Zum Inhalt springen
21.04.2017

In Eichstätt „hat’s einfach gepasst“

Gespräch mit den drei Kandidaten, die kurz vor ihrer Priesterweihe stehen. Was haben der waschechte Berliner Kilian Schmid, der Oberbayer Thomas Attensberger und der Schwarzwälder Robert Willmann gemeinsam? Alle drei haben sich entschlossen, Priester der Diözese Eichstätt zu werden.

Auf der Fotowand mit den Weihejahrgängen des Eichstätter Priesterseminars wird demnächst auch das Bild von Kilian Schmidt, Thomas Attensberger und Robert Willmann (v. l.) hängen. Foto: Gess

Die KiZ bat die Männer, die seit einem Jahr Diakone sind, kurz vor ihrer Weihe über ihren Werdegang zu erzählen.

Gelernter Brauer

Das waldreiche Erdinger Holzland in der Isar-Inn-Region ist die Heimat von Thomas Attensberger, der 1982 in Landshut geboren und in Niederstraubing aufgewachsen ist. In der Filialkirche des 200 Seelen-Orts war er ein fleißiger Ministrant und wurde mit 13 Jahren auch zum Mesner ernannt. Seine Jugendgruppe, das waren die Oberministranten aus fünf Pfarreien, die sich regelmäßig trafen. Nach der Hauptschule begann er eine Lehre als Bierbrauer und fühlte sich auch wohl am Arbeitsplatz, wäre ihm nicht im zweiten Lehrjahr ein Büchlein über Ignatius von Loyola in die Hände gefallen.

Erstaunt las Attensberger, dass der Heilige als Mittdreißiger mit Neunjährigen die Schulbank gedrückt und Latein gelernt hatte, um Priester zu werden. „Da dachte ich mir: Wenn einer in dem Alter noch den Schneid dazu hat, dann kann ich es mit 17 auch noch packen. Das war quasi mein Berufungs-Ruf.“ Seine Mutter erfuhr als erste von seinem Plan, den er nach Abschluss der Lehre umsetzte: Er trat in das Spätberufenenseminar St. Matthias in Wolfratshausen-Waldram ein. Nach vier Jahren zielstrebigen Lernens hatte er das Abitur in der Tasche und konnte Theologie studieren. Ein polnischer Pater aus seinem Bekanntenkreis empfahl ihm er solle nach Eichstätt gehen, von dort höre man gute Dinge.

Attensberger hat seinen Entschluss nicht bereut. Dass er künftig in einer kleinen Diözese Dienst tut, empfindet der 35-Jährige als Vorteil: Seinen früheren Heimatbischof hat er erst als 20-Jähriger leibhaftig gesehen. „Zuvor kannte ich ihn nur aus dem Fernsehen. In Eichstätt hat man den Eindruck, dass der Bischof draußen präsenter ist.“ Die Räume seien überschaubar, so dass man als Seelsorger „nicht nur am Autofahren ist“.

Seit Herbst 2015 hat Attensberger in den Praktikumspfarreien Burgoberbach, Großenried und Bechhofen Erfahrungen gesammelt. Er hält gern Katechesen und hat sich vorgenommen: „Wenn jemand mit einer Frage kommt, nehme ich mir Zeit.“

Dass die Zugehörigkeit zur Kirche eine Sache der Entscheidung und nicht allein der Tradition ist, hat Kilian Schmidt schon als Kind erfahren. In einer großen Familie mit neun Geschwistern ist er in Berlin aufgewachsen, wo Katholiken eine Minderheit sind. Die Kirche Märtyrer von Afrika im Stadtteil Tempelhof, in der er 1979 getauft wurde, war erst ein Jahr zuvor geweiht worden. Mittlerweile ist sie profaniert.

Tirol und Brasilien

Die Wiedervereinigung erlebte Schmidt aus der Perspektive eines Zehnjährigen, der nun auf einmal mit der Familie Ausflüge in die Umgebung machen konnte, „ohne dass man wusste: da kommt gleich die Mauer“. In seiner Jugend war Schmidt Oberministrant und nahm an Angeboten der Berufungspastoral teil. Bei Exerzitien wurde sein Interesse am Klosterleben geweckt. Erste Station nach dem Abitur 1999 war das Kreuzordenskloster St. Petersberg in Silz/Tirol. Danach lebte er in den brasilianischen Niederlassungen Guaratingueta und Anapolis und studierte Philosophie. 2004 dann ein Neuanfang: Schmidt ging nach Erfurt, um Religion und Geschichte fürs Lehramt zu studieren. Nach einigen Berufsjahren zog es ihn erneut in den Hörsaal. An der Hochschule Benedikt XVI. im österreichischen Heiligenkreuz studierte er von 2011 bis 2014 Theologie. Berlin oder Eichstätt lautete dann die Frage nach dem passenden Priesterseminar. Nach einer Woche des Probe-Mitlebens in Eichstätt fiel die Entscheidung leicht: „Hier hat’s einfach gepasst.“

In Ingolstadt, Eichstätt, Herrieden und Allersberg hat Schmidt bisher Praktikumserfahrung gesammelt. Wo es künftig hingeht, „da versuch ich einfach, offen zu sein“, meint er. Auf alle Fälle wolle er Menschen dabei begleiten, „persönlich eine Entscheidung für Christus zu treffen“.

Als Robert Willmann in seinem Heimatstädtchen Zell am Harmersbach seine erste Beichte hinter sich hatte, erzählte er einem Freund auf dem Weg zum Bolzplatz, dass er jetzt voller Freude sei. Vielleicht ein erster Hinweis auf seine spätere Berufung. Doch Willmann, der bis zum Alter von 18 Jahren ministrierte und als Student mit seiner Freundin per Interrail nach Santiago de Compostela und Fatima reiste, schlug zunächst einen anderen Weg ein.

Fünf Jahre Ingenieur

Nach der Realschule machte er eine Elektroniker-Lehre, erwarb die Fachhochschulreife und studierte Feinwerktechnik an der FH Furtwangen. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Südamerika trat er eine Stelle als Ingenieur in München an und arbeitete fünf Jahre in der Industrie. Während dieser Zeit schloss er sich Gebetsgruppen an „und da hat’s Klick gemacht“. Sein Entschluss, Priester zu werden, gab Anlass, überhaupt einmal am Arbeitsplatz über den Glauben zu sprechen. So erfuhr er, dass sich ein Kollege aus der Nachbarabteilung ehrenamtlich als Pfarrgemeinderatsvorsitzender engagierte, „der hat sich unheimlich gefreut“.

Während seines Theologiestudiums lebte Willmann im Münchner Priesterseminar, war sich aber unsicher, ob er in der Erzdiözese bleiben wollte. Auf Rat eines Eichstätter Priesters kam er ins Collegium Willibaldinum, wo man ihn mit einem „Riesenvertrauensvorschuss“ empfangen habe. „Hier kann man konservativ sein oder liberal, man geht offen miteinander um und es gibt kein Schubladendenken“. Auch in seinem Praktikums-Pfarrverband Lauterhofen sei er herzlich aufgenommen worden, freut sich der 43-Jährige. Das habe ihn ermutigt und viel Energie freigesetzt. 

Bischof Gregor Maria Hanke weiht die drei Priesteramtskandidaten am Samstag, 6. Mai, um  9 Uhr im Eichstätter Dom.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 17 vom 23.4.2017

Beitrag als PDF

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise: Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,00 € (5,90 € einschl. 7 % MWSt. + 1,10 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 7,80 €; Einzelnummer 1,70 €.