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01.12.2017

„Ich bin ein Mann der Hoffnung!“

Erzbischof Simon Ntamwana von Gitega/Burundi auf Visite in der Partnerdiözese Eichstätt.

 

Zu einem Besuch im Rahmen der Partnerschaft zwischen den Diözesen in Burundi und dem Bistum Eichstätt ist Erzbischof Simon Ntamwana aus Gitega zur Zeit in Eichstätt. Die Kirchenzeitung befragte ihn zur Lage in Burundi und den Nachbarländern.

Erzbischof Simon Ntamwana von Gitega/Burundi im Gespräch mit KiZ-Redaktionsleiter Michael Heberling. Foto: Referat Weltkirche

KiZ: Herr Erzbischof Ntamwana, seit den Wahlen 2015 in Burundi hört die Weltöffentlichkeit von Aufruhr, Verfolgungen, Fluchtbewegungen in Nachbarländer. Wie ernst ist die Lage?

Erzbischof Simon Ntamwana: Ich bin froh, dass wir gute Freunde in Deutschland, in Eichstätt, haben. Das macht uns dankbar und es macht uns stark, die nach wie vor schwierige Situation in unserer Heimat zu ertragen. Es ist nicht einfach, wenngleich es etwas besser geworden ist. Man kann vielleicht sagen, Burundi erleidet eine Krankheit. Es ist so wie bei einem Kranken, der sich ungewollt an seine Krankheitssymptome gewöhnt hat und der Schmerz ist irgendwann nicht mehr so stark wie zu Beginn, aber er ist da. Die Unruhen im Land sind anders als das, was wir in den 90er-Jahren erlebt haben, das war ein offener Bürgerkrieg. Aber seit den Unruhen im Mai/Juni 2015, die gewaltig waren, verschwinden bis heute immer wieder Menschen, werden ins Gefängnis geworfen, ohne zu wissen warum, müssen fliehen und alles zurück lassen.

Ein UN-Report über die Gewalt im Land sorgt für Aufregung.

Erzbischof Ntamwana: Die Regierung erkennt den Bericht über die Gewalt im Land einfach nicht an, mit der Begründung, er enthalte Beobachtungen von außen, die nicht den Fakten entsprächen. Zugleich will man aber keine Beobachter ins Land lassen, die die Fakten überprüfen können.

Der Vorsitzende der burundischen Bischofskonferenz, Bischof Joachim Ntahondereye, verbreitete jüngst in einem Interview dennoch Optimismus.

Erzbischof Ntamwana: Der Kranke darf die Hoffnung auf Gesundheit nicht aufgeben, das wäre schrecklich. Ja, wir geben in Burundi die Hoffnung nicht auf, auch wenn die Situation nach wie vor problematisch ist. Man beobachtet einander, Misstrauen und Angst herrschen, Druck wird ausgeübt. Wenn wir in Burundi eine friedliche Zukunft haben wollen, müssen wir diese Dinge aus der Welt schaffen.

Was ist im Alltag von der Krise zu spüren?

Erzbischof Ntamwana: Ich möchte sagen, die anhaltende Krise hat zu vielen Entbehrungen, zu Verlusten geführt. Wir leiden in mehrfacher Weise Not. Die materielle Armut hat sich spürbar vergrößert. Der Salzpreis hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, der von Öl vervierfacht, genauso der Zuckerpreis, obwohl wir vor Ort selbst Zucker produzieren. Durch die politischen Auseinandersetzungen sind wir auch arm an Beziehungen geworden, etwa zu den Nachbarstaaten. Ein- und Ausfuhrverbote schaden unserer Wirtschaft und treiben die Preise nach oben. Dazu leiden wir unter den Naturkatastrophen, die über uns kommen, an zu viel Sonne, an Dürre oder an zu viel Regen, Überschwemmungen und Bodenverlust. Die Klimaveränderung betrifft uns schlimmer als andere Länder. So reicht die Nahrung nicht. Der Hunger ist ein immer größeres Problem. Und dann ist da noch der Verlust von 400.000 Menschen, Brüdern und Schwestern, die ins benachbarte Ausland geflohen sind, die Söhne und Töchter Burundis sind nicht zuhause.

Welche Rolle, welche Aufgabe hat die katholische Kirche?

Erzbischof Ntamwana: Ich bin ein Mann der Hoffnung und weil ich den Verheißungen Christi glaube, bin ich auch ein Mann der Zukunft. Die Kirche von Burundi ist eine Gemeinschaft der Hoffnung auf die Auferstehung. Wir müssen unseren Schwestern und Brüdern immer wieder sagen und vorleben: Wir haben Hoffnung, wir wollen Versöhnung. Und diese Versöhnung ereignet sich, wo zwei Menschen erkennen, dass sie etwas ändern, es besser machen können. Das ist nicht einfach und passiert nicht automatisch. Aber wir als Kirche werden dabei Begleiter sein.

Was können Sie Neues aus Bugendana berichten?

Erzbischof Ntamwana: Obwohl wir so viele Schönheiten in Burundi haben, ist Bugendana eine besondere Schönheit. Die Menschen dort sehen, erfahren und wissen, dass dieses Werk aus der Liebe zwischen Brüdern und Schwestern im Glauben entstanden ist: Bugendana ist eine Blume der Liebe und der Solidarität. Das Werk ist noch nicht vollendet, aber ich weiß, dass wir in den kommenden Jahren die Grundschule entstehen sehen werden, dass die Berufs-schule den vollen Betrieb aufnehmen kann, und dass wir regelmäßig Gottesdienste in dieser wunderschönen, großen Kirche feiern werden. Wir haben dank der Photovoltaikanlage Licht, jetzt kann sich die Gemeinde bis in den Abend hinein versammeln. Im Dezember soll die Klinik ihren Betrieb aufnehmen. Und das alles wird nicht nur den christlichen Gemeinden, sondern der ganzen Gesellschaft in Burundi sehr viel sagen können. Ich erlebe begeisterte Menschen, die sich engagieren wollen und eine sehr interessierte kommunale Verwaltung, die die vielfältigen Chancen sieht, die mit Bugendana für die Menschen geschaffen werden. Diese Belebung verdanken wir den helfenden Brüdern und Schwestern in Deutschland, in unserem Partnerbistum Eichstätt, den Werken Misereor, missio, Caritas international und den Sternsingern, die sich lange schon und jeden Tag aufs Neue für Burundi einsetzen.

Interview: Michael Heberling, Kirchenzeitung Nr. 49 vom 3. Dezember 2017

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 51 vom 17.12.2017

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