir zum Schluss um ein Abendgebet und um den Segen gebeten.“. Einziger Wermutstropfen: Von etwa 30 potentiellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern nahmen gerade einmal zehn an der Videokonferenz teil. Für die ursprünglich geplante Präsenzveranstaltung in Hilpoltstein hatten sich dagegen immerhin 19 Delegierte angemeldet.

Nur zehn von 30? „Das wär‘ bei uns genauso“, schätzt Johann Mederer, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Pölling und einer der Hauptverantwortlichen für den Internetauftritt des Pfarrverbands Neumarkt-West. Der Mittsechziger hatte von Berufs wegen viel mit EDV zu tun und ist stets auf dem aktuellen Stand. Es gebe im 16-köpfigen Pfarrgemeinderat aber Senioren, die zwar ein Handy besitzen und ab und zu eine Mail verschicken, „aber eine Videokonferenz, das geht nicht“. In vielen Haushalten stehe ein alter PC, „das ist halt die Realität. Wir haben auch eine Pfarrgemeinderätin, die sehr fleißig ist und viele Aufgaben übernimmt, aber keinen PC hat. Da kann man auch keine Einladungen per Mail verschicken“.

 

Froh über Plan B

Ein Anliegen der Seniorenpastoral im Bistum ist es, dass in Corona-Zeiten auch die Stimme der älteren Menschen vernehmbar bleibt. Referent Michael Schmidpeter traut ihnen durchaus zu, noch neue Kommunikationstechniken zu erlernen: „Gar kein Thema“. Praktische Unterstützung könnten dabei zum Beispiel ehrenamtliche Generationen-Mentoren leisten, wie sie im Bistum schon seit längerem ausgebildet werden. Die Scheu vor Skype und Videokonferenz abzulegen, sei für alte Leute nicht nur in Zeiten der Pandemie wichtig: „Der Trend, dass die Familie, die Enkel, immer weiter verstreut leben, wird ja bleiben.“

Für Betreuungskräfte und Ehrenamtliche in der Seniorenarbeit bietet Schmidpeter kurzfristig zwei Online-Seminare an: Am 21. November geht es unter dem Motto „Was Männer mögen“ um Aktivierung für das „starke Geschlecht“. Am 25. November heißt es: „Wunderwerk Hand – ein Schlüssel für Aktivierung und Gedächtnis“.

Auch die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum hält mittlerweile eine ganze Reihe von Online-Angeboten bereit. Dass sich die Verantwortlichen bereits im Frühjahr und Sommer einen Plan B überlegt haben, „darüber sind wir angesichts der derzeitigen Situation sehr froh“ , sagt KEBDirektor Verbands-, Kreis- oder Stadtbildungswerke, „jeder steuert etwas bei, damit wir digitale Angebote machen können, vom Podcast bis zur Video Diskussion. Da sind wir offen für alles“. Allerdings hätten die Anbieter der Erwachsenenbildung bisher für Online-Angebote „keinen Cent vom Staat bekommen“. Generell seien nur Präsenz-Veranstaltungen bezuschusst worden. Es sei aber zu erwarten, dass sich das nun ändere, zeigt sich Brandl zuversichtlich. 

Gabi Gess


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 48 vom 29.11.2020

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