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20.10.2017

In Gruppenstärke zur Lesung

Ein Besuch bei der katholischen kroatischen Gemeinde Ingolstadt / Aktive Jugendarbeit.

 

Wer sonntags um die Mittagszeit die Franziskanerkirche in Ingolstadt besucht, den können auch außerhalb der Schulferien Urlaubsgefühle überkommen. Die Heilige Messe wird in einer fremden Sprache gefeiert, es geht sehr lebhaft zu. Die Besucher sind mit ganzem Herzen dabei, in der Art, wie man es von den Menschen am Mittelmeer so kennt.

Mit den Firmlingen auf Reise: Die Jugendlichen der kroatischen Gemeinde Ingolstadt besuchten gemeinsam mit Pater Mato Kroatien. Untergebracht waren sie in einem Ferienhaus der Salesianer Don Boscos auf der Insel Prvic. Das Bild entstand am Hafen von Sibenik. Foto: pf/Fechner

Gefragter Seelsorger

Wie aktiv die Gemeinde ist, zeigt sich besonders in den feierlichen Messen zu Weihnachten, an Pfingsten oder am Palmsonntag. Statt des Evangeliums lesen da mehrere Gemeindemitglieder die Passionsgeschichte, also das Leiden Christi, vor. Normalerweise stehen neben dem Priester dabei zwei Lektoren am Altar – nicht so bei den Kroaten in Ingolstadt: Ganze Gruppen vertreten hier die Apostel,die Frauen und all die anderen, die am Geschehen beteiligt waren. Alle Generationen wirken mit, auch Jugendliche, die zudem die Gottesdienste immer wieder mit einer Musikgruppe begleiten.

Pater Mato Krizic ist der Kroatenseelsorger für Ingolstadt. Der Don Bosco-Salesianer ist allerdings nicht nur hier tätig, er hält auch an jedem Sonntagvormittag in Neumarkt die Heilige Messe (siehe Beitrag unten), an jedem ersten Sonntag im Monat ist er zudem in Altdorf bei Nürnberg und an jedem zweiten und vierten in Weißenburg. Seit dem Jahr 2012 hat er diese Aufgabe. 

Die Gemeinde in Ingolstadt besteht bereits seit 46 Jahren. Lange Zeit war das Gemeindezentrum der Kroaten im ehemaligen Haus der KIM-Bewegung in der Weningstraße, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Seit fünf Jahren trifft sich die Gemeinde in Mailing, wo ihnen Pfarrer Ulrich Flashar Räume zur Verfügung stellt. So finden in der Mailinger Pfarrei St. Martin etwa Messfeiern am Herz Jesu-Freitag statt, es gibt dort Rosenkranzgebete, in der Fastenzeit den Kreuzweg und im Advent Rorategottesdienste. Außerdem findet in den Räumlichkeiten Religionsunterricht in kroatischer Sprache statt und an jedem dritten Sonntag des Monats ein Treffen mit Jugendlichen. 

Überhaupt liegt die junge Generation Pater Mato sehr am Herzen.Im März, während der Fastenzeit, kam er mit den Firmlingen zu einem Workshop zusammen, um sie im Zeugnisgeben für den Glauben zu stärken. Die starke Beteiligung der Jugendlichen am Palmsonntag war nicht zuletzt eine Frucht dieses Workshops. Erklärtes Ziel der Jugendarbeit ist auch, dass die Jugendlichen nicht nur unter sich bleiben, sondern in ihren Pfarreien mitwirken – es geht also um einen religiös-kulturellen Austausch. Und tatsächlich gibt es in der religiösen Mentalität zwischen Kroaten und Deutschen einige Unterschiede. So erzählt Mia, Firmling im vergangenen Jahr, dass man in ihrem Heimatland ganz unbefangen mit der Priester- und Ordensberufung umgehe. In vielen Familien gebe es Ordensleute, und gerade erst sei sie wieder bei einer Priesterweihe dabei gewesen. 

Die kroatische Gemeinde kann eine verhältnismäßig große Zahl von Ministranten aufweisen: 20 Jugendliche wechseln sich beim Altardienst ab. „Bei uns ministriert man schon ab der ersten Klasse“, erzählt Stjepan, im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Manche der Minis sind auch in ihren Heimatpfarreien aktiv. So etwa Antonio Fechner. Seit der Erstkommunion im letzten April versieht er in St. Salvator in Ingolstadt-Unsernherrn den Dienst am Altar. Seine Mutter Meniten wirkte tatkräftig bei der Kommunionvorbereitung mit, und sie ist auch in der Musikgruppe von St. Salvator dabei – ein gutes Beispiel dafür, dass die Mitglieder der kroatischen Gemeinden sich in den Pfarreien vor Ort einbringen. 

Meniten Fechner begleitete gemeinsam mit Pato Mato die Firmlinge der kroatischen Gemeinde zu Urlaubstagen während der Ferien auf die kroatische Adriainsel Prvic. Neben vielen Aktivitäten spielten dort das Gebet und der religiöse Austausch eine große Rolle. „Das Lernen in Gemeinschaft war für die Zwölf- bis Sechzehnjährigen sehr wichtig“, sagt Fechner. Die Gruppe lebte auf der Insel in einem Ferienhaus der Don Bosco-Salesianer. Auch der Besuch bei Bischof Tomislav Rogic im nahegelegenen Sibenik stand auf dem Programm. Daneben haben die Jugendlichen Kultur und Brauchtum bei liturgischen Feiern auf der kleinen Insel kennengelernt. Am Ende der Gottesdienste sangen sie oft das kroatische Marienlied „Rajska djevo KraljiceHrvata – Herrliche Jungfrau, Königin der Kroaten“. Das Lied, berichtet Fechner, sei für die Kroaten fast schon eine zweite Nationalhymne. Bei vielen Festivals und Konzerten ertöne es, und auch die Nationalmannschaft habe das Lied bei der Europameisterschaft gesungen.

Raymund Fobes/af, Kirchenzeitung Nr. 43 vom 22. Oktober 2017

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