Zum Inhalt springen
08.12.2017

Jetzt muss noch Vertrauen wachsen

Die Werbung für die Pfarrgemeinderatswahlen im Februar 2018 läuft bereits auf Hochtouren.

 

Zuvor mussten sich jedoch die 74 Pastoralräume im Bistum entscheiden, wie die Zukunft ihrer Pfarrei aussehen soll. Pfarrverband 1 oder 2? Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen in allen Pfarreien des Pastoralraums, so wie bisher? Oder ein neues Konstrukt mit einem Gesamtpfarrgemeinderat und mehreren Kirchortsräten, denen nicht zwingend ein Geistlicher angehören muss?

Foto: pde/Hoffmann

„Jeder ist aufgefordert, für die Pfarrgemeinderatswahl zu werben, nach Kandidaten zu suchen, und natürlich auch zur Wahl zu gehen“, erklärt Richard Ulrich, Geschäftsführer des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Eichstätt. Foto: pde/Hoffmann

Die große Mehrheit der Pfarrverbandskonferenzen votierte für Modell 1. In sechs der acht Dekanate des Bistums wird es auch nach den Pfarrgemeinderatswahlen im Februar 2018 ausschließlich Gremien nach bisherigem Muster geben. Im Dekanat Roth-Schwabach will einer von zehn Pfarrverbänden das Modell 2 erproben. Lediglich im Dekanat Nürnberg-Süd, wo überpfarrliche Zusammenarbeit schon eine lange Tradition hat, präsentiert sich ein anderes Bild: Vier der sieben Pfarrverbände bilden künftig Kirchortsräte gemäß Modell 2. Die KiZ hat sich bei Mitentscheidern umgehört.

„Vertrauen delegieren“

Pfarrer Franz-Josef Gerner, Seelsorger in Hilpoltstein und Leiter des gleichnamigen Pfarrverbands mit den Gemeinden Hilpoltstein, Jahrsdorf, Meckenhausen, Weinsfeld und Zell, will nicht verhehlen, dass die Entscheidung für Pfarrverband 2 kontrovers diskutiert wurde. „Wenn es neben einer großen mehrere kleine Pfarreien gibt, herrscht dort immer ein bisschen die Angst, geschluckt zu werden. Aber wenn gegenseitige Offenheit da ist, dann kann etwas aufbrechen.“ Freilich setze das voraus, „dass alle ein bisschen beweglich sind“. Zum ersten gemeinsamen Infoabend für die Firmeltern etwa, „da sind die Hilpoltsteiner nach Weinsfeld rausgefahren“, nennt Gerner ein Beispiel. Künftig soll es eine gemeinsame Firmvorbereitung im gesamten Pfarrverband geben, einschließlich Projekttag in Pfünz.

Die „Hiperer“ Pfarrer seien in den anderen Gemeinden des Pfarrverbands keine Fremden, erinnert Gerner an gegenseitige Aushilfen. Oder an gemeinsame Gottesdienste für Ehejubilare, die er mit seinem Meckenhausener Kollegen Pfarrer Roland Seger zelebrierte. Der wechselt jetzt nach Neumarkt. Im Pfarrverband Hilpoltstein, wo es einmal sieben Priester gab, sind es künftig noch drei, dazu zwei Diakone mit Zivilberuf und zwei Gemeindereferentinnen, die sich eine Stelle teilen. Jetzt geht es darum, die Arbeit zu koordinieren, vor allem zu Stoßzeiten wie an Weihnachten oder in der Karwoche. Trotz kommender Herausforderungen wirkt Gerner gelassen, weil er sich als Pfarrer künftig wieder mehr auf die Seelsorge konzentrieren könne. „Bei den Sitzungen der Kirchortsräte, da bin ich sicherlich nicht immer dabei“, kündigt er an und sichert den Laien entsprechenden Freiraum zu. Denn, „wenn ich Aufgaben delegiere, muss ich auch Vertrauen delegieren“.

Auf wachsendes Vertrauen hofft auch die Herriedener Gemeindereferentin Manuela Ludwig, in deren Pfarrverband künftig sechs Pfarreien zusammenarbeiten wollen. Dass die ehrenamtlich Aktiven gründlich informiert und in die Entscheidungsfindung eingebunden waren, „war uns ganz wichtig“, sagt Ludwig. Die Abstimmung bei der Pfarrverbandskonferenz in Weinberg, vor der sich nochmals alle Pfarreien zur Diskussion in einen separaten Raum zurückziehen konnten, fiel dann deutlich zugunsten von Modell 1 aus. Wobei von vorneherein klar gewesen sei: „Wir können und wollen im Pfarrverband zusammenarbeiten, ob mit Modell 1 oder 2.“ Bereits seit Jahren bildet Herrieden mit Elbers-roth, Neunstetten und Rauenzell einen Verband, nun erstreckt sich der Pastoralraum auch auf die Pfarreien Aurach und Weinberg. Das bewährte Taufcafe hat neulich bereits mit sechs statt wie bisher mit vier beteiligten Gemeinden stattgefunden. Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls ist auch ein gemeinsames Gebet des Pfarrverbands Herrieden-Aurach, das die Mitglieder der Pfarrverbandskonferenz erarbeitet haben. Es wurde am 1. Advent in den Pfarreien eingeführt „und soll uns begleiten“, wünscht sich Ludwig.

Erst Skepsis, jetzt Elan

Dass laut bischöflichem Dekret ein leitender Pfarrer im gesamten Pastoralraum den Hut aufhaben sollte, das habe ihn erst einmal mit Skepsis erfüllt, gesteht Pfarrvikar und Dekanatsjugendseelsorger Peter Gräff aus dem Pfarrverband Seubersdorf mit Batzhausen, Dasswang, Eichenhofen und Wissing. Welche Rolle würde dann den anderen Priestern im Team zukommen? Zum Umdenken brachte ihn ein langes Gespräch mit Dr. Markus Oelsmann vom Bischöflichen Seelsorgeamt: „Da hab’ ich richtig gemerkt, welche Chancen im Pfarrverband liegen.“ Mittlerweile freut er sich über eine Zusammenarbeit mit zwei weiteren Pfarrvikaren „auf Augenhöhe“. Und würdigt die Pionierarbeit des überraschend verstorbenen Leiters des Pfarrverbands, Abt em. Makarios Hebler. Durch den von ihm eingeführten gemeinsamen Pfarrbrief, „ist auf einmal Transparenz entstanden“.

Die Wahl des Pfarrverband-Modells ging denkbar knapp aus: Elf zu acht Stimmen für Modell 2. Bei zwölf zu sieben hätte sich Gräffs Favorit durchgesetzt. „Aber es war eine demokratische Entscheidung und wir sind jetzt ganz motiviert, diesen Pfarrverband zum Leben zu erwecken.“ Dazu wollen sich die Kirchenpfleger und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden regelmäßig absprechen. Posthum konnte Altabt Makarios die Früchte des Neuaufbruchs ernten: Am Requiem nahmen sämtliche Vereine aus dem Pfarrverband mit ihren Fahnen teil und mit den Geistlichen zogen 80 Ministranten in die Kirche ein

„Keine große Sache“

Keine Diskussionen gab es im Pfarrverband Nürnberg-Langwasser: „Bei uns war es eine einstimmige Entscheidung für Modell 2“, berichtet Roland Schwab, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in St. Maximilian Kolbe. Die vier Mitglieds-Pfarreien haben bereits seit einigen Jahren den selben Pfarrer, treffen sich regelmäßig zur Delegiertenkonferenz: „Da war die Wahl keine große Sache mehr“.

Im Gesamt-Pfarrgemeinderat wollen die Langwasser-Gemeinden beispielsweise Erwachsenenbildung oder Öffentlichkeitsarbeit planen. Wichtigen Stellenwert habe aber auch die Basisarbeit in den Kirchorten, die Altenarbeit, die Familienkreise, die Gottesdienstgestaltung vor Ort, betont Schwab. Denn „letztlich ist Kirche da, wo Menschen etwas zusammen machen“.

Gabi Gess, Kirchenzeitung Nr. 50 vom 10. Dezember 2017

Beitrag als pdf

Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 32/33 vom 12./19.08.2018

Kontakt / Abo

Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt
Verlag und Redaktion
Sollnau 2, 85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-810
Fax (08421) 50-820
verlag(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
redaktion(at)kirchenzeitung-eichstaett(dot)de
anzeigen@kirchenzeitung-eichstaett.de



Bezugspreise (ab Jan. 2018): Durch die Agentur (Pfarramt) monatlich 7,50 € (6,35 € einschl. 7 % MWSt. + 1,15 € Zustellgebühr); durch die Post monatlich 8,25 €; Einzelnummer 1,80 €.