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17.07.2020

Keimzelle des christlichen Lebens Jan Heinzl, Leiter des tschechischen Tagungshauses Kloster Haindorf, zu Besuch in Eichstät

Er wolle nicht einfach nur anrufen oder eine E-Mail schreiben. Ihm war es ein Anliegen, persönlich vorbeizukommen, um sich für die finanzielle Hilfe der Diözese Eichstätt zu bedanken. Also setzte sich Jan Heinzl, der in Eichstätts tschechischem Partnerbistum Leitmeritz das Bildungs-, Tagungs- und Pilgerhaus in Haindorf (Hejnice) leitet, ins Auto und legte gut 500 Kilometer zurück. In Eichstätt traf er zunächst Dr. Gerhard Rott. Seit fast 15 Jahren kennen sich der Eichstätter Weltkirchebeauftragte und der promovierte Historiker aus Tschechien.

 

Bildungs-, Tagungs- und Pilgerhaus von Eichstätts Partnerbistum Leitmeritz

Im ehemaligen Franziskanerkloster in Haindorf (Hejnice) ist das Bildungs-, Tagungs- und Pilgerhaus von Eichstätts Partnerbistum Leitmeritz seit 2001 untergebracht. Foto: pr/Heinzl

Wichtige Beziehungen

Für Heinzl ist es die Beziehungsebene, die wichtig ist. Das gelte für die Kontakte zwischen Menschen aus Deutschland und Tschechien ebenso wie für die Glaubensvermittlung. Mit Blick auf das Konzept des Bildungshauses, das er seit 2017 leitet, nutzt er den Begriff der „Präevangelisierung“. Zunächst spreche dabei die Existenz des ehrwürdigen Gebäudes und die Geschichte des Wallfahrtsorts eine eigene Sprache. Das Haus befindet sich in einem um 1690 erbauten ehemaligen Franziskanerkloster im Norden des Landes. Während der Zeit des Kommunismus war es Gefangenenlager für mehr als 500 Nonnen und Mönche.

Miloš Raban, ein tschechischer Priester, der einige Zeit in Deutschland wirkte, sah es als seine Lebensaufgabe an, das Gebäude nicht verfallen zu lassen, sondern es mit Leben zu füllen. 1990 begann er diesen Traum zu verwirklichen. Seit 2001 ist das Haus eine katholische Bildungseinrichtung. Dass die eindrucksvolle Kirche seit 30 Jahren immer geöffnet ist, sei in Tschechien etwas durchaus Ungewöhnliches, sagt Heinzl im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Viele Besucher würden zunächst die Ruhe darin schätzen, oft ergebe sich dann mehr: „Die Menschen fragen nach Angeboten.“ Heinzl spricht von einem „Locus aemoenus“, einem Ort mit einer besonderen Ausstrahlung. Das Kloster liegt mitten in einem Naturpark im Isergebirge. Die Region lebt vom Tourismus. 

Auf dem Programm in Haindorf stehen geistliche Themen, Exerzitien, Bildungsangebote und Ausstellungen. Die Galerie im Kloster hat das ganze Jahr geöffnet. Und es gibt auch ein Restaurant. Als Direktor des Hauses sieht es Heinzl als seine Aufgabe, Veranstaltungen zu konzipieren, Referenten zu organisieren und Mittel zu akquirieren. Heinzl ist froh um die Stelle eines Pastoralpädagogen, der sich auch um Inhaltliches und Konzeptionelles kümmere. Das Bildungs- und Tagungshaus sei so etwas „wie die Keimzelle christlichen Lebens“. Der örtliche Pfarrer in Haindorf unterstütze ihn.

 

Gelebte Solidarität 

Corona hat auch in Tschechien alles verändert. Am 12. März rief die Regierung den Notstand aus, am 14. März wurden Gaststätten geschlossen. Am 16. März musste das Bildungs- und Tagungshaus schließen. Schmerzhafte Entscheidungen habe er treffen müssen, berichtet Heinzl: „Wir waren 18 Angestellte, jetzt sind wir noch 15. Das hat wehgetan.“ Zugleich sei viel Solidarität zu spüren gewesen. Ein Spendenaufruf ermöglichte, dass er Rechnungen wieder bezahlen konnte. Die Bistümer Eichstätt und Fulda, sowie das Hilfswerk Renovabis halfen. Auch Vereine aus Sachsen, die Diakonie in Bautzen und andere Institutionen taten das: „Das Bistum Eichstätt hat unbürokratisch und schnell geholfen. Das vergessen wir nicht.“ Schon lange geplante Renovierungsarbeiten könnten nun doch durchgeführt werden.

Heinzl betont, wie wichtig die Partnerschaft sei. Beeindruckt haben ihn die Worte des Generalvikars Pater Michael Huber, der gesagt habe: „Wir denken nicht in nationalen Kategorien.“ Gelebte Kontakte zählten weitaus mehr als Verträge.

Ulrike Schurr-Schöpfel und Andrea Franzetti

 


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Kirchenzeitung - Ausgabe Nr. 31 vom 2.8.2020

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