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05.01.2018

In 50 Jahren langen Atem bewiesen

2018 blickt das Bistum auf „50 Jahre Laienräte“ zurück / Albert Rösch war von Beginn an dabei

 

Eigentlich wollte Albert Rösch im Frühjahr 1968 nur seine neugeborene Tochter zur Taufe anmelden. Aber der Rother Pfarrer Franz Meyer, der Rösch von Jugend an kannte, kam im Gespräch mit dem damals 28-jährigen Studienrat noch auf ein anderes Thema zu sprechen. „Es sind bald Pfarrgemeinderatswahlen, da musst Du Dich aufstellen lassen“.

Foto: privat

Der Pfarrgemeinderat tagt. 1977 entstand dieses Bild von der ersten Sitzung im renovierten Sitzungssaal des Rother Pfarrhauses Im Hintergrund (stehend) Vorsitzender Albert Rösch. Foto: privat

Dass er fünfzig Jahre lang am Ball bleiben würde, hätte sich Rösch nicht träumen lassen. Mit mittlerweile 78 zieht er sich jetzt aus Altersgründen zurück. Nicht nur im Rother Pfarrgemeinderat geht damit eine Ära zu Ende, sondern auch im Dekanatsrat, dessen Vorsitzender Rösch ununterbrochen seit 1969 gewesen ist. Zum Abschied hat er seine Erinnerungen an 50 Jahre Rätearbeit aufgeschrieben. Ein Zeitdokument.

„Bei den ersten Pfarrgemeinderatswahlen am 28. April 1968 wurde nur ein Drittel gewählt, ein Drittel berufen und ein weiteres Drittel stellten die amtlichen Mitglieder“, schreibt Rösch. „Ich fragte Pfarrer Meyer: ‚Soll ich mich zur Wahl stellen oder werde ich berufen?‘ Die Antwort des Pfarrers lautete: ‚Das wirst schon sehen‘. Nach der Wahl, bei der ich von den Pfarrangehörigen gewählt wurde, stellte sich heraus, dass der Pfarrer alle, die nicht gewählt wurden, berufen hat.“

Die erste Zeit im Pfarrgemeinderat sei „schwierig und gewöhnungsbedürftig“ gewesen, blickt Rösch zurück. „Die amtlichen, gewählten und berufenen Mitglieder mussten sich erst aneinander gewöhnen. Trotz langer Diskussionen ist oft nicht viel dabei herausgekommen, zumal der damalige Schriftführer fast wörtliche Protokolle schrieb und in der nächsten Sitzung auch noch vorlas. Ich war dann froh, dass sich allmählich ein erster Schwerpunkt in der Arbeit abzeichnete, nämlich Bildung und Erziehung. Zu einer Veranstaltung des Pfarrgemeinderats über christliche Erziehung kamen damals über 100 Zuhörer.“

Keine zwei Monate nach der Wahl des ersten Pfarrgemeinderats nahm Rösch als Delegierter an der konstituierenden Sitzung des Katholikenausschusses (so hieß damals der Dekanatsrat) in Schwabach teil.

Ein „Motor“ der inhaltlichen Arbeit in Pfarrgemeinde- und Dekanatsräten sei der Geschäftsführer des ebenfalls noch jungen Diözesanrats, Toni Hein, gewesen, blickt Rösch zurück. In seinen Erinnerungen fasst er eine Ansprache von 1971 zusammen, die sich aktueller denn je anhört: Hein „nannte zunächst einige Gründe, warum die Katholikenausschüsse im Dekanat noch nicht so richtig funktioniert hätten: das geringe Dekanatsbewusstsein, die fehlende Einsicht für die Notwendigkeit einer überpfarrlichen Zusammenarbeit, die zu geringe Zahl von Mitarbeitern, die ungünstigen räumlichen Verhältnisse der Dekanate. Daher sollte (...) der Katholikenausschuss die Zusammenarbeit von Priestern und Laien fördern, das Gespräch zwischen Pfarreien, Gruppen und Verbänden in Gang bringen und gemeinsame Veranstaltungen einzelner oder aller Pfarreien ermöglichen.“

Hein veranstaltete damals auch Treffen mit den sieben Eichstätter Delegierten der Würzburger Synode, so wurden Rösch und seine Ratskollegen aus erster Hand informiert, unter anderem vom damaligen Synodalen und späteren Generalvikar Johann Limbacher.

1974 erlebte die Diözese Eichstätt eine Gebietsreform: Die Zahl der Dekanate wurde von 23 auf 15 verringert. „Ich war mit der Namensgebung der neuen Dekanate nicht einverstanden“, gibt Rösch zu, „weil Roth als einzige Kreisstadt in der Diözese nicht Sitz eines Dekanats wurde“. Aber es habe seinerzeit keine großen Diskussionen gegeben, sondern „da wurde gesagt: Das machen wir so!“. Für ihn persönlich sei diese Zeit „ein gewisser Durchhänger“ gewesen“, meint Rösch im Gespräch mit der KiZ. In den vergangenen 50 Jahren hat er mit vier Bischöfen, sechs Pfarrern und sieben Dekanen mal mehr, mal weniger eng zusammengearbeitet und dabei erfahren: „Man darf nicht gleich wegen jeder Kleinigkeit sagen: Ich mag nimmer, weil ich die Meinung des Pfarrers nicht vertrage.“

In seinem Rückblick erinnert sich Rösch auch an das Wachsen des Pflänzchens Ökumene: „Nicht zuletzt aufgrund des Dekrets des 2. Vatikanischen Konzils ‚Unitatis redintegratio‘ wurden die ökumenischen Beziehungen in den 1970-er Jahren intensiviert. In dieser Zeit kam es zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Sitzung von evangelischem Kirchenvorstand und katholischem Pfarrgemeinderat.“ Was sich alles tat, darüber berichtete Rösch als Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit im Pfarrgemeinde- und Dekanatsrat regelmäßig in der Presse.

2003 war das Jahr, in dem 52 Seelsorgeeinheiten errichtet wurden. Rösch ging regelmäßig zu Konferenzen, in denen Bestandsaufnahmen über Jugendarbeit oder Sakramentenvorbereitung in den einzelnen Pfarreien durchgeführt, wurden. „Aber zu einer echten Zusammenarbeit auf diesen Gebieten ist es nicht gekommen“, meint er selbstkritisch. „Man diskutierte auch über Datum und Ort des nächsten gemeinsamen Gottesdienstes in der Seelsorgeeinheit, aber in der Praxis sind zu diesem Gottesdienst nur die Gläubigen des Ortes oder höchstens einige wenige Pfarrgemeinderäte aus den anderen Orten gekommen.“

Gut fand Rösch dagegen die Reform von 2011, seit der es nur noch acht Dekanate gibt. Viele Aufgaben, für die er früher als Ehrenamtlicher zuständig war, würden jetzt in den Dekanatsbüros erledigt. Damals, wie auch im Vorfeld der 2017 in Kraft getretenen  Pastoralreform, fühlte sich Rösch durch die Hauptamtlichen der Diözese gut beraten und gehört. „Grundsätzlich finde ich die Neuordnung und Verkleinerung der Pastoralräume sehr gut“, meint er.

Die weitere Entwicklung werde er „aus der Beobachterposition mit viel Herzblut verfolgen“, sagt der pensionierte Studiendirektor, der noch immer stundenweise Deutsch und Sozialkunde an der Berufsfachschule für Altenpflege der Diakonie Neuendettelsau in Roth unterrichtet. Trotz mancher Herausforderung – fehlende Glaubensweitergabe an die nächste Generation und schwierige Suche nach Ehrenamtlichen etwa – zeigt sich Rösch optimistisch: „Die Kirche wird sich weiter wandeln, gemäß dem Motto ‚Ecclesia semper reformanda‘. Sie wird kleiner, bunter, vielfältiger als in der Vergangenheit sein, sie wird auch immer wieder ihre Strukturen ändern müssen. So wird die jüngste Strukturänderung wohl für die nächsten zwanzig Jahre gelten. Dann wird eine neue Generation wieder neue Erkenntnisse einbringen.“

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 1 vom 7. Januar 2018

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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 28 vom 15.07.2018

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