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15.02.2019

In 54 Minuten durchs Münster Schüler des Ingolstädter Katharinen-Gymnasiums erstellen im Religionsunterricht einen Audioguide

Wer schon immer einmal wissen wollte, warum im Ingolstädter Münster Mitglieder der Wittelsbacher begraben sind und was diese Kirche mit der Reformation zu tun hat, für den gibt es jetzt eine moderne Variante der Kirchenführung: einen Audioguide für Smartphones. Schüler des Ingolstädter Katharinen-Gymnasiums haben diesen kostenlosen Hörführer konzipiert.

Foto: Graf

Testlauf: Zusammen mit Religionslehrerin Regina Graf (r.) erstellten Schüler des Katharinen-Gymnasiums Ingolstadt einen Audioguide, sprich einen Hörführer, für das Münster. Foto: Graf

Er soll kunst- und geschichtsinteressierte Besucher zu den wichtigsten Sehenswürdig-
keiten des größten Gotteshauses in Ingolstadt führen.

Infolücke geschlossen

Knapp ein Jahr lang haben die acht Schüler der Oberstufe des Katharinen-Gymnasiums im Rahmen eines P-Seminars im Fach katholische Religionslehre an diesem Audioguide gearbeitet. Ausgangspunkt für die Erstellung war dabei eine Informationslücke. „Es gibt über das Münster jede Menge Bücher und Führer in unterschied-
licher Länge“, sagt Regina Graf, Religionslehrerin und Betreuerin des Projekts am Katherl, wie die Schule oft genannt wird (siehe auch Beitrag unten). „Wer aber eine schnelle und moderne Art der Kirchenführung wie etwa einen Audioguide sucht, wurde bisher nicht fündig“, verrät die Oberstudienrätin im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Diese Lücke wollen die Schüler nun mit ihrem Werk füllen. Herausgekommen bei diesem Projekt sind 16 Tondateien, die den Besucher sowohl über die Baugeschichte als auch über wichtige Einrichtungsgegenstände informieren.

Neben vielen kunsthistorischen Details und kirchengeschichtlichen Ausführungen lassen sich dabei auch interessante Nebensächlichkeiten entdecken: Wem zum Beispiel heute der Begriff Münster recht schnell über die Lippen kommt, der ist sich meistens nicht bewusst, dass diese Bezeichnung im Vergleich zur langen Geschichte dieses Gotteshauses noch recht jungen Datums ist: „Im Jahr 1947, also zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, verfügte Bischof Michael Rackl von Eichstätt, der Kirche den Titel Münster zu verleihen“, hört man etwa im Kapitel zur Baugeschichte. Zuvor – und die älteren Schanzer werden sich vielleicht noch daran erinnern – wurde die Kirche „Obere Pfarr“ genannt.

Der Führer deckt das Spektrum der wichtigsten Sehenswürdigkeiten außen und innen ab: Begonnen beim eindrucksvollen Brautportal und den vielen Seitenkapellen über das mächtige Chorgestühl und die beiden Orgeln bis hin zum farbenfrohen Verkündigungsfenster und dem Bronzeepitaph für Johannes Eck kann man innerhalb einer knappen Stunde zum kleinen Experten für das Münster werden. Selbstver-
ständlich darf bei den Erklärungen auch das Bildnis der Dreimal Wunderbaren Mutter nicht fehlen. Ein Interview mit Münsterpfarrer Dekan Bernhard Oswald und Münstermesner Wolfgang Geiger rundet die Führung ab. Wem der Rundgang mit allen Hörbeiträgen zu lange dauert, der kann auch eine vorgeschlagene Kurzvariante wählen

Es versteht sich von selbst, dass ein derart ambitioniertes Projekt nicht von den Schülern alleine gestemmt werden konnte. „Ziel eines schulischen P-Seminars ist es, Kooperationen mit externen Partnern zu knüpfen“, verrät die betreuende Lehrerin. So holten sich die Schüler schon bald Hilfe bei Manfred Redler: Der ehemalige Grundschulkonrektor, der vielen Ingolstädtern als engagierter Führer in der Reihe „Kunst im Münster“ bekannt ist, stand schon als junger Ministrant im Münster und kennt in diesem Gotteshaus wohl mittlerweile jeden einzelnen Stein. Er hat den Schülern bei einer ausführlichen Begehung das Münster nähergebracht und die Erarbeitung der Texte in inhaltlicher Hinsicht mitbetreut.

Vor dem Einsprechen der Texte im Tonstudio von Radio K1 in Eichstätt erteilte Radiojournalist Bernhard Löhlein den Schülern einen Crashkurs zum Thema Satzbau und Sprechweise im Hörfunk. 

 

Grünes Smartphone

Für die technische Umsetzung holten sich die Schüler ebenfalls einen Experten ins Boot: Christopher Wittmann. Der 21- Jährige studiert in Ingolstadt im fünften Semester User Experience Design und arbeitet nebenbei als selbstständiger Programmierer. Er ertüftelte in Kooperation mit den Schülern die Smartphone-Oberfläche. Von ihm lernten die Gymnasiasten beispielsweise, was man unter einem Moodboard versteht. „Die dominierende Farbe bei unserem Audioguide ist ein helles Grün. Wir wollen damit eine Stimmung von Frühling und Frische erwecken“, erklärt Wittmann die Farbgestaltung.

Zum Abschluss der Arbeiten in diesen Tagen zeigten sich die Schüler äußerst beeindruckt von ihrem Produkt: „Am meisten gefallen hat mir, an den Texten zu feilen und sie danach in einem Tonstudio einzusprechen“, sagt etwa Carolin Ziegler. Auf die Zusammenarbeit in der Gruppe war Lara Bogenberger besonders stolz: „Ich habe gespürt, dass ein derartiges Projekt nur funktioniert, wenn alle etwas dazu beitragen.“ Und Markus Beyer, der selbst Ministrant im Münster ist, gibt unumwunden als Lernergebnis für sein späteres Berufsleben zu: „Wir haben gelernt, die richtigen Kontakte zu knüpfen.“ Der Audioguide ist ab sofort online und kann als App heruntergeladen werden. Wenn also in Zukunft Menschen mit Kopfhörer und Smartphone durch das Münster schlendern, müssen das nicht unbedingt blasphemische Kunstbanausen sein.

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 12 vom 24.3.2019

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